Le Gipfel: Polizei und Demonstranten treffen im Bermudadreieck aufeinander

David Weigend

Gegen 13 Uhr ist es im Bermudadreieck zu Rangeleien zwischen nicht angemeldeten Demonstranten und der Polizei gekommen. Polizisten stellten bei einigen Aktivisten des "Carneval de Resistance" die Personalien fest, es kam zu zwei vorläufigen Festnahmen wegen Verstoß gegen das Waffengesetz.



Der Wirt vom Ratsstüble in der Universitätsstraße hat heute Rahmhackbraten nach „Großmutters Art“ mit Gemüse und Spätzle auf die Speisetafel geschrieben, aber es scheint sich am Mittag gegen 11.50 Uhr niemand dafür zu interessieren. Das Lokal ist leer. Alle Augen richten sich ein paar Meter weiter auf den Rathausplatz. Jeder will einen Blick auf Sarkozy und Merkel erhaschen. „Monsieur Sarkozy!“ schreien zwei aufgekratzte Französinnen, die extra aus dem Elsass angereist sind, um ihren Staatspräsidenten zu grüßen. 15 Sekunden lang sehen sie ihn, wie er am Glühweinstand vorbeigeht, grinst und die Hand hebt. So muss das früher gewesen sein, wenn mal die Beatles in der Stadt gewesen waren.


Aber bleiben wir bei den Tatsachen. Wer um 12.30 Uhr am Geldautomaten neben dem Schlappen Bares abheben will, muss schon Herrn Harry Hochuli (Leiter vom Polizeirevier Nord) um persönliche Erlaubnis bitten. Und das ist gar nicht so einfach, weil der Mann mit der grünen Baskenmütze umringt ist von Kollegen, Sambatrommlern, Clowns und Absperrgittern.



Coinneach McCabe, Gemeinderat der Grünen Alternative Freiburg, beobachtet den Aufruhr hinter einer Kette aus sechs Polizisten auf Höhe des Burger Kings (Löwenstraße). Die Polizisten sind hörbar Schwaben, stehen breitbeinig da und sind sehr gut darin, Bürger, die den Platz passieren wollen, freundlich aber entschieden abzuweisen.

Alle fünf Minuten wird ein Clown von Polizisten abgeführt und zu einem der beiden Einsatzwagen verbracht. „Easy Cool“ steht da auf dem Dachaufsatz. Aber so easy ist die Stimmung gar nicht. „Lasst sie frei!“ rufen die etwa 80 Demonstranten aus der linken Szene. Trillerpfeifen, Silvesterknaller. „Ihr müsst nichts unterschreiben!“, so der Sprechchor zweier Demonstrantinnen. Natürlich unterschreiben die Clowns nichts. Mit ironischem Grinsen wedeln sie ihre Beschlagnahmungszettel in der Luft herum.

Darauf steht etwa, dass ein Tamburin und eine Trillerpfeife einkassiert wurde. Sesamstraße für heranwachsende Revoluzzer, Räuber und Gendarm mit echten Handschellen, Protestkultur in Freiburg. Alles wie gehabt.



Es spielen sich aber auch rätselhafte Szenen ab, wie etwa jene, als ein Polizist die Rastafrisur einer Demonstrantin mit Gummihandschuhen durchkämmt. „Vielleicht sucht er nach versteckten Glöckchen“, vermutet McCabe. Auf die etwas naive Frage, wer diesen Carneval de Résistance eigentlich organisiert habe, meint er nur süffisant: „Organisiert ist vielleicht das falsche Wort.“

An der Ecke vom Schuhhaus Salamander klebt ein Typ einen Sticker über das Hinweisschild für eine Arztpraxis. Darauf steht: „Patriotismus. Nationalismus. Faschismus. Die Grenzen sind hauchdünn.“ Es wird hier gegen alles Mögliche demonstriert: Kernkraft, Nationalismus, Polizei, Politik. Gesprächsfetzen unter den bemalten Demonstranten: „Hast du gehört? Den Paul haben sie gecasht!“ „Kuck mal, die filmen uns schon die ganze Zeit! Das geht echt gar nicht!“ „Ey, den Sarkozy haben sie angeblich auf dem Münsterplatz mit der Wasserpistole getroffen. Voll geil!“

Irgendwie ist das mit der Wasserpistole sinnbildlich. Man hat sich das Ganze etwas aufreibender vorgestellt. Ein paar Sambatrommler, die üblichen „Wir sind friedlich, was seid ihr?“-Rufe, ein paar Demonstranten im Polizeigriff, mehr nicht.



13.30 Uhr: Herr Hochuli lächelt. Die meisten Zuschauer, die nicht zum harten Kern der Gipfelclowns gehören, trollen sich. Sie gehen Richtung Platz der Alten Synagoge, wo die angemeldete Demo stattfinden soll.  

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