Konono No. 1 in Basel: Ekstase für Insider

Savera Kang

Die kongolesische Band Konono No. 1 macht Musik aus Schrott, irgendwo zwischen World Music und Techno. Am Sonntag hat sie ein Konzert in der Kaschemme Basel gespielt. fudder-Autorin Savera Kang war vor Ort. Das Energielevel überraschte sogar die Musiker.



Konono N°1 machen das, was im Plattenladen unter „Weltmusik“ läuft und haben tatsächlich in vielen Teilen dieser Welt schon den Grad an Bekanntheit erreicht, der Bands über die Schwelle des Geheimtipps hinaushebt. Ein schönes Detail, wenn man ihre Musik weiterempfiehlt, ist die Info, dass ihre Instrumente zum Teil selbstgebastelt sind – aus Schrott. Und was für Instrumente das sind: Der Star ist das Lamellophon – im Kongo „Likembe“ genannt – das einen ungewohnten aber wohligen, sphärischen Klang zaubert. Elektrisch verstärkt wohlgemerkt, der typische Konono-Sound ist dadurch etwas verzogen.


Diese Klänge lockten um die siebzig Besucherinnen und Besucher in die Kaschemme – an einem Sonntagabend. Und vielmehr hätten auch nicht hineingepasst in diesen Club, der selbst nicht so ganz passen will: Ein kleiner Schuppen mit DIY-Charme, vor der Tür wird afrikanisch gekocht, eine Katze schnurrt um die Beine der Essenden herum, in einem alten Fass wird Holz verfeuert. Drinnen drängen sich überwiegend Menschen zwischen Ende zwanzig und Anfang dreißig an der Bar. Das Drängen ist den Platzverhältnissen geschuldet, niemand tut es ohne ein vorfreudiges Lächeln.

Während der DJ schon ein rhythmisches Wippen ins Publikum bringt, bügelt Jacques Ndofonsu  Mbiyavanga das Trommelfell seines Tamtam. Als es straff sitzt, betreten auch die restlichen Musiker und Perkussionistin Pauline Mbuka Nsiala die Bühne. An der Solo-Likembe ist Augustin Makuntima Mawangu. Schlagzeuger Vincent Visi Niatai begrüßt die Zuhörenden auf Französisch und dann geht es auch schon los: Eine Collage aus warmen Klängen baut sich auf und verdichtet sich zu einem Klangteppich, die ersten verschütten etwas Bier und entledigen sich zu warmer Kleidungsstücke.

Es dauert etwa ein halbes Lied, dann ist auch in den Ecken des Raumes angekommen, dass es sich hierbei um Tanzmusik handelt. Die Einen wippen sich in Trance, andere scheinen neue Bewegungen zu erfinden und umarmen die Musik im raumgreifenden Tanz. Gaston Menga Waku an der Likembe hat sichtlich Freude an der aufkommenden Ekstase im Publikum. Dieses scheint sich aus dem Leib zu schütteln, was der Alltag in ihm aufgestaut hat. Nach einer lautstark eingeforderten Zugabe verlassen die Musiker schweißnass und lächelnd den aufgeheizten Raum. Die Gäste johlen noch eine Weile, pfeifen, stampfen und trommeln auf dem Bühnenboden, bis der DJ schließlich wieder übernimmt. Draußen wartet noch immer die Katze. 



Konono No. 1 - Paradiso

Quelle: YouTube


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[Fotos: Savera Kang]