Ausstellung

Kulturaggregat zeigt Bilder voller surrealer Fantasiegestalten

Simon Langemann

"Zwischenwelten" heißt die Ausstellung, die seit Samstag und bis zum 22. September im Kulturaggregat gezeigt wird. Die Künstler: Gwendolin Widmann und Paul Leger, die beide auch tätowieren.

"Das ist halt Zeug aus meinem Kopf", sagt Paul Leger. Der 30-Jährige steht vor dem "Kulturaggregat" in der Hildastraße 5, wo gerade seine erste Vernissage stattfindet, neben ihm seine Mitstreiterin Gwendolin Widmann. Unter dem Titel "Zwischenwelten" stellen die zwei Freiburger Künstler vier Wochen lang von Comics und Fantasy geprägte Illustrationen und Zeichnungen aus.


Kennengelernt haben sie sich vor ungefähr einem Jahr über Widmanns beste Freundin. Ein Glücksfall, denn nicht nur in ihrer modischen Erscheinung – Tattoos, Piercings, seitlich abrasierte Haare und Tunnel in den Ohren – verbindet sie auf den ersten Blick einiges. Beide betätigen sich als Tätowierer – sie zur Zeit annähernd hauptberuflich, er parallel zur Kochausbildung.

Doch keine Live-Tattoos in der Galerie

Beide haben eine Leidenschaft für Zeichnungen mit Hang zum Unwirklichen. Beide sind im Ausland aufgewachsen – sie in Frankreich, er in Brasilien. Und beide sind über Umwege in Freiburg gelandet, wo sie nun erstmals gemeinsam ausstellen. Eigentlich hatten sie geplant, im Rahmen der Vernissage auch live zu tätowieren. Das habe man jedoch spontan verworfen, weil man lieber für die Besucher ansprechbar sein wolle, erklärt Gwendolin Widmann. Überhaupt solle die Tattookunst in der Ausstellung gar nicht so sehr im Vordergrund stehen. Widmanns Porträt-Zeichnungen funktionieren auch unabhängig davon – zusammengefasst unter dem Überbegriff "Fantasiewelten" und sichtbar geprägt von Anime und Manga. "Ich habe einfach eine Begeisterung für Japan", erläutert die 25-Jährige.

Das Zeichnen hat sie unter anderem beim Freiburger Künstler Viktor Knack gelernt. An der Freiburger Akademie für Kommunikation absolvierte sie eine Ausbildung zur Grafikdesignerin. Anschließend studierte sie "Animation & Visual Effects" an der Bayerischen Akademie für Fernsehen und Digitale Medien in München. Heute gibt sie – neben ihrer Arbeit als freie Künstlerin und Gast-Tätowiererin – an der Freiburger Jugendkunstschule Kurse für Akt- und Mangazeichnen.

Detailverliebt und präzise

Ein grünes Wesen mit riesigen Zähnen und muskulösem Körper, das den Mund eines Menschen aufreißt und schwarze Flüssigkeit hineinspuckt: Paul Legers Zeichnung namens "Virus" soll die erste Seite eines Bilderbuchs werden. In diesem möchte der Künstler eine überwundene Krebserkrankung verarbeiten – über zwei Jahre seines Lebens kämpfte er gegen eine Leukämie. "Das Wesen auf dem Bild ist für niemanden zu erkennen, denn beim Krebs weiß man auch nicht, wo er herkommt", sagt er. Die schwarze Flüssigkeit stelle den Krebs selbst dar, der sich dann überall im Körper verteile. Die Vorliebe für Monster und dergleichen ist für Paul Leger jedoch nicht an ein bestimmtes Thema geknüpft.

Auf seinen Bilder wimmelt es von surrealen Fantasiewesen. Teils furchteinflößend, gerne skurril. Manchmal schwarz-weiß, manchmal koloriert, aber stets detailverliebt und in beeindruckender Präzision gezeichnet. Monster habe er schon als Kind gemocht, erzählt der Künstler. Damals schlich er sich nachts vor den Fernseher, um sich heimlich Horrorfilme anzuschauen. Noch stilprägender dürfte aus heutiger Sicht die Leidenschaft für Comics und Cartoons gewesen sein. Und auch die handwerkliche Finesse kommt nicht von ungefähr: Bereits mit 13 belegte Leger in Brasilien erste Zeichenkurse.
Die Ausstellung

"Zwischenwelten" ist unter der Leitfrage "Faszinierend, fantastisch oder einfach nur eklig?" bis Samstag, 22. September 2018, in der Hildastraße 5 zu sehen (montags und mittwochs von 15 bis 19 Uhr, samstags von 13 bis 18 Uhr). Der Eintritt ist frei.