Klee - Zuckerwattepop im WM-Studio

Monika Kerscher

Bei unserem ZMF-Kartengewinnspiel haben wir gemerkt, dass sich unsere fudder-Leser neben Gentleman ganz besonders für Klee interessieren. Auch Monika hat sich ganz besonders auf das Konzert der Band aus Köln gefreut - und berichtet von ganz großem Gefühlskino.

Klee - das klingt zunächst nach Wiesen, Weiden, nach drei- oder vierblättrigen grünem Gewächs oder nach dem Maler Paul Klee, der in seinen Bildern mystisch und geheimnisvoll mit Licht und Farben jonglierte, um so Stimmungen jeglicher Art einzufangen. Und genau das ist die Intention der Kölner Band, bestehend aus der Sängerin Suzie Kerstgens, Tom Deininger und Sten Servaes, im Spiegelzelt begleitet von einem Drummer und einem Bassisten. Mit ihren Texten setzen sie den Paul Klee´schen Ansatz poetisch anrührend, romantisch, aber niemals naiv fort. Das, was sie zu sagen haben ist keineswegs platt, sondern einfach nur wahr.

Ich kann nicht umhin und muss es vorweg nehmen: Ja, das Konzert war ganz großes Gefühlskino. Ich fasse es mit den Worten der Zeitschrift Musikexpress zusammen: “Zuckerwattepop de luxe im Quadrat”. Mit fluffigen, gitarrevordergründigen und pianobeseelten Klängen verwöhnt Klee die etwa 200 Lauschorgane und Herzen und beweist, dass deutschsprachige Popmusik unbeschwert, filigran und zauberhaft sein kann.Mit dem Eröffnungssong “Für alle, die” nimmt Klee die Zuhörer mit auf eine Reise, die über die Suche nach Liebe, nach der Möglichkeit des Daseins zu zweit, nach Freiheit, nach allem Erdenklichen geht. Mit jedem Lied schlagen sie immer wieder in die gleiche Emotionskerbe. “Doch wie er von der Liebe sprach - stach mir mitten ins Herz! Tief und tausendfach.” Sängerin Suzie bittet “lass mich diese Fehler einmal richtig machen” und zu gern will man ihr dieser Forderung nachkommen. Denn sie hat definitiv keine Fehler.

Aber da war ja noch was: Fußball-WM 2006. Dieses Ereignis verändert die Menschen, so auch Suzie, die grüne Mäuschen sieht, Allee- statt Ole-Gesänge anstimmt, nach Lukas Podolski ruft und sogar mit Fußballhaube incl. Augenschlitze auf der Bühne rumspringt, als würde sie von tv-bekannten und bisweilen lästigen Fußballmoderatoren verfolgt werden, während sie zu “Liebe das Leben” auffordert. Nachdem sich ihre Bandmitglieder Tom und Sten als Fußballfans geoutet hatten, gestaltet sie ihre Bühne ad hoc um in ein WM-Studio, schafft es sogar, Pelé als Interviewpartner zu gewinnen und führt eine repräsentative Umfrage zum Thema “Bester Fußballer der WM 2006”. Fast bin ich geneigt zu vermuten, dass Suzie mit dieser Aktion ein Motivationstraining für Tom und Sten initiieren musste, um so das verpasste Viertelfinalspiel Brasilien-Frankreich wenigstens mit ihrem Gig auf der Bühne zu entschädigen. Sten wurde sogar mit zugestecktem Zettel über das Zwischenergebnis informiert. Die bis dahin vollends begeisterten Zuhörer (vom jungen Erwachsenen bis hin zu mittleren Jahrgängen) genossen wohl das WM-Studio, schmachteten jedoch vielmehr nach mehr tief empfundenen Gefühlen eingebettet in eben diese eingängigen und fluffigen Melodien und das ganze mit Suzies lasziver, säuselnder und klarer Stimme. Mit einfachen Worten führt die begonnene Reise weiter zu Sehnsüchten und Wünschen, zu Geheimnissen, in “Die Stadt”, “Bis an den Rand der Klippen” (erscheinen auf der neuen CD “Zwischen Himmel und Hölle”) und schließlich zu “Über mir die Sterne” ehe “Keine 10 Pferde” die Band von der Bühne holen konnten. Trotz so viel gesungener Traurigkeit, Melancholie und Herzschmerz blieb in den 1,5 Stunden genügend Raum für die Hoffnung, dass alles doch nicht so arg ist. “Erinner Dich” einfach an verträumte und verliebte Tage auf einer sonnengeschwängerten Kleewiese und beschließe, aus Erinnerungen Neues werden zu lassen.Klee fand sichtlich Gefallen am ZMF-Publikum, was sich in ihrer Nähe und detailverliebten Interaktion zum selbigen zeigte. Klee ? ihr dürft wieder kommen? denn ihr seid “Gold”.Wer mehr zu Klee erfahren will: Kleemusik.de