Linda aus Namibia

Linda Tuttmann

Linda Tutmann aus Freiburg arbeitet für sechs Wochen bei einer Non-Government-Organisation in Namibia - und wird uns auf fudder regelmäßig von ihren Abenteuern berichten. Linda ist 24, und studiert Politik und Geschichte. Zunächst schreibt sie uns von ihren ersten Eindrücken in einem Land, in dem die Uhren anders gehen:



Die Schlange für den Flug nach Windhoek ist nicht schwer auszumachen. "Air Namibia" scheint einen Dresscode zu haben. Trendfarbe meiner Mitreisenden (vorrangig männliche Mitte 50er, Anfang 60er): Eindeutig olivgrün. Olivgrüne Hose, im Kaki Stil, Westen in Angler Manier, auch olivgrün, und Treckingsandalen, ebenfalls olivgrün. Wer auf Abenteuer-Safari geht, will dies wohl schon am Flughafen zeigen.


Eine endlose Weite und ein tiefblauer Himmel empfangen mich in Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Sechs Wochen arbeite ich hier bei der Non-Government-Organisation NID (Namibian Institute for Democracy) als Praktikantin. Nach meinem Auslandssemester in Spanien und vor meiner Magisterarbeit in Politik wollte ich noch mal raus aus Freiburg und "rein" in ein Land, in dem die Uhren anders gehen als in Europa, Amerika oder Australien. Afrika bzw. Namibia - so glaubte ich - würde diesen Ansprüchen sicherlich gerecht werden. Und ich sollte Recht behalten.

Glücklicherweise brauche ich mich nach meiner Ankunft nicht um eine Wohnung in Windhoek zu kümmern. Justine (meine "Chefin") bei NID hatte mir angeboten, für die Dauer des Praktikums ihre Anliegerwohnung zu mieten. Ich hatte Fotos gesehen und war einverstanden. Dies wäre außerdem praktisch, weil sie mich jeden morgen mit zur Arbeit nehmen könnte, schrieb sie mir per Email oder ob ich ein Auto für die sechs Wochen mieten wolle? Ein Auto zu mieten für einen Stadtaufenthalt kam mir doch etwas übertrieben vor. Nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch aus umwelttechnischen Gründen. So gehe ich normalerweise so viel wie möglich zu Fuß oder nehme das Fahrrad. Wenn es gar nicht mehr geht, greife ich auch mal auf die Straßenbahn zurück.



Mir war klar, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in Afrika nicht mit den Europäischen Standards mithalten können, aber irgendetwas musste es ja geben. Bevor ich ein Auto mieten würde (noch dazu fahre ich nicht gern und traute mir nicht zu mit meiner rudimentären Fahrpraxis auf afrikanischen Strassen zu fahren.), würde ich eher eine etwas längere Warte- und Fahrzeit der Busse in Kauf nehmen.

Für meinen rückblickend doch etwas naiven Glauben an die öffentlichen Verkehrsmittel in Windhoek, werde ich schon kurz nach meiner Ankunft abgestraft. Statt, wie gewohnt, einen Bus zu nehmen, werde ich von Justines Mann abgeholt. Der Flughafenbus sei nicht so zuverlässig und die Taxifahrer "hauen die Touristen" übers Ohr, erklärt er mir. Das war meine erste Lektion in Sachen öffentlicher Verkehrsmitteln in Windhoek. Um es kurz zu machen: So gut wie niemand scheint öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen und schon gar kein Weißer. (Sogar Susanna, Justines schwarze Putzfrau nimmt zur Arbeit ein Sammeltaxi, weil die wenigen Buslinien, die überhaupt existieren, so unzuverlässig fahren.)

Fortbewegungsmittel Nummer eins ist hier das Auto. Wenn man mal keins zur Verfügung hat, nimmt man ein Taxi, das jedoch nur tagsüber, das heißt nicht, wenn es dunkel wird. Zu Fuß gegangen wird so gut wie gar nicht. Erstens sind die Distanzen in der Stadt recht groß und zweitens ist es im Auto bzw. Taxi (tagsüber) sicherer. Außerdem darf man sich die Straßen in Windhoek nicht so vorstellen wie die Durchschnittsstrasse in Deutschland. Da keiner zu Fuß geht, gibt es auch keine Fußgängerwege oder Bürgersteige (wenn man vom touristischen Zentrum Windhoeks absieht), geschweige denn Fußgängerampeln.

Soweit zur ersten namibianischen Lektion, auf die sicherlich noch einige folgen werden. Von diesen, aber auch anderen Themen rund um Namibia werde ich an dieser Stelle berichten.

Mehr zu Nambibia

  • Lage und Größe: Liegt im Südwesten Afrikas und grenzt an Angola, Zambia, Botswana und Südafrika. Die Westgrenze bildet der Südatlantik. Namibias Fläche beträgt 824.292 km² und ist damit knapp 2,5 mal so groß wie Deutschland.

  • Stadt und Land: Die Hauptstadt Namibias ist Windhoek, die mit rund 250.000 Einwohnern gleichzeitig die größte Stadt des Landes ist. Weitere Städte sind Swakopmund, Tsumeb, Rehoboth oder Luederitz. Jedoch leben mehr als 2/3 der Einwohner noch auf dem Land.

  • Bevölkerung: Mit gerade mal 2 Millionen Einwohnern zählt Namibia zu den bevölkerungsärmsten Ländern der Welt (auf einen km² kommen 2,5 Menschen). Elf verschiedene Bevölkerungsgruppen leben in Namibia. Zu den wichtigsten zählen die Ovambo (47 Prozent), die Kavango (8,8 Prozent), die Damara und die Herero (beide 7,1%). Der Anteil der Weißen beträgt nur 5 Prozent, davon sind 2 Prozent Deutsche.

  • Staat und Verwaltung: Am 21. März 1990, dem Tag der Proklamation der Unabhängigkeit trat die Verfassung Namibias das erste Mal in Kraft. Die Gesetzgebung liegt in den Händen des Parlaments, das aus 72 Abgeordneten besteht und alle fünf Jahre gewählt wird. Die Exekutive wird von dem Präsidenten und dem ”Rat der traditionellen Führern? gebildet. Dieser Rat wird von traditionellen Oberhäuptern der einzelnen ethnischen Gruppen gebildet und berät den Präsidenten in Regierungsfragen.

  • Seit März 2005 ist Dr. Samuel Nujoma von der SWAPO Präsident des Landes.

  • Wirtschaft: Nach Südafrika ist Namibia das afrikanische Land mit dem höchsten pro Kopf Einkommen (im Schnitt 100 Euro im Monat). Neben Bodenschätzen trägt hauptsächlich die Landwirtschaft bzw. die Viehzucht zum Bruttosozialprodukt bei.