Last-Minute-Tipp: Zwei Jungs umsegeln 4 Jahre lang die Welt, machen Musik - und spielen am Freitag im Südufer

Vanja Tadic

"Erst belächelt, dann beneidet, dann bewundert". So schreibt es der Musikexpress über Hannes Koch und Benjamin Schascheck, die vier Jahre mit ihrer Musik um die Welt gesegelt sind. Diesen Freitag spielen sie im Südufer in Freiburg - und zeigen, was sie auf ihrer Reise alles gesammelt haben:



Benjamin Schaschek hatte seinen Rückflug verpasst und nun war er gefangen im Paradies. Ein Semester lang hatte er in Sidney studiert, doch der Flieger nach Berlin flog ohne den Deutschen. Schaschek tat, was er in Sydney die ganze Zeit getan hatte: "Ich ging dann sofort an den Strand, um mich beim Surfen ein wenig abzuregen". Als er in der Ferne ein weißes Segelboot erblickte, hatte er eine Idee. Statt mit dem Flieger wollter er mit dem Boot nach Hause fahren.


Zuerst rief Benjamin jedoch seinen Kumpel Hannes Koch in Deutschland an - und überredete ihn, nach Australien zu fliegen, um den Plan gemeinsam wahr zu machen.  Hannes flog nach Australien.

Doch ganz so schnell und einfach ging es nicht. Erst einmal musste ein Boot her und segeln konnten die beiden Dirigenten bis dahin auch nicht. Das Boot kauften sie auf den Salomoneninseln, nordöstlich von Australien. Dort schipperten sie erst eine Weile an der Küste entlang, bis sie ihre Jungfernfahrt nach Papua-Neuguinea wagten. "Wir hatten keine Zeit, Angst zu haben, weil wir immer so viel zu tun hatten. Als wir dann nach unseren ersten drei Wochen mitten auf dem Ozean wieder an Land kamen, war ich so platt, weil die ganze Anspannung mit einem Mal von mir abfiel", sagt Benjamin.

Aus ein paar Monaten wurden viereinhalb Jahre

Ihre Route ist beeindruckend: Über Asien, Afrika und Amerika kehrten sie zurück nach Berlin, wo die beiden sich 2008 während dem Studium für Tontechnik kennengelernt hatten. Geplant waren neun Monate - es wurden viereinhalb Jahre. Am interessantesten fanden sie Kuba und Vietnam. Warum? "Weil sie sich wegen des Kommunismus noch sehr von den anderen Ländern unterschieden."

Zum Teil sei es dort fast wie im Mittelalter zugegangen. "Die Leute in Kuba kannten so etwas wie eine Filmkamera nicht", sagt Benjamin, als er davon erzählt, wie Hannes barfuß mit seiner Kamera in Kuba filmte und alle sich nur für seine nicht vorhandenen Schuhen interessierten. "So hat jedes Land seine Eigenheiten. Die Welt ist einfach schön!"

Insgesamt haben die beiden auf ihrer Reise mit Hilfe von 200 Musikern weltweit 150 Songs produziert. An Land nahmen sie mit den verschiedensten Musikern auf und vereinten die Songs auf ihren Alben "AAA", "Entdecke das Unerhörte" und dem neuesten "Songs for Marianne", das ihrem Segelboot "Marianne" gewidmet ist.

Musiker seit immer

Benjamin spielt, seit er sechs Jahre alt ist, Cello und hat 13 Jahre in einem Orchester gespielt. Hannes spielt Bass und Gitarre. "Hannes kann ohne Musik nicht einschlafen. Er braucht Musik einfach rund um die Uhr", sagt Benjamin. Multiinstrumentale Jungs, die beruflich schon immer etwas mit Musik machen wollten - und das auf ihrer Weltumsegelung täglich taten.

"Es war nie schwer, Leute zu finden, die ein Instrument spielen oder gerne singen. Es war viel mehr schwer, ihnen zu erklären, was wir genau machen". Manchmal sei das nur mit Hilfe von Händen und Füßen gegangen, sagt Benjamin. Der Sound, der dabei heraus kam, erinnert an Pop und akustischen Singer/Songwriter-Klang, alles bunt gemischt. Musik, die Fernweh macht.

Mit der Weltmusik auf Deutschland-Tournee

Mit ihren Alben gehen die beiden Jungs nun auf Tournee. Von Juni bis August spielen sie in 40 verschiedenen Städten, von Süd- bis Norddeutschland. Mit ins Boot, beziehungsweise in den amerikanischen Schulbus, den sie extra importieren ließen, haben sie sich Musiker geholt, die sie in den vier Jahren kennengelernt haben. Es war ihr größter Traum, die besten Musiker ihrer Reise für eine Tournee nach Deutschland zu holen, was sie ihnen auch versprachen. Jetzt hat es geklappt. Freunde aus Südafrika, Australien, Brasilien und Indien sind dabei. Zusätzlich werden Geschichten erzählt und Videos aus aller Welt eingespielt.

Nach Freiburg verschlägt es die Musiker zum einen, weil es auf dem Weg ihrer Strecke liegt und zum anderen, weil ihr Freund Lincoln Davis aus Sidney seit geraumer Zeit hier wohnt. Er begleitet die Tournee ebenfalls.

Wer heimlich selbst von so einer Reise träumt, allerdings nie den Mut oder die Möglichkeit hatte, sie zu erleben, sollte am Freitagabend ins Südufer gehen.

Mehr dazu:

Was: Sailing Conductor - Entdecke das Unerhörte
Wann: Freitag, 17. Juni 2016, 20 Uhr
Wo: Theater Südufer
Eintritt: 14 Euro/10 Euro ermäßigt [Foto: Sailing Conductor]