Kriminalstatistik 2008: Mehr Körperverletzungen denn je

Frank Zimmermann

Freiburg ist einmal mehr die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsquote in Baden-Württemberg. 2008 wurden 25 690 Straftaten gezählt, das ist ein Prozent mehr als 2007. Ein großes Problem bleiben die Körperverletzungen: 2008 gab es mehr als jemals zuvor.



Für Heiner Amann, Leiter der Polizeidirektion Freiburg, ist die Kriminalitätslage insoweit "unspektakulär", als dass sie sich nicht wesentlich verschärft hat. "Es ist das eingetreten, was ich vor einem Jahr so prognostiziert hatte. Dass es nämlich ein Erfolg ist – soweit wir in diesem Zusammenhang von einem Erfolg reden können –, wenn wir die Werte aus dem vergangenen Jahr halten können."


Aufklärung

Die Entwicklung in Freiburg ist somit gegenläufig zu Land und Regierungsbezirk, wo die Straftaten 2008 um über drei Prozent zurückgegangen sind (Land: 3,2 Prozent; Regierungsbezirk Freiburg: 3,7 Prozent). Auch bei der Aufklärungsquote steht Freiburg schlecht da, sie liegt bei 51,9 Prozent und ist landesweit die niedrigste. Zum Vergleich: In Stuttgart wurden 61,2 Prozent der Straftaten aufgeklärt, in Mannheim 57,7 Prozent und in Heidelberg 56,1 Prozent.

Personalstärke

Welche Rolle bei der schlechten Bilanz die Tatsache spielt, dass die Polizeidirektion Freiburg personell schlechter besetzt ist als andere Polizeidirektionen im Land, mochte Amann nicht zusagen. "Die Vermutung liegt nahe, aber sauber zu belegen ist das nicht." Dass die Aufklärungsquote mit mehr Beamten besser wäre, glaubt der Polizeichef hingegen schon.

Und doch: "Auch mit 200 Beamten mehr wäre Freiburg an der Spitze im Land." Die Zahl der Polizisten im Gebiet der Polizeidirektion (Stadt Freiburg und Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) ging 2008 um 29 zurück. Lässt man die Auszubilden, Krankgeschriebenen und Beamtinnen im Mutterschutz außen vor, standen der Polizeidirektion 861 Polizisten zur Verfügung. Zwei Drittel davon waren in der Stadt Freiburg im Einsatz. Der personelle Tiefststand sei noch nicht erreicht, die Belastungen würden immer größer, schwant Amann.

Die Folge: Die Polizei muss bei ihrer Arbeit wohl Prioritäten setzen, Beleidigungen und Ruhestörungen stehen unter Umständen nicht mehr ganz oben auf der Liste.

Diebstähle

Amann führt die schlechte Aufklärungsquote unter anderem darauf zurück, dass die Zahl der Diebstähle – deren Aufklärungsquote ist niedriger im Vergleich zu anderen Deliktarten – in Freiburg besonders gestiegen ist: "Das ist einer von zwei besonderen Problembereichen, die wir haben." Gezählt wurden in der Stadt 11 604 Fälle, was einen Anstieg um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. In Freiburg sind 45,2 Prozent aller Straftaten Diebstähle, das ist landesweit der höchste Anteil. Zum Vergleich: In Stuttgart sind es 28,6 Prozent, in Mannheim 39, in Karlsruhe 39,4 Prozent und in Heidelberg 40,2 Prozent.

Während einfache Diebstähle "nur" um 0,5 Prozent auf insgesamt 6179 Fälle anstiegen, bereiten der Freiburger Polizei besonders die schweren Diebstähle wie Einbrüche in Häuser Kopfzerbrechen: Ihre Anzahl nahm 2008 um 338 Fälle (plus 6,6 Prozent) zu. Dabei waren 411 dieser 5425 schweren Diebstähle Wohnungseinbrüche, das sind 104 und somit fast 34 Prozent mehr als 2007. Stark zugenommen haben schwere Diebstähle aus Dienst-, Büro-, Fabrik-, Werkstatt- und Lagerräumen (plus 52,6 Prozent).

Erfreulich: 2008 wurden 77 Fahrräder weniger geklaut als 2007, allerdings ist die Zahl der gestohlenen Räder mit 2115 immer noch sehr hoch. Abgenommen hat auch die Zahl der Ladendiebstähle. Allerdings habe dies wenig mit polizeilichen Maßnahmen zu tun, sondern hänge von den Kontrollen des Handels ab. Will heißen: Mehr aufmerksame Detektive lassen die Zahl der Ladendiebe nach oben schnellen.

Körperverletzungen

Massiv zugenommen, um 10,3 Prozent (plus 258 Fälle), haben in Freiburg die Körperverletzungen. Insgesamt wurden 2749 Fälle gezählt – dies ist in Freiburg der höchste jemals registrierte Stand. 712 Tatverdächtige wurden in der Altstadt ermittelt, das sind 174 mehr als 2007. Von diesen 712 Tatverdächtigen standen mehr als 54 Prozent unter Alkoholeinfluss.

Zurückzuführen ist die Zunahme der Körperverletzungen vor allem auf einen Anstieg der leichten Körperverletzungen (von 1766 auf 1967); vor zehn Jahren waren es noch 64,5 Prozent weniger Fälle (699). Von den Tatverdächtigen bei schweren Körperverletzungen sind 43,6 Prozent unter 21 Jahre alt - diese Altersgruppe ist damit überdurchschnittlich vertreten. "Die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft, insbesondere in der jungen Gesellschaft, hat nicht abgenommen, sondern ist gleich geblieben oder hat sich verstärkt", hat auch Amann beobachtet.

Die Straftaten speziell im Bermuda-Dreieck werden demnächst gesondert ausgewertet. Die Polizei hat aber beobachtet, dass die Vermüllung massiv zurückgegangen ist und das Klima im Kneipen- und Clubviertel am Martinstor besser geworden ist. "Das Sicherheitsgefühl hat sich verbessert, es gibt keine Massenschlägereien mehr. Ob aber auch die Straftaten zurückgegangen sind, ist noch einmal eine andere Frage." Amann hält es für falsch, den Erfolg des Alkoholverbots nur an kurzfristig sinkenden Straftaten festzumachen.

Raub

Um drei Fälle auf 157 gestiegen ist die Zahl der Raubdelikte. Auffallend ist die Zunahme der Überfälle auf Tank- und Zahlstellen (von sechs auf 17). Stark zurückgegangen – von 84 auf 58 – sind hingehen die Raubüberfälle auf Straßen, Wegen und Plätzen. Banküberfälle sind hingegen kaum noch ein Thema in der Stadt, Amann vermutet, dass dies mit den verbesserten Sicherheitsvorkehrungen der Geldinstitute zusammenhängt.

Sexualdelikte

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden 2008 insgesamt 199 registriert, 53 mehr als im Jahr zuvor. Während die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen quasi unverändert blieb – von 29 Fällen (2007: 30) konnten 22 aufgeklärt werden –, wuchs die Verbreitung pornografischer Schriften um 110 Prozent von 29 auf 61 Fälle an, die meisten dieser Taten werden über das Internet begangen. Die Zahl der exhibitionistischen Handlungen stieg um 15 auf 55 Fälle.

Mord/Totschlag

Neun Mord- und Totschlagsfälle registrierte die Polizei 2008, sieben davon blieben im Versuchsstadium. Während ein Mann in Kappel im Juni seine von ihm getrennt lebende Frau und dann sich selbst erschoss, blieb der Mord am Gärtner Stefan Heim im Stadtteil Stühlinger bislang ungeklärt.

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[Dieser Artikel ist ebenfalls auf Badische Zeitung erschienen: Kriminalität: Mehr Körperverletzungen denn je in Freiburg und erscheint Morgen ebenfalls im Freiburger Lokalteil der Badischen Zeitung. Foto: Symbolbild.]