Kleinststadtgeheimtipps: Emmendingen

Anne-Marie Gerber & David Weigend

Natürlich ist Emmendingen in Wirklichkeit keine Kleinststadt, sondern eine Kreisstadt. Das wichtigste Rechercheergebnis unserer Emmendinger Empfehlungen ist jedoch: "Hier gibts geile Weiber!" Das meinen jedenfalls die Ortscoolen. Hier noch viele weitere Gründe, warum man mal in EM vorbeischauen sollte.



Gibt’s seit: der erste urkundliche Hinweis auf Emmendingen stammt vom 7. Juni 1091

Entstehung des Ortsnamens: der oben genannte Hinweis entstand, als Odalrich de Anemotingen als Zeuge des Grafen Burkhart von Nellenburg auftrat. „Emmendingen“ ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen.

Einwohner: 26.000 (gesamt); 18.900 (Kernstadt); Stand: 31.12.08

Pflichttermine: Breisgauer Weinfest, das in der Regel etwa 25.000 Menschen besuchen. Hier finden sich zahlreiche Pavillons der Winzergenossenschaften und Weingüter aus Emmendingen und Umgebung. Tipp: der Mundinger Weinstand und der Medici-Stand, wo es auch leckere Cocktails gibt. Nächster Termin: 14. bis 17. August 2009.

Für Bierfreunde: der Bockfrühschoppen der Emmendinger Fasnachts-Gesellschaft (EFG) am Rosenmontag. Heuer beginnt er um 10.11 Uhr in der Fritz-Boehle-Halle (23. Februar). Achtung, nur für Männer! Die Gegenveranstaltung für Frauen ist der Geißenschoppen, der alle zwei Jahre in Kollmarsreute stattfindet, leider aber erst wieder nächstes Jahr.

Ansonsten: Der Fahrrad- sowie der Brettlemarkt in Emmendingen, die jeweils an Wochenenden mit verkaufsoffenem Sonntag stattfinden.



Das hört der Oberbürgermeister: alles von Klassik bis Pop. Je nach Stimmungslage (Stefan Schlatterer, CDU).

Hier chillt der Oberbürgermeister: auf dem Eichbergturm oder auf der Hochburg. Dort genießt er die Aussicht auf die Landschaft. Auch anzutreffen ist er auf der Terrasse des Gasthauses Zum Engel in Tennenbach und auf der Wiese des Stilzerfritz (Amsenhof 3) in Freiamt oder beim Joggen im Stadtwald.

Städtepartner: Six-Fours-les-Plages im Département Var, Südfrankreich (seit 1978), Newark-on-Trent in der Grafschaft Nottinghamshire, England (seit 1983) und Sandomierz, Polen (seit 1990).

Das sagt die Jugend: Drei Elfjährige schwärmen von der schönen Innenstadt und sagen: „Hier kann man gut bummeln, auch wenn der eine oder andere Kleiderladen für Jugendliche in der Stadt fehlt. Cool ist die Eisbahn, die im Winter auf dem Marktplatz steht. Da kann man gut Schlittschuhlaufen.“ Anderer Meinung sind da die coolen Jungs, die gerade von der Schule heimkommen. Sie finden, dass Emmendingen eigentlich nur ,ein Positives’ hat: „Geile Weiber!“ Außerdem fehle eine gute Diskothek. Was ihrer Meinung nach gar nicht geht, sei der Emmendinger Goethe-Park.



Kulinarische Besonderheiten: Die Brezel vom „Brezelstüble“, Markgrafenstraße 3. Echte Handarbeit, schmeckt daher besonders gut. Außerdem ist die besagte Brezel eine der wenigen, die noch 50 Cent kosten. Öffnungszeiten der schuhschachtelgroßen Bäckerei: Mo–Fr, 7.30–12.30 Uhr. Außerdem das Basler Brot aus der Bäckerei Müller in der Unterstadt, vulgo: „S’ Schneckebrot vom Müllerbeck.“

Das Vesper auf dem Wöpplinsberg bei der Familie Wagner, Telefon 07641 / 7249. Alles aus eigener Herstellung, Anmeldung erforderlich.

Spitzname der Emmendinger: Ämmädätscher (das sagt jeweils manch alter Mundinger)



Kicker: Die erste Mannschaft des FC Emmendingen belegt bisher den letzten Platz der Verbandsliga. Von Ex-Trainer Willi Behrens trennte sich der Vorstand bereits nach dem vierten Spieltag.

Seither fungieren Dieter Rutz und Edmir Bilali als Interims-(Spieler)trainer. Für die kommende Saison hat der FCE schon einen neuen Trainer verpflichtet: Uwe Gleichauf, der im Moment noch den Bezirksligaaufsteiger SV Mundingen trainiert. Zusammen mit ihm und einigen zurückgekehrten Leistungsträgern hofft man beim FCE, die Klasse halten zu können.



Fasnet: Highlights: Der große Fasnachtsumzug durch die Innenstadt am Fasnets-Sundig, der bei schönem Wetter bis zu 20.000 Besucher anlockt. Highlight für die Jugend: das Narrendorf, der Hemdglunkerumzug und vor allem die Party im Anschluss im Inside und daneben im Irish Pub Shamrock.



Panorama: Der 48,19 Meter hohe Eichbergturm, gleichzeitig der höchste Aussichtsturm im Schwarzwald, bietet eine wunderschöne Aussicht. Von der Turmkanzel aus reicht der Blick bei schönem Wetter über die nähere Umgebung, den gesamten Schwarzwaldkamm bis hin zum Isteiner Klotz, den Schweizer Jura, die Vogesenkette und den Kaiserstuhl.

Weitere gute Ausblicke gibt’s vom Emmendinger Wasserreservoir auf dem Kastelberg, von der Hochburgund vom Wöpplinsberg.

Relaxtipps: auf dem Schlossplatz vor dem Lenzhäuschen werden im Sommer Tische und Stühle aufgestellt. Auf denen kann man sich herrlich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Dazu ein paar kalte Kugeln aus der Eisdiele Saviane (bestes Eis in town!), Kirchstr. 8, nur ein paar Schritte entfernt vom Schlossplatz. Außerdem empfehlenswert: Chillen im Stadtgarten.



Gastrotipps: Zu empfehlen ist das Restaurant „Viel Harmonie“ (Karl-Friedrich-Str.3). Leckere Fischgerichte und harmonisches Ambiente. Für Gourmets ist das Restaurant Parkhotel Krone Maleck interessant. Junge Leute zieht es eher an den Bahnhof, wo das Café de Medici liegt (Cornelia-Passage 8). Hier gibt es leckere Baguettes, Salate und Cocktails. Empfehlung: Sex on the Beach. Wer asiatische Küche bevorzugt, geht am besten ins Glückshaus in der Unterstadt. Da gibt es ein „All you can eat“-Mittags-Buffet für 6,40€.

Lektüretipp: "Der Penner" von Thomas Steiger (Knaur 1994); einfühlsame Autobiographie eines Emmendinger Obdachlosen: vom angesehenen Stimmungsmacher im Sexauer Wagenrad zum gedemütigten Opfer zwischen Elz und Dreisam. Schon die erste Prügelszene im Goethepark gibt einen guten Einblick ins regionale Alkimilieu.

Der besondere Verein: Beim Tagebucharchiv e.V. in Emmendingen werden private Lebensgeschichten aus dem deutschsprachigen Raum in Form von Tagebüchern, Lebenserinnerungen und Briefen archiviert und ausgestellt. Das Archiv ist für Besucher montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und dienstags und mittwochs zusätzlich von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Kosten für Gruppenführungen: Erwachsene 4 Euro, Studenten 2 Euro, Schüler 1,50 Euro.

Bedeutende Emmendinger: Die Badische Zeitung startete im Frühjahr 2007 eine Wahl zum bedeutendsten Emmendinger. 61 Kandidaten standen zur Wahl. Darunter der Radsportler Michael Rich (Team Gerolsteiner), Tour de France-Teilnehmer und Olympiasieger 1992.

Gewonnen hat Oscar Guidone. Er engagiert sich als Italiener für Völkerverständigung, ist Mentor der Brunneninitiative, FWV-Stadtrat und seit Sommer 2007 bedeutendster Emmendinger.



Tanzschuppen: Die Discoszene in Emmendingen war einst erstaunlich groß. Auch überregional bekannt war das Oktan. Eine Technodisco, in der aber auch Gigs von Body Count und Run DMC stattfanden. Beliebter Anbaggerschuppen war außerdem das Point.

Aus dieser goldenen Zeit ist heute leider nur noch das Inside am Bahnhof übriggeblieben. Kann mit der Oktan-Ära nicht mehr ganz mithalten. Am Schmutzigen Dunschdig, an Halloween, an Weihnachten und Silvester trifft sich im Inside halb Emmendingen. An den übrigen Tagen sieht es dort eher mau aus. Glücklicherweise gibt es noch den Schlosskeller in der Innenstadt, der von Rock über Elektro bis hin zu Kabarett für jeden was zu bieten hat. Nicht zu vergessen ist Happie’s Kulturmühle Mehlsack in Mundingen.



Hier trifft sich die Jugend: Ganz klar im Stadtgarten. Der Pavillon ist der Treffpunkt schlechthin, selbst im Winter. Ist dieser besetzt, gibt es noch zahlreiche Parkbänke. Im Sommer chillt die Emmendinger Jugend gern „Shisha-rauchend“ auf den zahlreichen Grünflächen.

Das (bestätigte) Gerücht: „Die spinnen, die Emmendinger.“ Dieses langläufig bekannte wie unbewiesene Gerücht müssen die Emmendinger aufgrund des Zentrums für Psychiatrie (ZFP) über sich ergehen lassen. Daher rührt auch der von alten Fans immer noch gern im Dreisamstadion gerufene Spruch: „Schiri, Telefon! Emmendingen wartet schon!“ Die meisten nehmen’s mit Humor.

Gerücht Nummer Zwei aus dem Munde von Freiburgern: Emmendinger können nicht Auto fahren. Sie seien völlig überfordert, besonders im Freiburger Berufsverkehr. Dementsprechend sei die Unfallstatistik in Emmendingen auch sehr furchteinflößend. Natürlich alles Quatsch. Die Emmendinger wiederum behaupten übrigens, dass die Offenburger (OG = Ohne Gehirn) miese Autofahrer seien. So verlagert sich das Übel immer weiter nach Norden.



Lahmstes Projekte: Eindeutig die Fußgängerzone. Jeder Emmendinger stöhnt bei diesem Wort. Die Umgestaltung zieht sich mittlerweile schon zwei Jahrzehnte hin. Es begann mit dem Abriss des Kreisverkehrs (das war die reinste Blumeninsel!) inklusive Springbrunnen, der an Stelle des heutigen Marktplatzes stand.

Eine Baustelle folgt der nächsten, Kreisverkehr hin, Kreisverkehr wieder weg, 30er-Zone, dann doch wieder Spielstraße und so weiter. A never ending story. Wobei: Ende Juni soll die neue Fußgängerzone endlich fertig sein. Ach, wirklich?



Häufige Nachnamen: Maier/Meier, Müller, Schneider...die unspektakuläre Wahrheit.

Ortsrivalität:…besteht eindeutig mit Teningen. Den Grund dafür kennt eigentlich keiner. Vielleicht, weil Teningen und Emmendingen sehr unterschiedlich sind. Während Teningen eine klassische Arbeitergemeinde mit vielen Arbeitsplätzen ist, steht Emmendingen eher für einen Handelsplatz und für eine Einkaufsstadt.

Eigentlich würden sich die beiden super ergänzen. Doch wegen des gegenseitigen Neids hat das bis jetzt noch nicht geklappt. Daran sind bestimmt die Teninger schuld… ;)



Kaffeetipp: Mahlwerkk – Die Kaffeerösterei. Röstfrisch!

Dönertier: Pflicht ist der riesige Yufka von Mamo Kebap (Lammstr. 4). Sehr freundlicher Service, der Geschmack ist Weltklasse und der Preis mit 3,50 € bei dieser Größe mehr als fair.

Ladentipp: Für (angehende) Fotografen lohnt sich ein Besuch im Vario Shop von Herrn Ringwald: ein leidenschaftlicher Fotograf, der kompetent berät und jedem Kunden mit Rat und Tat zur Seite steht. Sein Shop in der Lessingstr. 17 ist leider nur noch bis Ende Februar geöffnet. Bis dahin gibt’s noch Schnäppchen!

Vielen Dank für einige Tipps an Frau Weiher, Herrn Schlatterer, Herrn Walser und Herrn Zimmermann.

Mehr dazu:

fudder.de: Serie Kleinststadtgeheimtipps

Foto-Galerie: Anne Gerber

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