Kuschelkurs statt Zankerei: SC und Stadt wollen Stadionfrage in gemeinsamer Arbeitsgruppe klären

Carolin Buchheim

Wo und unter welchen Bedingungen werden die Profis des SC Freiburg in Zukunft Fußball spielen? Verein und Stadtverwaltung haben heute mittag auf einer Pressekonferenz das zukünftige Vorgehen vorgestellt: Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll alle möglichen Optionen eines Stadion Um- oder Neubaus prüfen und bis zum Herbst 2011 einen gemeinsamen Vorschlag erarbeiten. Nach den Querelen der vergangenen Wochen ist jetzt also Kuschelkurs angesagt.

Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Baubürgermeister Martin Haag soll zeitnah die Arbeit aufnehmen und primär bauliche Fragen klären; Neben Sportclub und dem Sportreferat der Stadt ist auch das Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen mit an Bord. Das gemeinsame Ziel:  "die aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht unbefriedigende Situation zu verbessern und so die Wettbewerbsfähigkeit des SC in der Bundesliga zu sichern".


"Wir wollen bis zum Herbst eine Auflistung dessen haben, was überhaupt möglich ist", sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon, und verwies auf die drei Modelle, die zur Diskussion stehen:
  • ein sogenannter nackter Stadionneubau, der ausschließlich aus Stadion- und Trainingsflächen besteht,
  • ein Stadionneubau, der mit Wohn- oder Einzelhandelsflächen kombiniert und so refinanziert wird, sowie
  • ein Umbau am bestehenden Standort.
"Es geht darum, die Flächen, die es wirklich gibt, zu bewerten", sagte Baubürgermeister Haag. Dies sei bisher - trotz der Machbarkeitsstudie des SC - noch nicht im ausreichenden Maße passiert. Zwar sei das Platzangebot in der Stadt begrezt, aber es sei nicht unmöglich, Standorte, die den Anforderungen der verschiedenen Lösungen entsprechen, zu finden.

Der Sportclub habe noch keinen Favoriten unter den drei Modellen, sagte SC-Vorsitzende Fritz Keller. "Wir ziehen alle drei Möglichkeiten noch in Betracht. Wir machen gerade noch einmal eine Untersuchung, die den alten Standort betreffen." Außerdem freue der Sportclub sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt.

Salomon bekräftigte den Willen der Stadt, den Verein im Stadtgebiet zu halten: "Unser Interesse ist es, dem Sportclub zu helfen. Und das heißt, dass wir eine Lösung in Freiburg finden müssen." Die in den vergangenen Wochen heiß diskutierten Lösungen im Umland - unter anderem in Eschbach und in Schallstadt - seien außerdem raumordnerisch schwierig bis unmöglich. "Wenn der SC in den Gewerbepark Eschbach gehen möchte, dann kann er das gerne tun, aber sie werden keinen Bürgermeister in der Umgebung finden, der da mitmacht."

"Wir konzentrieren uns ausschließlich auf das Stadtgebiet", sagte auch Otto Neideck. "Und zwar nicht nur auf gut mit ÖPNV gut erreichbare Flächen, sondern auch darauf, dass die Flächen verfügbar sind, also bereits im Besitz der Stadt, oder leicht zu erwerben." Über konkrete Flächen wurde dabei heute nicht geredet - denn genau die soll die Arbeitsgruppe ja identifizieren.

Oberbürgermeister Salomon verwies schließlich auch auf die Bedeutung eines guten Umfeld für den sportlichen Erfolg des Sportclub.  "Geld allein schießt keine Tore; ein Stadion gehört dazu und hat höchste Priorität." Hinter allen Modellen stünde das Ziel "dass der SC am Ende nicht pleite ist", sagte Salomon. "Es kann ja nicht die Lösung sein, dass wir ein neues Stadion haben, aber keinen Sportclub mehr."

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badische-zeitung.de: Fotos: 10 mögliche Standorte eines neuen Stadions   [Bild: Ingo Schneider]