Kommando Sonne-nmilch im Hasen: Kochen und so!

Matthias Cromm

Am Dienstagabend stand die Punk-Band 'Kommando Sonne-nmlich' in Koch-Outfits vor dem Publikum im White Rabbit. Warum? "Kochen und so." Matze war für fudder dabei – und begeistert. Wie's war:


Es gibt Konzertabende, an denen ich bereue nicht einer von den Konzertfotojägern zu sein, die auf Knien oder aus der Hüfte oder wie auch immer mit teuren, grossen und digitalen Kameras versuchen künsterisch oder zumindest technisch wertvolles Bildmaterial von ihren Konzertbesuchen anzufertigen. Zumeist ist es für mich mein aktuelles Hörvergnügen und meine Erinnerung wertvoller einfach nur zu gucken und zu hören.


Aber heute besticht schon die Vorband sowohl optisch als auch musikalisch. The Riot Before aus Richmond, Virginia sind motivierte, junge Punkrocker aus der Schule von Jaw Breaker, Against Me und Gaslight Anthem. Der spinnendürre Gitarrist steht breitbeiniger da als Joey, Dee Dee und Johnny zusammen, der Bassmann ist hyperaktiv und der Gesang tritt Tom Gabel in den Arsch. Die ganze Band macht den Eindruck Hummeln in demselben zu haben, flitzt auf der Bühne auf und ab, schreit mit und ohne Mikrofon die Texte mit, erweckt aber nicht den Eindruck ein abgekartetes, einstudiertes Theaterstück aufzuführen, sondern vollkommen in Rage und außer Atem vom eigenen Musizieren dem Drang zur Bewegung freien Lauf zu lassen.

Während das Punkrockquartett auf der Bühne wütet, füllt sich der Weiße Hase bis zum Stehkragen mit Publikum in Erwartung von Jensens Kommando Sonne-nmilch.



Als diese die Bühne betreten, ist die Freude groß; wohlgewandet präsentieren sich die fünf Hamburger in Koch- und Küchenhilfekleidung inklusive Gummihandschuhen, Mützen und Haarnetzen. Besonders ulkig vor dem Hintergrund, dass die Jungs von The Riot Before im echten Leben alle berufsmäßig in Küchen aktiv sind.

Jens Rachut hingegen lässt sich nur zu einem kurzen Kommentar zur Kleidungswahl hinreißen, "Kochen und so", brummelt er ins Mikrophon. Und los geht die Fahrt. Jensen macht einen für seine Verhältnisse gut gelaunten Eindruck, ausnahmsweise scheint ihn weder der Umstand, ein Konzert zu geben, noch die Anwesenheit von anderen Menschen in seiner Nähe über die Maßen zu nerven.

Seit ich ihn das letzte Mal gesehen habe, hat er abgenommen und sein Markenzeichen – Augenringe in tiefschwarz bis zum runtergezogenen Mundwinkel – ist nur noch dunkellila und endet bereits auf dem Wangenknochen. Die Band um ihn herum ist gar ausgelassenen, besonders Co-Sängerin Yvon Jansen tanzt ausgelassen grinsend und versucht anscheinend ihren Bandleader auf die Palme zu bringen.

Der hält sich aber wahlweise lieber nach vorne gelehnt am ächtzenden Mikroständer fest und schimpft ins Mikrofon oder vollführt seine charakteristische Tanzbewegung, bei der er seine Hände mit gespreizten Fingern ruckartig im Beat gen Fußboden stößt. Nach einigen Songs tauchen noch zwei Küchengehilfinnen auf, ein zusätzlicher Backgroundchor, der den Sound noch fetter und kreischiger macht. Vor der nicht existenten White-Rabbit-Bühne macht sich ein Mob daran, einen immer größer werdenden Pogozirkel anzuzetteln, was der Band inklusive Jensen sichtlich Vergnügen bereitet.

Besonders lustig geht es zu, wenn Töne vergangener Combos mit Jens Rachuts Beteiligung erklingen. Das Vergnügen auf beiden Seiten lässt sich erkennen sowohl am lauthalsen Verlangen der Konzertbesucher nach mehr, als auch der Bereitwilligkeit seitens der – nicht gerade für Zugaben bekannten – Band, eine ausgiebige halbe Stunde an die Show dranzuhängen. Zum Abschluss bestellen sich die sieben Köche eine Flasche Sekt auf die Bühne. Schön war es, vielen Dank!

Alles in allem ein denkwürdiger Abend für Ohren, Augen, Leber und Kamera. Leider aber besitze ich nur eine kleine Casio Digicam, mit der ich mich überhaupt nicht auskenne. Selber sehen ist aber eh viel schöner und wer es verpasst haben sollte: Zu viele Köche machen noch lange keinen schlechten Brei.

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