Lion Sphere, eine Band entspannt im Dazwischen

Carolin Buchheim

Der Sound der Band Lion Sphere aus Berlin ist vielschichtig und groß und irgendwo dazwischen – wie die Band aus Berlin mit Freiburg-Connection auch. Wir haben sie im Proberaum besucht, bevor sie am Samstag bei "Rock am Bach" in Kirchzarten auftreten.

Sie klingen nach Natur und nach Großstadt, nach Nostalgie und Zukunft, nach Sehnsucht und Nähe. Lion Sphere aus Berlin machen Pop, irgendwo zwischen den Genres und ganz ohne Klischees. Sänger Joel Montagud war in seiner Schulzeit Fudders erster Video-Mann. Vor dem Auftritt der Band auf dem "Rock am Bach"-Festival haben wir ihn und seine Band in Berlin getroffen.


Im Wohnmobil auf Tour mit Mighty Oaks

Für eine Sache sind Lion Sphere schon jetzt zu groß: für einen Honda Jazz. Es ist ein strahlend sonniger Montagmorgen im Juli, eigentlich noch zu früh für alles, zumindest in Berlin. Vor ihrem Proberaum in einem Lagerraum am ehemaligen Flughafen Tempelhof packt die Band den Kleinstwagen für den Gig am Abend in Köln, ein Support für die australische Band The Avalanches. Wenn alle Instrumente drin sind, ist im Wagen noch Platz für drei Leute. "Ich fahre mit dem Zug hinterher", sagt Sänger Joel Montagud, lachend. Ist ja auch sicherlich bequemer als auf der Rückbank zwischen Keyboards und Schallplatten-Karton.



Beim Autopacken ist das Quartett routiniert: In diesem Jahr waren sie viel unterwegs, etwa mit Me and My Drummer und mehrere Wochen auf Europatournee mit Mighty Oaks. "Das war für uns eine echt große Sache", sagt Joel. "Nach dem ersten EP-Release schon aus Deutschland herauszukommen und jeden Abend vor Tausenden von Leuten zu spielen war einfach unglaublich." Die Band fuhr die Tour in einem gemieteten Wohnmobil – die bequemste Art, mehrere Leute durch Europa zu befördern und Geld für Hotelübernachtungen zu sparen. Eine Reise, die sich für die Band mehr als gelohnt hat. "Wenn wir im Sommer irgendwo kleinere Gigs gespielt haben, kamen immer Leute auf uns zu, und haben uns auf Mighty-Oaks-Gigs angesprochen," sagt Joel. "Genau so sollte es ja laufen."



Seit drei Jahren machen Joel, Dominik Petzold, Karim Hegazy und Fabian Rösch jetzt zusammen Musik. "Die ersten beiden Jahre haben wir damit verbracht, uns musikalisch kennen zu lernen", sagt Drummer Fabian. Sie jammten, fingen irgendwann an, Konzerte zu spielen. Im Oktober 2016 veröffentlichte die Band ihre erste EP "The Infinite You" in Eigenregie, auch, ganz klassisch, auf Vinyl.

Auf den sechs Tracks treffen elegante Samples und das groovige Keyboarding von Dominik auf Fabians luftigleichtes, genaues Drumming, Karims entspannte Yacht-Rock-Gitarre und Joels charakteristischen Gesang. "Die EP ist klanglich sehr weit gefächert, fast experimentell", sagt Karim. "Unser Ziel ist es aber immer, untereinander einen musikalischen Konsens hinzubekommen."

Erst mal mussten die vier Multiinstrumentalisten ausknobeln, wer was spielt

Joel glaubt, dass das so gut klappt, weil alle Bandmitglieder unterschiedliche musikalische Hintergründe und Vorlieben haben – und sich zusammengespielt haben. "Das ist das Ergebnis von jahrelangem gemeinsamen Jammen." Da alle Bandmitglieder Multi-Instrumentalisten sind, war zuerst nicht mal ganz klar, wer welches Instrument spielt. "Das hat sich erst jetzt so richtig festgelegt", sagt Joel. Dominik sieht sich etwa nicht – wie sonst bei Keyboardern oft der Fall – als reinen Frickler an. "Ich feile zwar gerne am Klang, aber was mich wirklich begeistert, ist das Songwriting, wenn am Ende alles zusammenkommt." Ihren Klang empfindet die Band so auch als vielschichtige Collage; ein buntes Bild, das fast ein bisschen psychedelisch wird.



"Natur ist bei uns ein großer Inspirationsfaktor", sagt Joel. "Wir schreiben die Musik oft draußen." Trotzdem klingen Lion Sphere urban und weltgewandt. Groß gedacht – und handwerklich gut gemacht. In diesem Sommer war die Band für eine längere Songwriting-Session auf Mallorca in einem Haus von Joels Familie, entspannte Tage, an denen sie an neuen Songs gearbeitet haben. Mehr als ein Dutzend Songs ist jetzt fertig, im Herbst soll es ins Studio gehen, wenn alles gut läuft, soll das Album im Frühjahr erscheinen. Wie, das steht noch nicht so richtig fest. Ein Label wäre schon schön – aber, was bringt das heute überhaupt noch?

Festlegen wollen sie sich nicht, die Kontrolle verlieren auch nicht. Und für den Moment sind Lion Sphere erst mal glücklich mit allem, so wie es ist. Irgendwo dazwischen, aber hochmotiviert auf dem richtigen Weg. Sie haben ein ernsthaftes Management, eine Booking-Agentur mit guten Kontakten und immer mehr Leute, die wegen ihnen zu Konzerten kommen. Genau so sollte es laufen.



Das "Rock am Bach"-Festival wird von Mitgliedern der Autonomen Jugendzentren Kirchzarten und freiwilligen Helferinnen und Helfern organisiert. Es findet am Freitag, 1. und Samstag, 2. September auf dem Engenwaldgelände in Kirchzarten-Dietenbach statt. Am Freitag spielen ab 17.30 Uhr Charme und Melone, Sea Moya, Loisach Marci, Fatcat und Say Yes Dog. Am Samstag geht’s um 17 Uhr mit Zim Zum Crash los, dann treten Die Haiducken, Lion Sphere, El Flecha Negra und Findlay auf. Ein Tagesticket kostet im Vorverkauf 12 Euro, beide Tage 19 Euro, an der Tageskasse 15 und 24 Euro.