Musik

Last-Minute-Konzerttipp: Naomi im Swamp

Valentin Heneka

Früher landeten die Stücke von Naomi auf Lounge-CDs. Diesen ist das Berliner Duo längst entwachsen: Im Swamp präsentiert es heute Abend reifen Elektro-Pop in voller Bandstärke.

Auch wenn das Publikum in der Regel nichts davon mitbekommt, zählt sie mitunter zu den wichtigsten Abschnitten in der Entwicklung von Künstlerinnen und Künstlern: Die Schaffenspause. Das Berliner Duo Naomi hat eine solche hinter sich. Ganze sieben Jahre gab es, außer vereinzelten Konzerten in Istanbul, Wien oder Berlin, nichts Neues von Bernd Lechler und Nico Tobias Wirtz zu hören. Viel Zeit, um den musikalischen Kompass neu zu justieren – oder einem anderen Hauptberuf nachzugehen, wie zahlreiche andere Musikerinnen und Musiker auch. Naomi haben beides gemacht, als 2017 das aktuelle Album "Swim" erscheint.




Früher klang Naomi eindeutig nach Downtempo, Ambient und Future Jazz, viele der frühen Stücken fanden eine Zweitverwertung auf Chill-Out- und Lounge-Samplern. "Swim" aber fühlt sich in der Indie-Elektro-Pop-Schublade für Erwachsene wohler. Die Einflüsse der 90er-Jahre Electronica verlagern sich subtil in den rhythmischen Unterbau, während sich Naomi darüber frei durch die Pop-Geschichte bewegen. Wo früher Gast-Sängerinnen und -Sänger zu hören waren, singen Naomi heute selbst, teilweise sogar zweistimmig. Intelligentes Songwriting trifft auf Gitarren- und Synthesizer-Riffs, Wurlitzer- und Rhodes-Sounds sowie sanfte elektronische Klangflächen.

Was Naomi auszeichnet, ist ein besonderes Gespür für Melodien, die Erinnerungen an große Momente der neueren Pop-Geschichte wecken. An das dänische Duo Laid Back etwa oder an das Frühwerk der französischen Band Air. Zurückgelehnt klingt die Musik von Naomi immer noch, die Stimmung changiert zwischen Melancholie und Coolness. Aber den Lounge-Compilations ist Naomi definitiv entwachsen. Für Live-Auftritte wächst das Duo neuerdings mit Sebastian Deufel, der früher Gisbert zu Knyphausen am Schlagzeug begleitete, und Bassist Patrick Frankowski von den Jimi-Tenor-Kollaborateuren Kabu Kabu zur vollbesetzten Band an. Vielleicht auch ein Grund, warum ein (auf Aufnahmen) derart elektronisch klingender Act im Swamp gastieren darf.


  • Was: Naomi
  • Wann: Freitag, 21. Juni, 21 Uhr