Linie 1: Schüler vom Rotteck-Gymnasium spielen Musical

Frederik Baumann

Im E-Werk bringt die Theater-AG des Rotteck-Gymnasiums am Montag das Musical "Linie 1" auf die Bühne. Wir haben die Schüler einen Probentag lang begleitet. Eine Reportage.



Der Eingangsbereich vom E-Werk ist kaum wieder zu erkennen: Auf den Tischen stehen lauter Spiegel, auf den Theken häufen sich Puderdosen, Lippenstifte und Haarklammern. Visagistinnen der Theater-AG verwandeln das Foyer in eine Maske. Etwas nervös laufen die Jungs und Mädels des Rotteck-Gymnasiums hin und her, suchen ihre Accessoires. Regisseurin Constanze Fuhrmann trommelt ihre Schützlinge zusammen und scheucht sie von der Maske auf die Bühne.




Bevor sich alle auf ihren Posten begeben und die Probe beginnt, kommen die 34 Schüler zusammen. Zum Aufwärmen macht die Gruppe Auflockerungs-, Sprech- und Reaktionsübungen. Nachdem das Stampfen und Klatschen der letzten Übung verstummt ist, gibt Frau Fuhrmann das Kommando zum Probenbeginn.



Die ersten Schauspieler betreten die Bühne. Sie sind jetzt keine Freiburger Schüler mehr, sondern Fahrscheinkontrolleure, Obdachlose und Junkies aus Berlin. Immer wieder unterbricht Fuhrmann die Schauspieler, nimmt kleine Veränderungen vor und gibt Regieanweisungen. Die eine Schauspielerin soll lauter sprechen, der andere Akteur ist ihr im Ausdruck zu schlapp. Die Szene wird wiederholt. Wieder und immer wieder, bis das Gesamtbild der Theaterleiterin gefällt.



Die Musik kommt noch aus der Dose. Doch bei den Aufführungen wird sie die Lehrer-Eltern-Band auf der Bühne spielen. Die Band wurde extra für die Produktion gegründet. Die Kulissen der U-Bahn hat die Theaterleiterin aus einem Oberkircher Theater besorgt. "Die Kostüme haben die Jugendlichen selbst gefertigt. Nur selten leihen wir uns Bekleidung. Das eigene Zusammenstellen der Kostüme bringt die Akteure auch dazu, sich nochmals mit der Rolle auseinanderzusetzen", so Fuhrmann.



In der Pause gehen die jungen Schauspieler kurz raus, um frische Luft zu schnappen und etwas zu essen, dann geht's weiter. Bis zur Premiere am Montag steht dem Team noch viel Arbeit bevor. Zum Beispiel die Sachen mit den Rollen, auf denen momentan der Straßenbahn-Waggon steht. Ziemlich unruhige Angelegenheit. "Die Rollen müssen weg, da müssen wir uns eine Alternative einfallen lassen", sagt Fuhrmann. Texte und Choreographien müssten noch sicherer werden.



Worum geht's?

Im Musical Linie 1 vom Berliner GRIPS Theater geht es um ein junges Mädel vom Land, die ihren Traumprinzen, von dem sie schwanger ist, in Berlin finden will. Überfordert vom Treiben der Großstadt begegnet sie den schrägsten Typen. Sie trifft auf Rassismus, Arbeitslosigkeit und Armut.

Im weiteren Sinne handelt das Musical vom Aneinandervorbeileben der Menschen, von Hoffnungslosigkeit und Selbstmord, aber auch von der großen Liebe. Trotz dieser düsteren Themen gelingt es Regisseurin Fuhrmann und ihrer Theatertruppe, die musikalische Revue zwar nachdenklich, aber auch frisch und lustig zu inszenieren.

Was: Linie 1, gespielt von der Theater AG des Rotteck-Gymnasiums
Wann:
Montag, 17. Mai 2010, Dienstag, 18. Mai 2010, und Donnerstag, 20. Mai 2010, jeweils um 20 Uhr
Wo:
E-Werk Freiburg
Tickets:
6 Euro (4 Euro ermäßigt)

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