Liebesnotizen aus der Stadtbibliothek

Alexander Chalupka

Ein Liebesbrief, der in einem Buch aus der Stadtbibliothek steckte. Wie romantisch! Oder kitschig? Oder gar fake? Jedenfalls beflügelten jene 122 Wörter die Fantasie unseres Autors Alexander:



Vor zwei Wochen brachte meine Freundin aus der Stadtbibliothek am Münsterplatz einen kleinen, beidseitig beschriebenen Notizzettel mit, den sie in einem Buch über Musik und Musikpädagogik gefunden hatte. Eine Liebesbotschaft die von unerfüllter, schmerzlicher Liebe erzählt. Der Verfasser, David, breitet sein Herz und seine Gefühle vor Charlotte aus. Sie kann seine Liebe bislang scheinbar nicht erwidern:






Bei uns lösten diese 122 Wörter auf sieben mal 14 Zentimetern sofort eine angeregte Diskussion aus. Wir mutmaßten, wer die beiden sind und ob Charlotte die Botschaft je erhalten hat. Womöglich hatte David den Zettel im Buch versteckt, in der Hoffnung sie würde ihn finden. Vielleicht gab sie das Buch ab, ohne ihn zu bemerken. Vielleicht hat sie ihn, weil er ihr viel bedeutet hat, im Buch aufgehoben oder als Lesezeichen benutzt und dann doch vergessen. Hat sie seine Worte gelesen und doch ihre Liebe zu David entdeckt? Und ganz nebenbei: Der Brief ist unglaublich kitschig.

Zu kitschig? Schämen wir uns fremd für diese offenen, ehrlichen Gefühle oder finden wir sie süß? Ein peinlicher, unangebrachter Kniefall oder eine große, romantische Geste? Wir konnten uns weder miteinander, noch mit uns selbst einigen. Wir wussten zu wenig! Sogar zu einem kleinen verschwörungstheoretischen Gedankenspiel haben wir uns verstiegen: Hat Charlotte selbst den Brief geschrieben? Die Schrift hat einen gewissen weiblichen Schwung ...

Wie eine Flaschenpost hat dieser zufällige Fund unsere Fantasie beflügelt und inspiriert. Zu gern würde ich sie dem Empfänger oder wenigstens ihrem Absender zustellen und von einem der beiden die Geschichte hinter dem kleinen Zettel hören.

Deswegen der Appell an euch: Wer unter den fudder-Lesern kennt die beiden? Sind vielleicht Charlotte oder David unter den Lesern dieser Zeilen und erkennen sich darin wieder? Womöglich erfährt Charlotte überhaupt erst durch diesen Artikel von Davids tiefer Liebe.

Solltet ihr die beiden nicht kennen, dann seid ihr herzlich eingeladen, unserem Beispiel zu folgen. Lest den Brief und lasst eure Fantasie, in Kooperation mit euren langsam erwachenden Frühlingsgefühlen, eine eigene Geschichte, um unsere beiden Protagonisten bauen. Wer weiß, vielleicht ist die Geschichte in unserer Fantasie, wie so oft, besser als die Wirklichkeit. Viel zu oft halten Träume, Fantasien und Erwartungen dem echten Leben einfach nicht stand.

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