Lilian im Karton

Lilian Kaliner

Der Tag der Abreise rückt näher. Die Wohnung ist geräumt, Altkleidercontainer und Omas Speicher dafür umso voller. Zwischen einem letzten Besuch im Thermalbad und einem letzten Blick auf den Freiburger Abendhimmel hat Lilian ausprobiert, wie viel in einen Peugeot 205 passt.



Zwei Wochen vor Abflug war die Wohnung dran. Ein ganzer Hausstand und alles was ich in den letzten drei Jahren angesammelt hatte, musste raus. Kisten mit den wichtigsten Dingen warten nun bei Oma auf dem Speicher auf unsere Rückkehr, die Altkleidersammlung bekam gleich säckeweise Klamotten und Bettwäsche, und etliches wurde einfach entsorgt. Unser kleiner Peugeot 205 wurde so zugepackt, dass er schier in die Knie ging, und wir wetteten, wieviele Kisten zusammen mit dem Fernseher, Fernsehtisch, Teppichboden und haufenweise anderem Kram wohl reinpassen würden, wenn gleichzeitig drei Leute mitfahren wollten ? drei ganz große! Wer braucht schon den Passat der Eltern, wenn er einen kleinen Franzosen hat?


Unsere Vermieterin meinte, so ein Auszug habe etwas säuberndes, vor allem für die Seele. Stimmt schon irgendwie. Wir haben das Gefühl, mit den ganzen Dingen auch unser altes Leben in die Tonne gepackt zu haben. Eigentlich hätte ich es mir schlimmer vorgestellt, doch die Vorfreude überwiegt und nun sitze ich die letzten zwei Wochen in meinem alten Kinderzimmer zwischen Kuscheltieren und Kinderbüchern. Back to the roots sozusagen, ein letztes Mal.

Das sagen wir momentan sowieso ständig: ein letztes Mal. Ein letztes Mal mit der Freundin aus Mainz (Grüße Maren!) essen gehen, ein letztes Mal ins Thermalbad, die Tanten sehen, mit dem Hund noch mal alle Feldwege abtrotten und und und. Hachja, wir wollten es ja so. Gegen Ende wird eben alles, was einem sonst nie aufgefallen ist, ganz toll. Der Abendhimmel über Freiburg ist plötzlich bunter als sonst und man stellt fest: So schlecht ist es hier gar nicht mal.

Die Tatsache, dass wir diesen Monat nach wie vor noch arbeiten, sorgt für Routine. Richtige Aufregung kommt noch nicht wirklich auf. Aber das wird schon, spätestens wenn wir den Rucksack packen. Aktuell suchen wir verzweifelt einen Regenschutz für unsere kleinen Tagesrucksäcke, der einem richtigen Monsunregen standhält. Zwar sagt das Yahoo Wetter in Bangkok seit Wochen schöne 32 Grad voraus, dafür aber auch täglich Gewitter. Die Regenzeit hatten wir bei unserer Planung irgendwie vergessen...

Heute habe ich mir endlich - so ziemlich auf den letzten Drücker - den internationalen Führerschein ausstellen lassen. Da stellt sich mir auch so langsam die Frage wie das mit dem Linksfahren wohl so werden wird. Einparken kann ich jetzt schon nicht gerade glänzend, vielleicht funktioniert es andersrum ja besser. Immerhin: Die Straßen sind breiter - vielleicht auch die Parklücken. Ich habe bei der Autowahl zwar nichts zu melden, aber vielleicht hat Patrick ein Einsehen und wir bekommen einen Automatik. Denn mit links zu schalten ist anstrengend, wenn man sich schon darauf konzentrieren muss, nicht mit dem Scheibenwischer zu blinken...

Genauso dringend haben wir uns jetzt die Malariaprophylaxe besorgt, ganze 50 Euro pro Person. Jaja, aussteigen ist teuer. Aber das ist ein anderes Thema. In einigen Tagen müssen wir jedenfalls die erste Tablette schlucken. Das ist schon wesentlich besser als der Tipp, den mir mein Hausarzt gab: Wenns dunkel wird immer langärmlige Hemden anziehen, dann können die Schnaken nicht so gut pieksen. Ja genau, da kann ich in Australien gleich Schlangen streicheln!