Filmpremiere

Lässig über den roten Teppich – Moritz Bleibtreu zu Gast in Freiburg

Frank Zimmermann

Roter Teppich, Fotoblitzlicht, Absperrungen und Menschen mit goldenen Bändchen ums Handgelenk als Eintrittskarte für die After-Show-Party – im Foyer der Harmonie-Kinos an der Grünwalderstraße herrschte am Dienstagabend viel Trubel: Mit Moritz Bleibtreu war einer der populärsten deutschen Filmstars gekommen.

Der 45-jährige Schauspieler und Regisseur Johannes Naber stellten die neue Märchenneuverfilmung "Das kalte Herz" vor. Die Ticketnachfrage war so groß, dass die Kinobetreiber kurzfristig zeitversetzt zwei Vorstellungen anberaumten.


"Da schlägt mein Herz höher", freut sich Produzent Steffen Reuter über die fast ausverkauften Kinosäle: "Ich hoffe, dass das ab nächster Woche genauso ist. "Ab 20. Oktober läuft das Märchen bundesweit in den Kinos. Aber nicht nur für die 480 Zuschauer, die in die beiden Vorstellungen gekommen sind, auch für Moritz Bleibtreu, in olivgrüner Bomberjacke und lässig sitzenden Jeans erschienen, ist der Kinobesuch in Freiburg eine Premiere: Zum ersten Mal sieht er den kompletten Film.

"Das wurde ein bisschen eklig." Bleibtreu zum Dreh mit echten Organen
Im Film spielt er den "Holländer-Michel", ein Bösewicht par excellence, der den Menschen ihre Herzen raubt und durch steinerne ersetzt. Entsprechend werden aus gutherzigen gefühlskalte, gierige Kreaturen, die die Mitmenschen und die Natur ausbeuten. Der Holländer-Michel ziehe seine Kraft "daraus, dass er das Glück anderer kaputt macht", erklärt Bleibtreu im Publikumsgespräch nach der Vorführung. Die Herzen hängt diese Verkörperung des Bösen in einer Höhle auf. Der Holländer-Michel sei "ein Junkie: jemand, der sich Liebe über Drogen zuführt, die ihn kaputt machen; die dazu führen, dass er vereinsamt, weil die Leute Angst vor ihm haben", sagt Bleibtreu. Und verrät, dass man mit echten Organen (aber nicht mit menschlichen) gedreht habe, die bald zu riechen anfingen: "Das wurde ein bisschen eklig."

Bleibtreu outet sich als schlechter Pfeifer und Sänger

Im Film pfiffelt der Schurke ständig ein Liedchen; das sei, sagt Regisseur Naber, "ein archetypisches Zeichen des Bösen". Bleibtreu outet sich als pfeifuntauglich: "Ich bin der schlechteste Pfeifer und Sänger", gesteht er. "Wenn man die Melodie nur um einen Halbton verkackt, ist es schon vorbei." Bleibtreu spielt nur eine Nebenrolle, dafür aber eine markante, angsteinflößende. Die Hauptrollen in der Fünf-Millionen-Euro-Produktion nach Wilhelm Hauffs Märchen spielen Frederick Lau und Henriette Confurius; die 25-Jährige sollte am Dienstagabend eigentlich auch in Freiburg sein, musste aber kurzfristig passen.

Die Mathisle-Mühle bei Hinterzarten: "Ein traumhafter Ort", sagt der Regisseur

"Das kalte Herz", 1827 verfasst, spielt in einem archaischen, düster-nebligen Dorf im Schwarzwald, wo tatsächlich viele Szenen gedreht wurden: So war zum Beispiel die 1798 erbaute Mathisle-Mühle bei Hinterzarten, die der Universität Freiburg gehört, im Film eine urige Glasmacherwerkstatt. Einige Studierende der Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen, die die Holzhütte nutzt, sind im Publikum. Wie die Filmcrew auf diesen abgelegenen Drehort gekommen sei?, will ein Student wissen. Man habe lange gesucht, sagt Regisseur Naber – und schwärmt: "ein traumhafter Ort".

Der Filmemacher räumt ein, dass vieles digital nachbearbeitet wurde, um die Spuren der modernen Welt zu beseitigen. Die im Schluchsee schwimmenden Baustämme seien nur 15 Prozent echt gewesen, "der Rest war animiert", sagt der 45-jährige Regisseur. Für ihn ist "Das kalte Herz" ein Märchen seiner Kindheit mit einer guten, antimaterialistischen Botschaft. Moritz Bleibtreu sagt, dass er als Kind mit Märchen wenig anzufangen wusste, nein, seine Mutter habe ihm keine vorgelesen.

Dass eine Zuschauerin den Film besser findet als den Hauff’schen Märchentext, freut die beiden Gäste. "Das", sagt Bleibtreu, "lassen wir jetzt einfach so stehen."