Lagebericht: So ist die Situation in den Notunterkünften für wohnungslose Studierende

Marlene Resch

Das Semester hat begonnen, doch viele Studierende in Freiburg sind noch wohnungslos. Sie leben in Notunterkünften. fudder-Autorin Marlene Resch war vor Ort und fand heraus: Besonders schwer haben es internationale Studierende:



Wenn Studierende obdachlos sind

Das neue Wintersemester beginnt und wie immer bedeutet das, dass auf dem Freiburger Wohnungsmarkt die Hölle los ist. Hunderte von Erstsemestern suchen ein Zimmer. Ob Wohngemeinschaft, zur Untermiete oder im Studierendenwohnheim: In Freiburg zu studentenverträglichem Preis ein Dach über dem Kopf zu finden, ist gar nicht so einfach.

Auch dieses Jahr zum Semesterbeginn sind deshalb zahlreiche Erstsemester darauf angewiesen, vorerst in den Notunterkünften des Studierendenwerks SWFR unterzukommen. Zwischen Oktober und November kann hier die Zeit der Wohnungssuche überbrückt werden.

Bedarf schwer vorhersehbar

Die Notunterkünfte in der Studentensiedlung (StuSie) bestehen grundsätzlich aus einem großen Matratzenlager. Dicht an dicht liegen die Schlafplätze der zukünftigen Studierenden. Für etwa 90 Leute ist hier Platz. Momentan, direkt zum Semesterbeginn, ist der Andrang am größten, erklärt Renate Heyberger vom Studierendenwerk Freiburg SWFR.

Wie viele Leute untergebracht werden müssen, ist für die Organisatoren vorab schwer kalkulierbar: Die endgültigen Erstsemesterzahlen der Uni werden erst im Laufe des Novembers bekannt und auch die Bewerberzahlen für das Studierendenwohnheim sind nicht aussagekräftig. Deswegen muss man sich für die Notunterkunft auch online anmelden. Pro Nacht kostet die Unterkunft 8 Euro. Dieses Jahr wurde die Notunterkunft erstmals auch auf das Händelwohnheim in Herdern ausgeweitet.

Ein Unistart mit besonderem Charakter

Die Stimmung in den Notunterkünften ist entgegen der Erwartungen nicht bedrückend: Man arrangiere sich ganz gut mit der Situation, berichten die meisten der Bewohner. „Wenn man keine zu hohen Ansprüche hat, ist das komplett in Ordnung hier“, erzählt Leon aus Essen. Und irgendwas Cooles habe es ja auch: Selten lerne man in so kurzer Zeit so viele Leute kennen und die gemeinsame Lebenslage verbindet die Wohnungssuchenden schnell. „Hier ist man nicht neidisch, wenn ein anderer eine Wohnung findet, sondern freut sich für ihn.“ Bei Leon hat es jetzt auch endlich geklappt – er hat eine Wohnung gefunden.



Internationale Studierende haben es auf dem Wohnungsmarkt oft noch schwerer

Etwas schwieriger ist es für Sadok aus Tunesien. Er ist nun schon 16 Tage in der Notunterkunft und auf ständiger Wohnungssuche. Eigentlich soll der Aufenthalt in der Unterkunft auf 10 Tage beschränkt sein, aber auf die Straße gesetzt wird hier zum Glück niemand. Für internationale Studierende sei es auf dem Wohnungsmarkt in Freiburg häufig besonders schwierig, bestätigt auch Frau Heyberger vom Wohnheim.

Wer wie Sadok noch kein Deutsch spricht, hat stets einen Nachteil. Auf 90 Prozent seiner Anfragen habe er schlicht und ergreifend keine Rückmeldung erhalten, erzählt der Tunesier. So richtig ankommen kann er deshalb in Freiburg noch nicht. So banal es erscheint: Konto, Versicherung und Ummeldung, all so etwas kann ohne feste Adresse nicht gemacht werden. „I love Freiburg, but the city does not love me back yet“, sagt Sadok mit etwas müdem Lächeln. Er hat es sogar schon mit einem selbst gebastelten Schild mit der Aufschrift „Wir suchen eine Wohnung“ auf der Straße versucht – leider ohne Erfolg.

Ähnlich ergeht es April aus Shanghai. Für sie war es nahezu unmöglich aus dem Ausland eine Wohnung in Freiburg zu finden. Jetzt besucht sie hier fleißig eine Wohnungsbesichtigung nach der anderen – jedoch immer mit vielen Mitbewerbern. Sie ist erstaunt darüber, dass der Staat der Wohnungsnot so wenig entgegenwirken kann: Nur 14 Prozent der Studierenden können in Baden-Württemberg in den Zimmern der Studentenwohnheime unterkommen. Damit liegt Baden-Württemberg allerdings sogar über dem bundesweiten Durchschnitt, so Heyberger.

Etwa 200 Personen nutzen die Notunterkünfte in Freiburg pro Jahr. Momentan sind es um die 60 Erstsemester, die hier auf eine Wohnung hoffen. Langsam ist der große Ansturm auf dem Wohnungsmarkt vorbei: Man bekomme mehr Antworten und Besichtigungstermine, als noch vor einigen Wochen, erzählt April. Wir sind gespannt, ob pünktlich bis zum ersten November auch der letzte Wohnungssuchende aus der Notunterkunft ein Zimmer gefunden hat.

Info

Zimmerangebote nimmt das Studierendenwerk gerne entgegen unter zimmer@swfr.de  oder  0761 / 2101-200 oder -204.

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