Kleinststadtgeheimtipps: Bleibach

Sarah Yegit & Marc Schätzle

Willkommen in Bleibach! Lasst Euch von unseren einheimischen Blibichern Sarah und Marc in die Welt zwischen Hörnleberg und Totentanz einführen. Hier gibts Insiderwissen satt: Die beste Aussicht, die zünftigste Wurst und der dümmste Spruch.



Lage: Bleibach gehört seit 1974 zur Gemeinde Gutach im Elztal. 1500 Menschen leben hier, zwischen Hörnleberg und Siegelauertal, dort, wo die Wildgutach in die Elz mündet. Bleibach trägt das Prädikat „staatlich anerkannter Erholungsort“.

Gibt’s seit: Zum ersten Mal wurde die Gemeinde 1178 in einer Bulle an den Papst genannt. Damals trug es noch den Namen Plybach.

Namensherkunft: Ob die Namensgebung mit dem früheren Bergbau (nach silberhaltigem Bleiglanz) zu tun hat, ist nicht genau nachgewiesen. Einer Sage zufolge hatte sich ein Mann einen Ort zum Wohnen gesucht und dort, wo jetzt Bleibach ist, gerufen: „Do blieb ich!“ Vielleicht wurde daraus der Name Bleibach (Dialekt: Bliebich) abgeleitet.

Einwohner: Die Gemeinde Gutach hat zirka 4.400 Einwohner. Der Ortsteil Bleibach davon 1500.

Häufige Nachnamen: Schätzle, Wehrle



Das hört der Bürgermeister: Urban Singler von den Freien Wählern hört „alles querbeet“. Von Pop über Rock bis hin zu Klassik. „Mit zwei Kindern im Alter von 13 und 15 ist eine Richtung ja quasi schon vorgegeben“, sagt Singler.

Relaxtipps vom Bürgermeister: Einfach mal den Hörnleberg hochlaufen und dort von einer Bank in der Sonne den Ausblick ins Tal genießen. Vom Bahnhof aus links in die Bahnhofstraße abbiegen, dann rechts in die Dorfstraße und gleich wieder links in die Hörnlebergstraße, der man dann stets bergauf folgt. Nach gut 500 Metern erscheinen links eine Wiese sowie Bänke, von denen aus man eine wunderschöne Sicht hat.

Das sagt die Jugend: „Bleibach ist ein sehr ruhiger Ort. Es wäre schön, wenn es hier zumindest auch ein Jugendhaus gäbe. So was in der Art fehlt hier. Man muss sich da eben Abhilfe schaffen, mit vielen Hauspartys und so.“ (Philipp, 17)

Hier trifft sich die Jugend: Am Bahnhof. Von dort aus kann man gleich mit Bus oder Bahn weiterfahren. Oft verabredet man sich auch am Schulhof der Grundschule. Dort gibt es Bänke sowie einen maroden, kaum benutzten Volleyballplatz, bei dem das Netz schon schief hängt. Früher gab es einen Jugendkeller gegenüber der Elztalschule, einer Einrichtung für schwer erziehbare Kinder.



Sehenswürdigkeit: Man sollte sich unbedingt den Totentanz in der St. Georgskirche (direkt neben dem Rathaus) anschauen, eine Serie von 34 Bildern, die 1723 gemalt wurden und jeweils mit einem Spruch versehen sind. Der Totentanz befindet sich in der Beinhauskapelle, wo früher die Toten ruhten. Sogar Reisegruppen aus Japan besuchen diese Attraktion.

Nachtleben: Fehlanzeige. Einzige Ausnahmen: gelegentliche Themenfeste („Afrika“), die von der Trachtenkapelle veranstaltet werden sowie das „Zäpfle-Fescht“, das einmal im Jahr in einem Festzelt stattfindet. Das Stadtfest wurde nach Gutach verlegt.

Fluchtmöglichkeiten: In Elzach gibt es das Jugendzentrum JuHa, in Waldkirch das AJZ und die Discothek Outback. Dort geht dem Vernehmen nach manchmal auch etwas rauer zu.

Ortsspruch: „In Bliebich do blieb ich!“, zugleich der Narrenspruch. Außerdem der etwas unliebsame Spruch: „In Bliebich stinkt's!“ Das rührt daher, dass Bleibach von vielen Äckern umgeben ist, die natürlich auch gedüngt werden. Fährt man nach Simonswald oder ins Elztal, kann man sich anhand der Nase orientieren: „Jetz kummt Bliebich!“

Der besondere Verein: Die „Böllerschützen Bleibach“ lassen es seit 2006 krachen. Sie verstehen sich als Botschafter einer alten Tradition. Geböllert wird beispielsweise an kirchlichen Feiertagen, auf Anfrage auch bei Geburtstagen und an Hochzeiten.



Kicker: Der SC Gutach-Bleibach ist momentan leider Tabellenletzter in der Bezirksliga, aber wir hoffen, dass die Mannschaft ihren angestammten Platz in der Tabellemitte erreichen werden.

Lahmstes Projekt: Seit kurzem steht auf der neu gebauten Umgehungsstraße ein neumodisches Kunstwerk in Form einer übergroßen Spindel. Es handelt sich um eine Leihgabe des lokalen Nähgarnherstellers Gütermann, der auch die Straße gesponsert hat. Die Meinungen zu dieser Errungenschaft sind eher ablehnend: „Dieses Kunstwerk hätte uns erspart bleiben können, da es kaum ins Gesamtbild passt.“



Kleiderordnung: Die traditionelle Bleibacher Tracht tragen Kapellenmitglieder zum Beispiel an Fasnet und an kirchlichen Feiertagen.

Ortsrivalität: „Eine richtige Ortsrivalität gibt es nicht. Seit Bleibach und Siegelau in Gutach eingemeindet wurden, besteht lediglich der Wunsch einzelner Dorfbewohner, ihre eigene Identität und ihren Charme aufrecht zu erhalten“, meint Bürgermeister Urban Singler. „Aber besonders die junge Generation ist schon sehr zusammengewachsen, was man zum Beispiel an der gemeinsamen Fußballmannschaft erkennen kann.“

Für Kinder: Der drei kilometer lange Waldlehrpfad am Hörnleberg. Am Weg stehen in regelmäßigen Abständen kleine Waldmännchen, die jeweils Infos über das Ökosystem Wald oder kleine Aufgaben bereithalten. Begleitbroschüren für den Walderlebnispfad gibt es in allen Gaststätten und am Bahnhof.

Wandern: Überall rund um Bleibach! Und: Durch den Ort verläuft der Elztalweg, der übrigens einen Abschnitt des Jakobsweges bildet. Man kann also von Bleibach direkt nach Santiago de Compostela in Spanien wandern, wenn man will.

Mountainbike-Tour: Durchs Simonswäldertal auf den Brend (1.149 Meter), ein oft unterschätzter Berg mit klasse Aussicht. Der L173 Richtung Gütenbach folgen, am Nonnenbach links abbiegen und dann der Beschilderung folgen.

Brauchtum: Das „Schiebeschlage“ ist eine jahrhundertealte Tradition, die die jungen Bleibacher Männer jedes Jahr, meist im März, pflegen. Auf dem Hörnleberg entfachen sie ein Feuer, in dem glühende Holzscheiben liegen. Man schießt sie dann mit einer schräg aufgelegten Schiebebank und einem Haselnussstock ins Tal hinab und wünscht sich etwas. Verwünschungen sind auch erlaubt.



Teigiges Fuddern: Im Café MaiBäck (früher Ambs) in der Schulstraße gibt es täglich frische Kuchen und Torten aus eigener Herstellung. Empfohlen wird auch die gut-bürgerliche Küche im Schwarzwälder Hof (Simonswälderstraße 79, 07685 / 203). Außerdem gibt's in Bleibach eine Außenstelle der Bäckerei Herr, die in unserem fudder-Brezeltest auf dem letzten Platz landete. Was da schief lief, wissen wir nicht. fudder-Brezeljunkie Marc meinte: „Hit sin si knaatschig!“ Aber jeder, der im Elztal wohnt, weiß um die sagenumwobene Brezelkunst dieser Bäckerei, deren Geheimnis in einem streng gehüteten Laugenrezept liegt.

Fleischiges Fuddern: Außerdem sei noch die Metzgerei Schuler am Bahnhof empfohlen. Auch auswärtige Fleischfreunde nehmen oft eine Fahrt durch mehrere Ortschaften in Kauf, um dort an Würste zu kommen. Zur WM-Zeit gab's dort die „Kigge-Gugge-Guggle“, ein herzhaftes Paket fürs Fußballschauen.

Fasnet: Drei Zünfte gibt es in diesem kleinen Ort: Silberklopfer, Leimedeyfel und seit jüngerer Zeit auch die Grottenwalddämonen. Am Schmutzige Dunschdig gibt es jedes Jahr den Hemdklunkerumzug mit anschließender Hexenverbrennung vorm Rathaus. Im Rahmen eines alljährlichen Zunftabends in der Mehrzweckhalle werden die Zunftsvorsitzenden geehrt und man trinkt, isst und tanzt zusammen. In der „Sonne“ und im „Löwen“ gibt es die ganze Fasnetswoche über Live-Musik am Abend. Am Rosenmontag trifft man sich im Schwarzwälder Hof zum „Närrischen Dreikampf“, eine Art Narren-Rallye.

Mitbringsel: Eine Flasche Zwetschgenwasser aus der Elztalbrennerei Weis. Wer individuell sein will, kann natürlich auch auf eine Sammlung mit feinstem Nähgarn der Gütermann AGzurückgreifen.



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Foto-Galerie: Sarah Yegit