Kulturaggregat kann nur noch bis Mai weitermachen – dann werden 25.000 Euro benötigt

Brigitte Rohm

Die Zukunft des Kulturaggregats in der Hildastraße 5 ist ungewiss. Damit es weitergehen kann, braucht die Künstlerinitiative Fördergelder in der Höhe von 25.000 Euro und muss den Gemeinderat überzeugen. Außerdem baut sie gerade ein neues Kino.

Der Jahreswechsel ist überstanden, aber die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Kulturaggregat sind alles andere als entspannt. "Wir kämpfen gerade, um bis Mai durchzukommen", sagt der zweite Vorsitzende Michelangelo Mochi. Spätestens dann wird die Entscheidung über die Zukunft des Künstlerprojekts in der Hildastraße 5 fallen: Denn dann wird im Gemeinderat darüber abgestimmt, ob das Kulturaggregat eine institutionelle, also eine dauerhafte Förderung durch die Stadt Freiburg erhält.


Trotz des ständigen Drucks, Geld für die Miete auftreiben zu müssen, hat der Verein seit März 2016 viele Ideen verwirklicht. Auf 500 Quadratmetern und drei Stockwerken hat das Kulturaggregat in der Hilda 5 einen "cross-kulturellen" Ort geschaffen: Im Erdgeschoss gibt es einen Art-Shop, ein Café und eine Ausstellungsfläche, wo vor allem junge Künstler die Möglichkeit haben, ihre Werke zu zeigen. Die kleine Bühne im Kellerraum wird für Veranstaltungen wie Konzerte und Lesungen genutzt, im Obergeschoss gibt es einige Arbeitsplätze.

Der Vermieter, selbst seit Jahrzehnten Kulturschaffender in Freiburg, hat den Mietvertrag nun zunächst bis Mai verlängert. Auch danach wird das Aggregat in den Räumen bleiben dürfen, falls der Förderantrag Erfolg hat: "Der Vermieter glaubt an uns – er liebt das Projekt und möchte uns hier haben", sagt Mochi. Darwin Zulkifli, der erste Vorsitzende, ergänzt: "Sein Wunsch war es, das Haus für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung zu stellen. Unser Konzept mit junger Kunst und verschiedenen Projekten hat ihn überzeugt." Er komme regelmäßig selbst zu den Veranstaltungen und sei dem Verein bei der Höhe der Miete und bei der Kündigungsfrist sehr entgegen gekommen.

Kunstauktion als weitere Finanzspritze

Trotzdem steht die Finanzierung der Übergangsphase auf wackeligen Füßen. Die monatlichen Kosten von rund 3.500 Euro – davon der größte Teil für die Miete – müssen in dieser Zeit mit mehreren Einnahmequellen gedeckt werden. In den hinteren Ausstellungsräumen sind zu diesem Zweck vier neue Co-Working-Spaces entstanden, die Kreativschaffende ab sofort mieten können. Eine weitere Finanzspritze soll durch eine Kunstauktion am 29. Januar kommen, bei der Werke aus den vergangenen Ausstellungen unter den Hammer kommen.

Und dann gibt es noch das neueste Projekt, das im Dezember vom Kulturamt mit 4.850 Euro bezuschusst wurde: den Umbau eines Bereichs des Untergeschosses zu einem Kino. "Wir wollen diesen Teil des Raumes sinnvoller nutzen", sagt Mochi. Die Wände sind bereits dunkel gestrichen, ein Beamer ist installiert, nun fehlen noch Leinwand, Kinosessel und das Filmprogramm. "Wir möchten keine Konkurrenz zu den großen Kinos sein, sondern vor allem jungen Filmemachern eine Plattform bieten", sagt Zulkifli. So konnte das Aggregat für einen Abend bereits Patrick Allgaier und Gwen Weisser gewinnen, die ihre Reise ohne Flugzeug um die Welt dokumentiert haben und neues Filmmaterial zeigen werden. Regelmäßige Vorführungen, so die Hoffnung des Aggregats, könnten künftig ihren Beitrag dazu leisten, die Kosten zu decken.

Das Kulturaggregat hat 25.000 Euro beantragt

Doch langfristig geht es ohne eine institutionelle Förderung nicht weiter. Alle zwei Jahre beschließt der Gemeinderat im Rahmen seiner Haushaltsberatungen über diese dauerhaften Förderungen von Kultureinrichtungen. Das Kulturaggregat hat für den Haushalt 2017/18 eine Summe von 25.000 Euro pro Jahr beantragt: "Das wäre das Minimum, das wir brauchen", sagt Mochi.

Wie aussichtsreich der Antrag ist, hänge nun vor allem vom Erfolg der "Lobbyarbeit" ab, erklärt der stellvertretende Kulturamtsleiter Udo Eichmeier. "Ab Februar können sich die Gemeinderäte mit den Neuanträgen beschäftigen und darüber reden", so Eichmeier. "Dann werden die Fraktionsanträge gestellt. Wenn sich dabei keiner für ein Projekt stark macht, dann wird gar nicht darüber verhandelt und abgestimmt."

Das Kulturaggregat muss daher möglichst viele Gemeinderäte überzeugen, damit der Antrag im Mai bewilligt wird. Am 29. Januar lädt der Verein vor der Kunstauktion den Kulturausschuss zu einer Projektpräsentation ein, um seine Arbeit vorzustellen. Alle anderen Befürworter des Projekts können ihrem Anliegen über die Internetseite eine Stimme geben. Bekäme das Kulturaggregat für die Förderung grünes Licht, stünden die Chancen gut, dass auch die fernere Zukunft gesichert bleibt: "Wenn es keinen Einsparhaushalt gibt, kann man davon ausgehen, dass bewilligte Zuschüsse fortgeführt werden", sagt Eichmeier.

Signale von der Stadt erwünscht

Einen Plan B gibt es nicht. Kann das Kulturaggregat die Miete für die Hilda 5 nicht mehr bezahlen, bedeutet dies das Ende des Vereins. "Es ist so, dass wir hier einfach das Maximum erreicht haben", sagt Mochi. "Müssten wir in ein kleineres Haus umziehen, gäbe es keine Steigerung mehr. Dieser Ort ist perfekt und gibt uns viel Motivation."

Zulkifli sieht ein großes Interesse bei der Zielgruppe der 25-45-Jährigen an einer Institution wie der Hilda 5, die Freiräume für junge Kunst bietet, von denen es in Freiburg nur wenige gibt. Nun wünschen sich die Initiatoren Signale von der Stadt und der Bevölkerung, dass sie ihre Arbeit fortführen sollen – und mehr Helfer, die das Projekt unterstützen möchten.

Mehr zum Thema: