"Komm! Den holen wir uns": André Mergener erzählt, wie er den Messerstecher vom Holzmarkt gestellt hat

André Mergener

Mittwochmittag am Holzmarkt in der Innenstadt: Ein 17-Jähriger bricht einem 16-Jährigen die Nase, sticht ihm mit einem Messer in den Oberschenkel und rennt weg. Keiner tut was - nur Fensterbauer André Mergener, sein Arbeitskollege und ein Unbekannter rennen ihm sofort nach. Von Angst: keine Spur! Uns hat er erzählt, wie die drei ihn mithilfe der Polizei gestellt haben.



Wir wollen gerade Mittagmachen gehen, mein Kollege Ivo (auf dem Bild rechts) und ich (auf dem Bild links). Am Holzmarkt ist ja eine Bäckerei, da wollen wir uns einen Kaffee holen. Wir gehen gerade über die Straße, sind zwischen Straßenbahnschiene und Bäckerei, da sehen wir die beiden, wie sie sich streiten.


Es war nicht wild, wir haben’s ignoriert. Ich gucke noch mal zurück und sehe, dass der Größere dem Kleineren einen Kopfstoß versetzt, denke aber, es geht ins Leere – die Situation sah einfach nicht so brenzlig aus. Ivo und ich schauen uns an, in dem Moment hören wir jemanden schreien: „Der hat ein Messer! Der hat ein Messer!“ Wir drehen uns um und sehen, wie der Kleinere sich runterbeugt und am Oberschenkel hält – und der andere abhaut. Der Kleinere sagt irgendwas, zeigt auf den Täter. Ich, Ivo, Mitten auf der Kreuzung, Autos, Leute – alles geht ganz schnell.

Man hat Angst - vor dem Messer

Eine Schlägerei lass’ ich mir noch bieten, aber ein Messer zu ziehen – am helllichten Tag –, das geht gar nicht. Das darf einfach nicht einreißen. Wir sind doch hier nicht in Amerika! Bei so was muss man dem Kollegen neben dran sagen: Komm! Den holen wir uns! Wir helfen denen! Allein ist das schwer, gemeinsam ist man stark. Man sieht ja, ob der Kolleg’ jünger ist, ob er gut gebaut ist. Wir brauchen mehr Zivilcourage – auch in Freiburg.

Ich denke jedenfalls noch kurz: Scheiße, eigentlich wollt’ ich ja nur nen Kaffee. Dann renne ich los, dem Täter hinterher, der in die Rempartstraße flieht und ungefähr 20 Meter Vorsprung hat. Ivo fängt auch an, zu rennen – ein Dritter kommt auch noch mit [Anm. d. Red.: Bei ihm handelt es sich um den 35-jährigen Servicefahrer Bülent Ö. aus Freiburg]. „Haltet ihn! Haltet ihn!“, aber kein Passant reagiert. Ich kann das verstehen. Man hat Angst – vor dem Messer. Ich selbst hatte keine Angst: Ich arbeite an der Türe im Jazzhaus. Zwei-, dreimal hatte ich da schon Leute mit Messer. Wenn er angehalten oder vor mir gestanden hätte, hätt’ ich schon Abstand gehalten. Wer schon mal zugestochen hat, wird das in einer Notsituation noch einmal tun.

"Da isser!"

Der Täter biegt in den Hinterhof der UB 2 ein und rennt ins Gebäude. Wir hinterher, fragen zwei Leute, ob da jemand rein ist, machen vorne zu, hinten zu, ich gehe das Erdgeschoss durch, schaue, ob er in einem der Räume ist. Niemand. Wir fragen vorne, ob jemand raus gerannt ist – die Fußgänger sagen „Nee, nee“, also wissen wir, dass er sich noch im Gebäude befindet. Der Dritte ruft die Polizei an, die innerhalb von fünf Minuten da ist – keine Ahnung, wie sie das so schnell gemacht hat. Kurze Besprechung, wie er aussieht et cetera. Dann kommt er seelenruhig die Treppen runter. Ivo: „Da isser!“

Später hat eine Frau noch gesagt, sie habe ihn oben gesehen, wie er sich unters Fenster geduckt habe, in einem Raum.

Zwei Polizisten richten ihre Pistolen auf ihn, nehmen ihn fest. Er wehrt sich noch ein bisschen, zappelt rum – in seiner hinteren Hosentasche steckt die Tatwaffe: ein Klappmesser, das mit Klinge sicherlich 15 Zentimeter groß ist.

Zu den Personen

André Mergener, 40, und Ivo Heisler, 20 arbeiten in Freiburg als Fensterbauer.

Aufmerksamen fudder-Leser werden sich an André Mergener erinnern. Er ist nicht zum ersten Mal auf fudder, wie diese Beiträge über ihn beweisen:
  • fudder: http://fudder.de titel="">Ein Freiburger beim Strongman Run (2009)
  • fudder: http://fudder.de titel="">Dieser Mann schlottert für Alaska (2009)
  • fudder: http://fudder.de titel="">Extremsport: Planking (2011)

Mehr dazu:

[Protokolliert von Manuel Lorenz]