Liegt es daran, dass wir arabische Namen haben?

Karim Saleh

Karim Saleh und seine Frau suchen eine Wohnung. Sie sind Akademiker, haben weder Haustiere noch Musikinstrumente und verdienen ausreichend Geld - ein Traum für jeden Vermieter. Doch die beiden bleiben glücklos. Dann reift in Karim irgendwann der Gedanke: Liegt es daran, dass wir arabische Namen tragen?



Vielleicht bekommen wir keine Wohnung, weil wir arabische Namen tragen. Frustriert über eine weitere Absage, kam uns dieser Gedanke. Wenn Bildung und Einkommen stimmen, fängt man an zu grübeln und versucht Faktoren für den Misserfolg zu identifizieren. Schließlich kommt einem der Gedanke, den man nicht denken wollte: Vielleicht liegt es an unserer Herkunft. Einmal gedacht, wird man ihn leider nicht mehr so leicht los.


Meine Frau und ich waren in Freiburg auf Wohnungssuche. Profil: innenstadtnah, nah am Grünen, am liebsten Altbau. Mit anderen Worten eher Wiehre und Herdern als Haslach und Weingarten. Zu Beginn läuft alles reibungslos, auch wenn wir am Telefon unsere Namen mehrmals buchstabieren müssen bis Makler oder Vermieter sie richtig notiert haben. Aber das kennen wir. Unsere Anfragen werden immer beantwortet und wir erhalten Besichtigungstermine.

Meistens sind es Massenbesichtigungen und vor den Augen der Mitbewerber bleibt nur wenig Zeit sich dem Vermieter vorzustellen. In der Regel sind wir die einzigen Interessenten mit Migrationshintergrund. Makler oder Vermieter mit einer ähnlichen Geschichte sind uns nicht begegnet.

Dem Gefühl nach sind unsere Auftritte meistens gelungen. Nach und nach kommen aber die Absagen. Dann nimmt auch noch die Zahl der Makler und Vermieter zu, die nicht auf unsere Anfragen reagieren. An sich noch kein Grund stutzig zu werden. Die Zahl der Suchenden ist groß. Ein Maklerbüro erklärte uns, dass sie 1000 Kunden mit ähnlichem Suchprofil in der Kartei hätten.

Wenn der direkte Kontakt aber einmal hergestellt ist und Makler oder Vermieter sich dann nicht mehr melden oder Termine kurzfristig abgesagt werden, beginnt das Nachdenken. Warum bekommen wir keine Wohnung? Welche Faktoren sprechen gegen uns? Wir sind doch Akademiker, unser Einkommen reicht locker für die geforderten Mieten, wir haben keine Haustiere und keine Musikinstrumente. Eigentlich sind wir das, was ein Makler den perfekten Mieter nennen würde.

Der Verstand sucht nach Erklärungen und aus der Summe der negativen Momente erwächst schließlich der schlimme Gedanke: Vielleicht bekommen wir keine Wohnung, weil wir arabische Namen tragen. Vielleicht sind sie das Zünglein an der Waage, wenn wir mit Bewerbern deutschen Namens gleichauf liegen. Das Problem dabei ist: Es gibt keinen offensichtlichen Grund dies anzunehmen.

Uns widerfährt nichts, das nicht schon tausenden anderen Wohnungssuchenden widerfahren ist. Dieser misstrauische Gedanke scheint irgendwo tief verwurzelt zu sein. Er ist eine Art Radar, das
manchmal angeht, weil man weiß, dass diese versteckte Diskriminierung existiert und man mit dem eigenen Anderssein schon so oft konfrontiert wurde, ohne dabei Diskriminierung oder Rassismus
offen erfahren zu haben.

Es nützt nichts: Wir müssen einfach noch besser werden. Bei den darauffolgenden Besichtigungen wollen wir bei den Vermietern einen so guten Eindruck hinterlassen, dass der Klang unserer arabischen Namen in den Hintergrund tritt. Allein das Gefühl sich mehr anstrengen zu müssen, um das Gleiche zu erreichen wie ein Paar, das seinen Namen nicht ständig buchstabieren muss, ist ermüdend. Gebracht hat uns auch das nichts und die Phase der zusätzlichen Mühen fand bald ein Ende.

Über den Einfluss unserer arabischen Namen auf Erfolg und Misserfolg bei der Wohnungssuche können wir letztlich nur spekulieren. Das zu tun, hilft aber nicht weiter. Wir können nichts an unseren Namen ändern und wer weiß, welche Wohnungen wir nicht bekommen haben, weil wir zu viel Eindruck hinterlassen haben. Wenn man das Kriterium Einkommen erfüllt, wird die Menge der Faktoren einfach unüberschaubar: Ein befreundetes Paar hat seine Wohnung wegen der schönen
Handschrift auf der Selbstauskunft erhalten.

Wir haben schließlich aufgehört uns Gedanken zu machen. Wir wollten uns nicht mehr verstellen. Bei einer Besichtigung haben wir dann sogar explizit auf unseren arabischen Hintergrund hingewiesen. Die Wohnung in der Eschholzstraße lag im zweiten Stockwerk und die Schlange der Interessenten ging bis zum Erdgeschoss. Es war die einzige Möglichkeit, sich aus der Masse abzuheben.

Nach gut einem halben Jahr der Suche haben wir schließlich innerhalb von 24 Stunden die Zusagen für zwei sehr schöne Wohnungen in Zähringen und in der Wiehre erhalten. In einer davon wohnen wir jetzt. Vielleicht ist es am Ende einfach nur eine Frage des Glücks.

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