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Keramik mit feministischer Botschaft: Isabelle Bapté fertigt Nippeltassen an

Gina Kutkat

Sie plädiert dafür, Brüste und Nippel aus der Tabuzone zu holen: Die Freiburger Künstlerin Isabelle Bapté stellt unter dem Namen "Terrabelle Creations" Tassen und Kännchen mit Brüsten her. Welche Botschaft noch hinter den Einzelstücken steckt?

Anfangs waren die Brüste klein. Ungewagt. Symmetrisch. Isabelle Bapté formte sie instinktiv, traute sich aber nicht an größere Rundungen. "Es ist eine Entwicklung", sagt die 26-Jährige. Seit dreieinhalb Jahren fertigt die Freiburgerin unter dem Namen Terrabelle Creations Tassen, Vasen und Behälter mit weiblichen Formen an. "Nippeltassen", sagt sie selbst dazu. Sechs Tage pro Woche arbeitet sie in der Keramikwerkstatt der Fabrik in der Habsburgerstraße: Sie gibt Workshops, betreut Kindergeburtstage, hilft im Offenen Atelier aus und widmet sich ihrer eigenen Keramik. Sie sieht sich als Künstlerin, die mit Ton arbeitet. "Meine Liebe zur Keramik wächst von Tag zu Tag", sagt Isabelle.




Kreativ ist sie schon seit ihrer Kindheit: Isabelle Bapté wächst in Frankreich auf einem Bauernhof auf und formt ihre ersten Figuren mit dem Ton, den sie in einem naheliegenden Bach entdeckt. "Ich habe schon immer gerne organisch gearbeitet", sagt sie. Sie malt, fotografiert, bastelt mit Pappmaché. Ihre Ausbildung zur Foto- und medientechnischen Assistentin absolviert sie später in Freiburg. Über einen Job in der Keramikwerkstatt fängt sie zufällig an, mit Ton zu arbeiten. "Schnell habe ich gemerkt, wie sehr mir das gefällt. Ich blühe dabei regelrecht auf", sagt Isabelle. Als sie eine Tasse mit der Aufschrift "Free the nipple" (zu Deutsch: Befreit den Nippel) sieht, kommt sie auf die Idee, Tassen mit Brüsten zu töpfern.

Keramik mit feministischer Botschaft

"Ich forme sie intuitiv, ohne Vorlage", sagt Isabelle. Die Brüste an den Tassen sind alle unterschiedlich – entweder rund, spitz, glockenförmig, schlank oder groß. "Sie werden immer größer", sagt Isabelle. Waren ihre Formen anfangs noch zaghaft, steht ihr jetzt manchmal ihre eigene Ästhetik im Weg: "Zwei Brüste sehen in der Realität niemals gleich aus. Trotzdem habe ich manchmal den Drang, eine Symmetrie reinzubringen", sagt die Künstlerin. Dagegen arbeitet sie an – und geht dabei völlig in ihrem Element auf. "Es fällt mir leichter, mich über das auszudrücken, was ich mit meinen Hände gestalte", sagt sie.

Mit ihrer Keramik möchte Isabelle Bapté eine feministische Botschaft verbreiten. "Nippel sind in der Gesellschaft immer noch Tabuthema", sagt Isabelle. Sie selbst trägt schon lange keinen BH mehr, weil sie den Sinn dahinter nicht versteht. "Nippel und Brüste werden unter BHs versteckt und falls sie doch mal durchs T-Shirt blitzen, wird das gleich mit Willigkeit der Frau gleichgesetzt." Dadurch, dass sie Alltagsgegenstände wie Becher und Kännchen mit Brüsten verziert, holt sie diese aus ihrem Versteck heraus. "Ich bringe meine Botschaft somit in die Haushalte", sagt Isabelle.

Ein eigenes Farbschema

In einem Stück von Terrabelle Creations stecken mehrere Tage Arbeit. Isabelle dreht zuerst das Gefäß aus Ton an der Drehscheibe, das meist eine eher bauchige Form bekommt. "Dann drehe ich ab, glätte und forme, bis ich das gewünschte Ergebnis habe." Meistens formt sie mehrere Teile nacheinander, die dann antrocknen müssen. Zwei Tage später macht sie sich an den Feinschliff – unter anderem die Brüste und Nippel. Wenn diese geformt sind, kommt das Tongefäß in den Brennofen, um danach mit Farbe glasiert zu werden. Dabei konzentriert sich Isabelle auf ein bestimmtes Schema, das aus Rosa, Hellblau, Weiß, Hellgrün und Taubenblau besteht – die Terrabelle-Corporate-Identity.

Neben Brüsten formt Isabelle auch gerne Nasen: "Die faszinieren mich einfach", sagt sie. "Sie sind das erste, was man in einem Gesicht sieht." Die meiste Aufmerksamkeit und das größte Feedback ziehen aber ihre Nippeltassen auf sich. Sie fertigt die Einzelstücke auf Anfrage an und verkauft sie unter anderem auf dem Meihnachtswarkt im Café Pow, in der Kleiderei in der Klarastraße 80 und in der Kantine im Vauban. In Zukunft plant sie, noch mehr mit Frauen zusammenzuarbeiten, zum Beispiel, in dem sie Brüste eins zu eins nach modelliert.
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