Large Hadron Collider: Angst vor schwarzen Löchern unbegründet

Katharina Wenzelis

Am Dienstag hat der Freiburger Physiker Gregor Herten im ausverkauften Planetarium einen Vortrag über die Weltmaschine LHC gehalten. Auch Laien haben danach verstanden, worum es da geht. Herten beantwortete außerdem die Fragen, ob der LHC schwarze Löcher erzeugen könne und ob jetzt der Weltuntergang kommt.



Vor allem Physikstudenten sind ins Planetariums gekommen, aber auch einige Nicht-Wissenschaftler. Sie wollen hören, was es mit der Maschine auf sich hat, die angeblich den Weltuntergang herbeiführen könnte.


Professor Herten erklärt zu Beginn, was der Large Hadron Collider (LHC) ist und was man sich von den dort stattfindenden Experimenten erwartet:

"Der LHC ist der größte Teilchenbeschleuniger der Welt. Wir versuchen, mit der Forschungsmaschine die kleinsten Teilchen der Materie zu finden und die Wechselwirkungen dieser Teilchen zu untersuchen. So wollen wir herausfinden, woraus die Materie besteht, die uns alle umgibt. Wir hoffen darauf, neue Entdeckungen zu machen, um vorhandene Teilchentheorien überprüfen und auf eine umfassende Theorie schließen zu können. Wir möchten die gewonnenen Erkenntnisse dann auf den gesamten Kosmos übertragen, um am Ende die Entwicklungen nach dem Urknall besser verstehen zu können."



Der LHC ist laut Herten vergleichbar mit einem Röhrenfernseher. Beim TV werden Elektronen beschleunigt, mit Magneten abgelenkt und treffen dann auf die Mattscheibe, wo sie einen leuchtenden Punkt erzeugen. Der LHC funktioniert ähnlich, nur dass die Röhre für die Beschleunigung mit 27 Kilometern viel länger ist. Die Maschine gehört zur Großforschungseinrichtung Cern in Genf und befindet sich zwischen dem Genfer See und den Alpen, zirka 100m unter der Erde.

Im LHC werden die Protonen in Form von einem Strahl durch eine Röhre geschossen und erreichen nahezu Lichtgeschwindigkeit. Die Ablenkmagnete innerhalb der Maschine haben die Aufgabe, den Strahl auf Kurs zu halten, damit die Teilchen überhaupt auf der Kreisbahn bleiben.

Desweiteren gibt es die so genannten Fokussiermagnete. Sie sorgen dafür, dass der Strahl fokussiert bleibt und nicht immer breiter wird. Die Protonen kreisen in zwei Röhren in entgegengesetzer Richtung. Im Strahlungsdetektor kreuzen sich die Röhren, die Protonen prallen aufeinander und geben Energie ab. Es bilden sich neue Teilchen, die dann im Detektor registriert werden.

Der LHC ist laut Herten das größte und ehrgeizigste Projekt, das es in der Teilchenphysik je gegeben hat. Es ist ein Weltprojekt, an dem viele Nationen beteiligt sind. Auch die Uni Freiburg leistet wichtige Beiträge an den LHC-Experimenten. "Die bisherigen Testläufe liefen super, alles ging gut, besser als erwartet. Wir haben zehn Jahre auf diesen Moment hingearbeitet und dann funktioniert alles, wie man sich das vorgestellt hat", erzählt Herten euphorisch.



Durch viele Beispiele verdeutlicht Herten die Größendimension dieses Experiments: In einem Jahr müssen zehn Petabyte Daten gespeichert und ausgewertet werden, das entspricht einem CD-Stapel von 20 Kilometern Höhe.

Zum Ende des einstündigen Vortrags geht Herten auf die Gegner des Projekts ein und erklärt, was an den Spekulationen rund um den Weltuntergang dran ist oder auch nicht.

Ganz einfach zu verstehen ist das nicht mit der Materie, der Antimaterie und der dunklen Materie. Man spricht auch von der so genannten fehlenden Energie. Jedenfalls sind schwarze Löcher Bindungszustände der Gravitation, riesige Massen. Um schwarze Löcher erzeugen zu können, müsste der LHC so groß sein wie die Galaxie.

"Schwarze Löcher, die die Welt in sich aufsaugen, sind komplett augeschlossen", sagt der Professor. "Selbst wenn es möglich sein sollte, dass kleine schwarze Löcher enstehen, was meiner Meinung nach nicht möglich ist, da die Gravitationskraft im LHC zu gering ist, würden diese in einer billionstel Sekunde wieder zerfallen und könnten keinen Schaden anrichten. Was wir mit dem LHC machen, passiert in der Natur auf der Erde ständig in viel höheren Konzentrationen. Es ist ja bisher auch nichts passiert."

Mit ersten Ergebnissen aus dem Cern kann man erst im Frühjahr rechnen. Wer mehr über das LHC wissen und sehen will, wird in Berlin fündig. Im Tunnel des neuen U-Bahnhofs unter dem Bundestag findet dort zwischen dem 15. Oktober und dem 16. November 2008 eine Ausstellung zum Thema statt.

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