Frauenfußball

Klasse-Leistung nicht belohnt: Frauen des SC Freiburg unterliegen Wolfsburg im Pokalfinale 0:1

Andreas Strepenick & Eyüp Ertan

Die Erstliga-Fußballerinnen des SC Freiburg scheitern nach starkem Auftritt am Favoriten VfL Wolfsburg in Köln mit 0:1 (0:0). Doch den Traum vom Pokalfinale haben sie sich erfüllt - und ihr Bestes gegeben.

"Wir werden alles in die Waagschale werfen", hatte Freiburgs Coach Jens Scheuer nach dem ersten Final-Einzug überhaupt in der Geschichte des Fußballs der Aktiven beim SCF versprochen. Doch was Scheuer in diese Schale werfen konnte, schien im Vergleich zu Wolfsburg zunächst einmal nicht viel zu sein. Der 40-Jährige musste im Rheinenergie-Stadion auf ein halbes Dutzend Spielerinnen verzichten.


Zuletzt hatte sich Torhüterin Merle Frohms, erfolgreiche Senkrechtstarterin im Nationalteam der Frauen, einen Kapselriss am Finger zugezogen, und Jobina Lahr sogar einen Kreuzbandriss. Für Frohms stand nun wieder Lena Nuding zwischen den Pfosten. Überraschend spielte Kapitänin Clara Schöne nach langer Verletzung von Beginn an wieder.

Wolfsburg lief in derselben Formation auf, mit der der Liga-Spitzenreiter und designierte deutsche Meister 2018/2019 erst am vergangenen Sonntag den Ortenauer Erstliga-Klub SC Sand mit 7:0 geschlagen hatte. Im Team der Stars, angeführt von Nationaltorhüterin Almuth Schult und Stürmerin Pernille Harder, Europas Fußballerin des Jahres 2018 aus Dänemark, konnte Trainer Stephan Lerch auf jeder Position aus dem Vollen schöpfen.

Unter den Augen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begann Wolfsburg, zuletzt viermal in Folge deutscher Pokalsieger, im 39. DFB-Finale der Frauen mit viel Druck, konnte SC-Torfrau Nuding aber nicht ernsthaft prüfen. Die Freiburgerinnen kamen ebenfalls gut ins Spiel und zeigten keine Spur von Anfangsnervosität.

In der zehnten Spielminute die erste Chance für den SC: Anja Maike Hegenauer zog aus der zweiten Reihe ab, doch der Ball ging knapp am langen Pfosten vorbei. Nur drei Minuten später scheiterte Klara Bühl am beherzten Einsatz von VfL-Torhüterin Schult. Rund 1000 mitgereiste Freiburger Fans erzeugten unterdessen lautstark geradezu Heimspiel-Atmosphäre - eine starke und so nur höchst selten gehörte Unterstützung für die SC-Frauen. In der 26. Minute tauchte Sharon Beck frei vor Schult auf, spielte ihr den Ball aber direkt in die Arme. Drei Minuten später war Sandra Starke dran, aber auch diesmal stand die Wolfsburgerin Schult genau richtig. Vier Freiburger Chancen, nichts Zwingendes auf Seiten des VfL - das war die Bilanz der ersten halben Stunde.

Und während Wolfsburg auch in der Folge kaum mehr produzierte als Eckbälle und ein paar harmlose Schussversuche, suchten die Freiburgerinnen weiterhin ihre Chance und spielten mutig nach vorn. Beck und Bühl schoben sich bei einem Konter über das gesamte Spielfeld hinweg gegenseitig den Ball hin und her, das 1:0 lag in der Luft, doch die Abwehrspielerinnen des VfL rannten mit und störten die Beiden so lange, bis Anna Blässe klären konnte (36.).

Erst in der 42. Minute drehte die Weltklasse-Elf aus Wolfsburg blitzartig auf, Ewa Pajor suchte fünf Meter vor Nuding per Fallrückzieher spektakulär den Abschluss - doch Nuding stand goldrichtig und lenkte den Ball übers Tor. Mit einem 0:0 ging es in die Kabinen nach einer hochklassigen ersten Halbzeit, in der es auch 2:0 oder 3:0 für Freiburg hätte stehen können. Der Underdog spielte nicht nur mit. Er machte mit großem läuferischen Einsatz die individuelle Klasse der Wolfsburgerinnen wett und zeigte null Respekt vor großen Namen.

"Steht auf für den SCF", skandierten die Freiburger Fans gleich nach Wiederanpfiff, während die Wolfsburger Anhänger weiterhin kaum zu hören waren. Auf dem Spielfeld hingegen verschoben sich nun nach und nach die Spielanteile. Mehrmals schnürten die Wolfsburgerinnen die SC-Elf eng im eigenen Strafraum ein, und in der 55. Minute war es so weit: Pernille Harder traf erst den linken Pfosten, und die Polin Pajor musste anschließend nur noch einschießen. Nuding war chancenlos, 1:0 für die Favoritinnen. Jetzt hagelte es Chancen für Wolfsburg, und Freiburg benötigte einige Zeit, um wieder Struktur ins eigene Spiel zu bringen.

Ein Distanzschuss der Wolfsburgerin Caroline Graham Hansen (65.), Harders Flachschuss 30 Sekunden später, ihr Kopfballversuch gleich darauf - die SC-Defensive stand nun unter Dauerdruck, während vorne nicht mehr viel ging. Das Duo Harder/Pajor drehte jetzt erst so richtig auf, in der 75. Minute vereitelte Nuding das fast sichere 2:0 der Polin mit ihren Klasse-Reflexen.

Scheuers Team schien langsam die Kraft auszugehen. "Schiiiießt ein Tor", sangen die SC-Anhänger in der Südost-Kurve, doch genau das wollte den Freiburgerinnen nicht mehr gelingen. Sie verdankten es am Ende vor allem ihrer Torhüterin, dass es beim 0:1 aus ihrer Sicht blieb. Den Traum, einmal in ihrem Leben in Köln zu spielen, im großen Finale, hatten sie sich erfüllt. Doch an Wolfsburg kamen sie einmal mehr nicht vorbei.

VfL Wolfsburg: Schult – Blässe, Fischer, Goeßling, Peter – Hansen, Gunnarsdottir, Popp, Jakabfi (72. Wolter) – Harder, Pajor (90. Masar). SC Freiburg: Nuding – Gwinn, Kirchberger, van Lunteren, Stegemann – Hegenauer (73. Lotzen), Minge, Schöne (63. Knaak), Starke – Beck, Bühl. Tor: 1:0 Pajor (55.). Schiedsrichterin: Kunkel (Eichede). Zuschauer: 17 048.

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