Last-Minute-Konzerttipp: Evelinn Trouble im Swamp

Bernhard Amelung

"Psychedelik in allen Formen". So beschreibt Evelinn Trouble selbst ihre Musik. An diesem Donnerstag tritt sie im Swamp auf. Hingehen!

"I was born survivor", singt Evelinn Trouble mit tiefer Stimme. Im Hintergrund knistern und flirren Synthesizer. Dann setzt der Bass ein. Er grummelt wie ferner Donner. Trouble zaubert mit ihrer Stimme einen Kontrast dazu. "I don’t wanna feel dead anymore" singt sie. Ihre Stimme klingt jetzt hell und klar.


Evelinn Trouble singt an gegen die rauschenden Klanglandschaften, die an Post Rock, New Wave und Synth Pop der Achtzigerjahre, den psychedelischen Rock der späten Sechzigerjahre erinnern. Und auch hier ein Kontrast. Evelinn Trouble trägt klebrig-süße Pop-Harmonien auf. Das klingt wild, verrückt, bunt. Sie selbst beschreibt ihren Sound als "Psychedelik in allen Formen".



So eröffnet die Schweizer Musikerin und Sängerin, 1989 in Zürich als Linnéa Racine geboren, ihre Single "Hope Music". Musik als Hoffnung, Hoffnung durch Musik. Beide Interpretationsarten des Titels sind möglich. Wahrscheinlich auch gewollt. Troubles Biographie, ob als Künstlerin oder Privatmensch, weist Brüche und Verwerfungen, Höhen und Tiefen auf.

Sie zog von zuhause aus, lebte in Paris, London, Berlin, dann wieder Zürich. Jetzt hat sie Basel zum Mittelpunkt ihres Lebens und künstlerischen Schaffens gemacht. Bei aller Unstetigkeit und innerer Unruhe – es fiel ihr schwer, im Ausland Fuß zu fassen -, ist ihr immer die Musik geblieben. Auch im Sommer 2012, als sie bei einem Unfall am Zürcher Bahnhof Hardbrücke schwere Verbrennungen erlitt. Wenige Monate später, im Februar 2013, veröffentlichte sie mit "The Great Big Heavy" ihr drittes Album.

Heute besingt sie die Musik, die Konstante in ihrem Leben, mit den Worten "Hope Music is gonna make me whole".

Erschienen ist "Hope Music" im April 2018. Im September desselben Jahres wurde sie mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet. Einer von vielen Kulturpreisen. 2017 bekam sie zum Beispiel den Förderpreis des Kantons Zürich.



"Mit elementarer Wucht inszeniert sie ihre komplexen Songs und ist dabei brachial und zärtlich zugleich. Zu radikal für den Mainstream, sprengt sie die Grenzen der kleinen Schweizer Popwelt". So würdigt sie die Jury des Schweizer Musikpreises.

Das vielleicht schönste Kompliment bekam sie allerdings schon 2016. Damals schrieb David Kohler, besser bekannt als Rapper Knackeboul, in der (inzwischen eingestellten) Schweizer Wochenzeitung Tageswoche: "Trouble ist zur Zeit eine der beeindruckendsten Schweizer Musikerinnen. Live, auf Band und als Gesamterscheinung. Sie ist auf eine gesunde Art krank und aufrüttelnd und vorallem eines nicht: nüchtern."

Zurecht. Evelinn Troubles Harmonien machen trunken. Ihre Stimme berauscht. Das Konzert an diesem Donnerstag ist ein Pflichttermin für alle, die eine starke, rauhe Musik zu schätzen wissen, die sich in keine Schublade pressen lässt. Ganz so wie die Künstlerin selbst.
Was: Evelinn Trouble
Wann: Donnerstag, 24. Januar 2019, 20 Uhr
Wo: Swamp, Talstraße 90, 79102 Freiburg

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