Nominiert für EM-Quali

Löws ersten Anruf hat Luca Waldschmidt verpasst

Daniela Frahm & Kristina Puck

Für den jungen Stürmer des SC Freiburg geht ein Traum in Erfüllung: Er steht erstmals im Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw – der ihm zunächst auf die Mailbox sprechen musste.

Die erfreuliche Nachricht zu seiner Nationalteam-Premiere erreichte Freiburgs Stürmer Luca Waldschmidt erst im dritten Versuch. Den ersten Anruf von Joachim Löw verpasste der 23-Jährige wegen eines Termins beim Physiotherapeuten. Beim Rückruf ging der Bundestrainer nicht ran. Stolz erzählte der U21-EM-Torschützenkönig am Donnerstag frisch geduscht nach dem SC-Teamtraining von seiner Nominierung: "Mehr geht dann nicht mehr. Das ist ein Traum von jedem Fußballer, der in Erfüllung geht."


Dass Waldschmidt bei den EM-Qualifikationsspielen am 6. September in Hamburg gegen die Niederlande und drei Tage später in Belfast gegen Nordirland dabei sein darf, krönt die Reihe seiner jüngsten Erfolgsstorys. Bei der U21-Europameisterschaft war der Stürmer mit seinem starken linken Fuß und sieben Toren eine wichtige Figur, als die DFB-Junioren erst im Endspiel Spanien unterlagen. Den SC Freiburg schoss er gerade mit zum besten Bundesliga-Saisonstart der Vereinsgeschichte.



"Er ist in einem guten Prozess und ich freue mich sehr für ihn." Christian Streich
Nun wird der Angreifer in der kommenden Woche erstmals mit DFB-Kapitän Manuel Neuer und als Konkurrent für Leipzigs Stürmer Timo Werner trainieren. "Ich probiere das einfach zu genießen, alle Erfahrungen aufzusaugen", meinte er.

Bevor sich Waldschmidt zum Treffen der Löw-Auswahl aufmacht, soll er am Samstag jedoch gegen den noch punktlosen 1. FC Köln zum erhofften dritten Bundesliga-Sieg im dritten Saisonspiel der Freiburger beitragen. "Die Nominierung ist toll für ihn und uns. Er ist in einem guten Prozess und ich freue mich sehr für ihn", sagte Freiburgs Trainer Christian Streich.

Gleichzeitig hofft Streich, dass die Belastung für Waldschmidt nicht zu groß wird. "Wir müssen schauen, dass er nicht in ein Loch fällt, und weiterkommt in Sachen Körperlichkeit und Aggressivität. Das müssen wir gemeinsam hinkriegen", sagte Streich am Donnerstag. "Es ist wichtig, dass er hier jede Minute auf dem Platz nutzt, um in dieser Hinsicht vorwärts zu kommen, und das tut er."

In Freiburg zu einem Mann für die wichtigen Tore gereift

Waldschmidt, der schon jetzt gern mit einer Trainer-Ausbildung beginnen würde, in Freiburg gerne mit seiner Vespa unterwegs ist und vor Kurzem an einem Spanisch- und einem Tanzkurs teilnahm, ist in Freiburg jüngst zu einem Mann für wichtige Tore gereift.

Bei beiden Siegen gegen den 1. FSV Mainz 05 (3:0) und beim SC Paderborn (3:1) traf er per Elfmeter. Als verlässlichen Schützen hat er Nils Petersen, vor der WM 2018 selbst ein Kandidat von Löw für die Reise nach Russland, abgelöst. Im DFB-Pokal rettete er die Badener mit seinem Tor in der Verlängerung beim 1. FC Magdeburg.

In den Fokus spielte sich Waldschmidt aber insbesondere bei der U21-EM. Schnell kamen Gerüchte auf, der Stürmer könnte den Sport-Club noch in diesem Sommer verlassen. Selbst die Tatsache, dass sich der vegan ernährende Waldschmidt länger keine Gemüsekiste bestellte, heizte im Sommer die Spekulationen an.



Noch spielt Waldschmidt im Breisgau, am Montag schließt das Transferfenster. "Einen Wechsel zu einem Champions-League-Club könnte man ihm nicht übelnehmen. Es ist auch unsere Aufgabe, Spieler wie Luca zu finden, nach Freiburg zu lotsen und irgendwann dann wieder für gutes Geld zu verkaufen", sagte Petersen.

Bei Eintracht Frankfurt und beim Hamburger SV war Waldschmidt der Durchbruch nicht gelungen. Auch Streich bemängelte in der vergangenen Saison noch immer Verbesserungsbedarf und setzte ihn manchmal auf die Bank. "Ich glaube, der Trainer hat auch einen großen Anteil daran, dass er mir immer wieder geholfen hat, mir immer wieder Tipps gegeben hat, mich auch mal kritischer angegangen ist, um das Optimale rauszuholen", sagte Waldschmidt.
Das ist der Kader für die September-Spiele

Der Kader der Fußball-Nationalmannschaft für die EM-Qualifikationsspiele gegen die Niederlande (6. September/Hamburg) und Nordirland (9. September/Belfast) besteht aus:
Torhüter: Bernd Leno (FC Arsenal), Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
Abwehr: Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Marcel Halstenberg (RB Leipzig), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Nico Schulz (Borussia Dortmund), Niklas Stark (Hertha BSC), Niklas Süle (FC Bayern München), Jonathan Tah (Bayer Leverkusen)
Mittelfeld: Julian Brandt (Borussia Dortmund), Emre Can (Juventus Turin), Leon Goretzka (FC Bayern München), Serge Gnabry (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Jonas Hector (1. FC Köln), Joshua Kimmich (FC Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid), Marco Reus (Borussia Dortmund)
Angriff: Timo Werner (RB Leipzig), Luca Waldschmidt (SC Freiburg)