Kriminalitätsentwicklung 2009: Anzahl der Straftaten rückläufig

Gina Kutkat

In einer Pressekonferenz hat die Landespolizeidirektion Freiburg gestern die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2009 bekannt gegeben. Insgesamt verzeichnet der Bezirk Freiburg einen Rückgang in den Straftaten, liegt aber immer noch über dem Landesdurchschnitt. Weitere Zahlen und Trends aus der Statistik gibt es hier.



"Wir beginnen mit einer positiven Nachricht. Wie im Landestrend verzeichnet der Regierungsbezirk Freiburg weniger Straftaten als im Jahr 2008," sagt Regierungspräsident Julian Würtenberger. Zum Regierungsbezirk Freiburg zählen neben der Polizeidirektion in Freiburg noch Emmendingen, Konstanz, Lörrach, Offenburg, Rottweil, Tuttlingen, Villingen-Schwenningen und Waldshut-Tiengen. Insgesamt wurden in diesen Gebieten im Jahr 2009 128.218 Straftaten begangen. "Die Anzahl der Straftaten ist damit weiterhin rückläufig." Schon im Jahr 2008 war die Zahl der Delikte seit 1999 erstmals wieder zurückgegangen, 2009 war der Rückgang mit 10,2 % (14.502 Fälle) besonders stark.


Den Rückgang erklärt sich Würtenberger durch den Wegfall der Personenkontrollen an der Schengenaußengrenze, denn seit dem letzten Jahr
finden an den Schweizer Grenzen keine systematischen Personenkontrollen mehr statt. Vor allem im Bezirk Lörrach hat sich das Schengener Abkommen bemerkbar gemacht, hier wurde ein Rückgang von 28,8 % verzeichnet.

Trotzdem ist die Kriminalitätsbelastung im Bezirk Freiburg immer noch größer als in den Bezirken Karlsruhe, Stuttgart oder Tübingen. "Mit 5.844 Straftaten pro 100.000 Einwohner liegt sie etwas über dem Landesdurchschnitt von 5.387." Eine mögliche Erklärung kommt vom Max-Planck-Institut. Demnach "importiert" der Regierungsbezirk Freiburg Kriminalität, denn fast ein Drittel der hier straffällig gewordenen Täter wohnt nicht in diesem Gebiet. Eine weitere Erklärung ergibt sich aus den Grenzkontrollen. Durch die nahe Lage zu Frankreich und zur Schweiz werden Straftaten schon bei der Einreise und damit im Bezirk Freiburg entdeckt.



Positive Entwicklungen gibt es im Bereich der Jugendkriminalität. "Die Anzahl der straffällig gewordenen Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden ging weiter zurück", sagt Kriminaldirektor Alfred Oschwald. Bei den jugendlichen Tatverdächtigen gibt es einen Rückgang von 12,3 %, bei den Heranwachsenen sank die Zahl um 13,2 % und bei den Kindern nur geringfügig um 1,2 %. Die Großzahl (12,4 %) der Tatverdächtigen stand unter dem Einfluss von Alkohol, 4,9 % waren Konsumenten harter Drogen, 364 Tatverdächtige trugen eine Schusswaffe mit sich.

Was die Gewaltdelikte angeht, so lässt die Entwicklung laut Regierungspräsident Würtenberger "ganz leise hoffen", auch wenn die Zahl nach Rückgängen in den Jahren 2007 und 2008 wieder leicht (0,4%) gestiegen ist. Die Landespolizeidirektion sieht in den Maßnahmen gegen den Alkoholkonsum in der Innenstadt zwar kleinere Erfolge. "Die gefühlte Realität der Kollegen auf der Straße sieht jedoch leider anders aus. Demnach ist die Gewaltbereitschaft eher gestiegen."



Vor allem in den Deliktsbereichen "Straftaten gegen das Leben", "Erschleichen von Leistungen" und "Computerkriminalität" hat es 2009 einen Anstieg gegeben. 62 Straftaten gegen das Leben gab es im letzten Jahr, das sind 14,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine deutliche Zunahme (24,1 %) gibt es im Bereich des Erschleichens von Leistungen, also dem Schwarzfahren. "Es wurde zwar nicht mehr schwarz gefahren als sonst, aber es lag eine erhöhte Kontrolltätigkeit und eine veränderte Anzeigepraxis der Deutschen Bahn vor," erklät Würtenberger. In der Computerkriminalität haben vor allem der Computerbetrug (47,6 %), das Ausspähen von Daten (82,7 %) und die Softwarepiraterie (107 %) zugenommen.

"Mobile Kinderbanden und andere Tätergruppen" sind verantwortlich für einen deutlichen Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen. 2009 wurde im Regierungsbezirk Freiburg 2.042 Mal eingebrochen - das sind 26,8 % mehr als im Vorjahr. Besonders die Tageswohnungseinbrüche (die Tatzeit liegt hier zwischen 6 und 21 Uhr) haben sich vermehrt. Hier ist sogar eine Steigerung von 93,2 % festzustellen.

Während die Zahlen bei Rauschgiftdelikten, Betrugsstraftaten und Körperverletzungen rückläufig sind, stieg 2009 die Gesamtzahl politisch motivierter Straftaten um 27,9% auf 367 Fälle. "Der Anstieg der Gewaltdelikte ist insbesondere auf Gewaltdelikte anlässlich demonstrativer Aktionen der linken Szene in Freiburg zurückzuführen," sagt Kriminalrat Edmund Reichenbach.

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