Kunst, die rumsteht: Die High-Tech-Wagenburg

Nadja Röll

Reiterstatue, starke Griechen oder Brunnen der sprudelnden Erinnerung an herrschaftliche Zeiten. In Freiburg thronen hier und da Statuen auf ihren Sockeln, scheinen von oben herab über Straßen und Plätze zu herrschen. – Aber es gibt auch neue Kunst im öffentlichen Raum, so wie "Jump and Twist" des amerikanischen Künstlers Dennis Oppenheim – Kunst, die am alten Flugplatz rumsteht:



Was’n das?

Heuschrecken-Alarm? High-Tech Wagenburg? Oder Raumschiffe von gestern auf dem Weg in die Technik von morgen? Das Skulpturenensemble an der 11. Technischen Fakultät scheint all dies gleichzeitig zu sein – und noch viel mehr. Hinter einem dreieckigen Schotterfeld steht ein erstes Ungetüm auf stählernen Hinterbeinen, mit ausgebreiteten Flügeln bereit zum Sprung ins Universitätsgebäude.



Doch es macht es einen ganz „bodenständigen“ Eindruck. Kein Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten!“ mahnt an die Kunst, es dient als Kinder-Klettergerüst. Und als Rückzugsort für verliebte Jugendliche, die hier, wie auch an stinknormalen Toilettenwänden ihre Buchstabenrechnungen mit Herz-Ergebnis hinterlassen.



Das zweite Stahlmonstrum stemmt sich einige Meter vor dem anderen auf. Seine langen Hinterbeine stehen auf dem Vorplatz, während sich seine „Schnauze“ im Inneren des Gebäudes befindet. Es durchbricht gleichsam die Glasfassade, ist sowohl drinnen, wie auch draußen, ist Teil der äußeren und der Gedankenwelt.



Das dritte Skulpturen-Element kann nicht einmal mehr an den Hinterbeinen angefasst, geschweige denn bespielt werden: Der in Farbflächen aufgebrochener Kubus befindet sich komplett im Innenraum des Gebäudes. Durch einen Motor angetrieben dreht er sich unter der Decke um die eigene Achse, wie kreisende Gedanken.

So sehen es jeden Tag die vorbei- und drunter her laufenden Studenten und so verstand es auch der Künstler Dennis Oppenheim selbst: „I considered the glass facade as a membrane seperating inside and outside as well as the devision between the physical and mental words“.



Wo steht’s und warum da?

Die unbekannten Flugobjekte – fertige Konstruktion oder im Raum schwebende Gedanken – verbinden auf dem ehemaligen Flugplatz an der Georges-Köhler-Allee die ehemalige Bestimmung des Ortes mit seiner neuen, den Ingenieurwissenschaften.

Entstanden ist das Kunstwerk im Rahmen des Neubaus der neuen Labor- und Technologiegebäude am Messegelände. Dennis Oppenheim gewann 1997 mit seinem Entwurf „Jump and Twist“ den von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb „Kunst am Bau“, an dem sich auch sieben weitere Künstler aus Deutschland, Österreich und den USA beteiligten.

„Kunst am Bau“ bedeutet, dass ein Teil des Budgets für einen Neubau für die Kunst vorgesehen ist, so wie in diesem Fall 450.000 Deutsche Mark für die Gestaltung der 360 Quadratmeter großen Glasfassade des Uni-Gebäudes.



Wer hat’s gemacht?

Der Land-Art- und Performance-Künstler Dennis Oppenheim wurde 1938 in Washington geboren. Er lebte und arbeitete bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr in New York. Oppenheim ist einer der bedeutendsten amerikanischen Künstler der Gegenwart, seine Werke werden in den namhaftesten Museen der Welt ausgestellt. Bekannt wurde Oppenheim als Provokateur, als einer, „der die alles auf den Kopf stellt“. Und dabei beschränkte er sich nicht auf angesagte Galerien und Museen, sondern er sorgte vor allem im öffentlichen Raum für Aufsehen.

Sein wohl bekanntestes Werk „Device to Root Out Evil“ – eine sechs Meter hohe Holzkirche, die auf der Turmspitze steht – musste wegen Protesten vom Gelände der Stanford-Uni verschwinden und steht nun in Vancouver. In Deutschland sind auch seine „Trees“ im Kurpark von Bad Homburg zu sehen und im Freiburger Museum für Moderne Kunst seine Fotoarbeit „Toward becoming a scarecrow“ von 1971.

Sein Kunstwerk „Jump and Twist“ ist wohl die bedeutendste „Kunst am Bau“, die Freiburg bislang zu bieten hat.