Kondome, Kürbisse, Kirche: Erzbischof Stefan Burger war in der Schülertalkshow "nachgefragt"

Frank Zimmermann

Einem Erzbischof einen Holzpenis unter die Nase zu halten verlangt Chuzpe. Die Moderatoren der Schüler-Talkshow "nachgefragt" am Rotteck-Gymnasium haben das gestern getan - bei Erzbischof Stefan Burger. Wie irritiert der reagierte - und der anschließenden Frage nach Verhütung einfach auswich:



Kurz ist der Erzbischof irritiert, als der 16-jährige Moderator Luca Tausch ihm einen senkrechten Holzpenis und ein Kondom vor die Nase hält. „Wir lernen in der siebten Klasse, wie man das da drüberstülpt“, sagt der 16-jährige Schüler. Stephan Burger überlegt kurz. Und beginnt, über Sex als Ware zu sprechen und ein „vielschichtiges Problem, bei dem ich mich alleine mit diesen beiden Gegenständen schwer tue: Zu sagen, ich verteile eine Portion Verhüterli und alles ist geritzt, das ist mir zu platt.“


Dann holt er größer aus, denkt darüber nach, wie man in Afrika konkret helfen könnte.
„Wir müssen andere Lebensverhältnisse schaffen, die es den Leuten dort ermöglicht, besser zu leben.“ Und flugs hat der Kirchenmann das heikle Thema Verhütung fallengelassen und ist bei der Flüchtlingskrise angekommen – bei Bürgerkriegen und Potentaten, die ihr eigenes Land zerstören: „Da kommen noch wesentlich größere Herausforderungen auf uns zu“, schwant Burger.

Weitere Themen des Abends: die  Familiensynode, Homosexualität in der katholischen Kirche, seine halbstündige Begegnung mit Papst Franziskus im Vatikan („sehr angenehm, sehr erfrischend, Mut machend“), der eigene Glaube und sein Vertrauen in Gott, das schon auf so manche harte Probe gestellt wurde. Zum Beispiel, als er miterleben musste, wie einem Krebskranken, dem er beistand, das Gesicht regelrecht „aufgefressen“ wurde.

Der Erzbischof kann auch witzig und schlagfertig sein. In rot karierter Schürze muss er im Wettstreit mit den Moderatoren Luca Tausch (ungetauftes Fußballtalent beim FC Basel) und Clara Rogaczewski („katholisch getauft, geht aber lieber joggen und reiten“) ein Halloween-Gesicht aus einem Kürbis schnitzen. Für alle  Drei  ist’s eine Premiere. Von Halloween und dem Kommerz dieser Tage hält Burger eigentlich nichts. „Aber Kürbisse sind älter, die muss man nicht auf Halloween beziehen, das das von irgendwoher zu uns rüberschwappt.“

Heiden neu zurechtzuschnitzen, darin sei seine Kirche schon immer gut gewesen, sagt der 53-Jährige trotzig – und schnitzt. Ob er kreativ sei? „Nee, das sehen Sie doch. Im Sockenstopfen wäre ich sicherlich besser.“ Und schon haben die Schüler dem Gast ein geheimes Talent entlockt. Fehlende Kreativität hin oder her, den Kürbisschnitzwettkampf entscheidet er für sich. Und bekommt als Preis den Bestseller „Die Päpstin“ geschenkt, für den einstigen Asterix-Fan eine prima Bettlektüre: „Endlich mal keine Fachliteratur.“ Fasziniert haben ihn übrigens die „Herr der Ringe“-Filme: „Die ganze Aufmachung, die Gesamtatmosphäre, die Auseinandersetzung mit dem Bösen“.

Apropos Talent: Fürs Schauspielen hatte Burger in der Jugend eine gewisse Leidenschaft, angefangen beim Pfarrerspielen im von der Oma genähten Messgewand am selbstgebauten Altar daheim. Und im Rezitieren ist er meisterhaft. „G’lernt isch g’lernt“, die 14 Strophen von „Die Sache mit den Klößen“ trägt er fast komplett auswendig vor: „So war es immer: Peter log, dass sich der stärkste Balken bog. Und was das Schlimmste daran war; er glaubte seine Lügen gar!“ Viel schwerer habe er sich mit dem Klavierspielen getan: „Mein Lehrer hat immer gesagt, ich soll mir vorstellen, ich sei der beste Pianist der Welt.“ Geholfen hat’s nicht, nach zwei Jahren war Schluss.

Ein Maître ist der Erzbischof auch in der Cuisine nicht: „Ich kann nicht kochen, ich kann wärmen“, sagt er. „Spiegelei, Spaghetti, dann ist’s mit meiner Kochkunst erledigt.“ Burger lächelt und schaut sein Kürbiskunstwerk an, bei dessen Anblick er zufrieden feststellt: „Meiner lächelt.“ Luca Tausch schlägt dem Promi-Gast ein leicht zu handhabendes Thermomix-Gerät als Kochhilfe vor. Burger ist skeptisch: „Da muss man ja auch was reintun.“ Am Ende freut er sich über sechseinhalb Kilo Schokocreme, ein Präsent der Schüler, das den Erzbischof seufzen lässt: "Es geht doch nichts über eine gesunde Ernährung."

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