Katerstimmung: Der unterhaltsame Roadtrip-Roman eines Ex-Freiburgers

Martin Herceg

Als Privatfernseh-Volontär Max sich auf einer Party in die hübsche Spanierin Ana verliebt, beginnt eine Reise ins Unbekannte. Max ist der Held des Romans "Katerstimmung" des Ex-Freiburgers Philipp Reinartz. fudder-Mitarbeiter Martin hat den Debütroman gelesen und sich mit dem Autor unterhalten:



Max Plättgen wacht eines Morgens nach einer WG-Party in einem fremden Bett auf. Er hat einen gewaltigen, durch Gin verursachten, Filmriss, und kann sich weder erklären, wie die Schlagsahne auf seinen nackten Oberkörper gekommen, noch warum er mit einem BH ans Bett gefesselt ist. Das Einzige woran er sich noch erinnert, ist die süße spanische Erasmusstudentin Ana, die er in der Nacht kennengelernt hat. Und in die er sich Hals über Kopf verliebt hat.


Von seinen beiden besten Freunden, dem Womanizer Lenny und dem Langzeitstudenten Wilhelm erfährt er, dass Ana sich bereits auf dem Rückweg nach Valencia befindet. Spontan beschließen die drei nach Spanien zu reisen und machen sich auf die Suche nach Ana.

Doch einen Haken hat die Sache: Um seinen Job als Volontär bei den News eines privaten Kölner Fernsehsenders zu behalten, müssen Max und seine Freunde in Spanien für Schlagzeilen sorgen. Und so gerät das Trio von einer Katastrophe in die nächste.

254 Seiten hat der Debütroman des gebürtigen Freiburgers Philipp Reinartz, der im Mai diesen Jahres im Rowohlt Verlag erschien. Obwohl der Titel "Katerstimmung" und ein kurzer Blick auf den Klappentext Assoziationen mit dem Autor Tommy Jaud oder dem Film "Hangover" weckt, steckt in Katerstimmung deutlich mehr Unterhaltung und Tiefgründigkeit als beim Hummeldumm-Autor oder im Las-Vegas-Streifen.

Reinhatz nimmt aus der Max Plättgen-Perspektive die private Kölner Boulevardpresse auf den Arm und beweist eine gehörige Portion schwarzen Humor, wenn es darum geht die Eigenarten des Privatfernsehens zu karikieren. „Ich bewarb mich, und weil ich wusste, wer Michail Gorbatschow ist und wie man ihn schreibt, wurde ich genommen." Aber nicht nur das Privatfernsehen wird auf die Schippe genommen, auch die Werbebranche, Billigairlines, die spanische Polizei, Germanisten, Urlauber oder der 1. FC Köln kommen nicht ungeschoren davon.

Die viele Satire ist dann auch ein kleiner Schwachpunkt im Roman: Zu oft lässt der Autor den Ich-Erzähler in detaillierten Ausschweifungen, Tagträumen und Gedankenspielen treiben, was die Handlung ins Stocken bringt.

Durch die Kombination von Humor und Medienanalyse ist es Reinartz gelungen, mit Hesse-Zitaten, politischem Fachwissen und scharfsinniger Gesellschaftsanalyse aus einem profanen Road-Trip einen lesenswerten und zugleich zum Nachdenken anregenden Roman zu schreiben. Durch den lockeren Schreibstil und die sommerlichen Schauplätze entwickelt der Roman beim Leser durchaus ein Gefühl von Freiheit und Urlaub - und das macht ihn gerade jetzt in der Sommerzeit zur perfekten Lektüre für den Strand.  



Woher kam die Idee zu "Katerstimmung"?


Philipp Reinartz
: Ich hatte immer die Idee im Hinterkopf irgendwann mal einen Roman zu schreiben. Als ich eigentlich meine Magisterarbeit schreiben sollte, habe ich stattdessen angefangen den Roman zu schreiben.

In der ersten Zeit habe ich das geheimgehalten. Nach 100 Seiten wurden dann aber meine Kölner Mitbewohner mißtrauisch und machten sich Sorgen, dass ich depressiv werde. Dann hab ich sie eingeweiht. Meinen Eltern hab ich gar nichts erzählt. Die bekamen nach der Veröffentlichung ein fertiges Exemplar geschenkt.

Hast du selbst mal eine Volontariat beim Fernsehen gemacht, oder woher kommen die guten Einblicke in die Arbeitsweisen der Privaten?

Ich hab tatsächlich relativ viele Praktika in Köln gemacht, auch beim Privatfernsehen. Da habe ich einen ganz guten Einblick bekommen und gemerkt, wie eigen diese Branche manchmal tickt.

Ganz oft können Zufälle darüber entscheiden was gesendet wird. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass Praktikanten, wenn sie eine gute Quelle haben, zur besten Primetime auf Sendung gehen. Ich spüre dennoch wenig Verbitterung gegenüber dem Privatfernsehen und Boulevardmedien. Und ich weiß von einigen, die im Buch persifliert werden, dass sie über ihre satirische Verarbeitung durchaus lachen können.

Ein Roman schreibt sich ja nicht mal eben so. Wie oft musstest du nach Spanien reisen zur Recherche?

Ich habe ziemlich genau vier Monate an Katerstimmung geschrieben und mir dafür auch extra ein Urlaubssemester genommen, so dass ich quasi ohne Pause und Unterbrechung durcharbeiten konnte. Das Schreiben lief dadurch recht reibungslos, hatte keinen größeren Hänger oder Inspirationsprobleme. Rückblickend gesehen war das auch sinnvoll, um drin zu bleiben. Nach Spanien bin ich allerdings nicht extra gereist. Das habe ich alles aus dem Gedächtnis heraus geschrieben. Ich war als Austauschstudent in Saragossa. Außerdem war ich eine ganze Weile mit einer Spanierin liiert und bin mit dem landesüblichen Temperament vertraut.

Hast du dich an Autoren wie Tommy Jaud, Dieter Nuhr oder Moritz Netenjakob orientiert, oder vielleicht sogar an Filmen wie Hangover?

Die Jaud-Bücher "Millionär", "Resturlaub" und "Hummeldumm" hab ich schon mal irgendwann durchgeblättert und ich finde seine Bücher ganz nett. Dafür, dass es dieses Genre der Comedy-Bücher überhaupt in Deutschland gibt, dafür hat Tommy Jaud schon eine Menge geleistet, aber als Inspiration für meinen Roman haben sie nicht gedient.

Den Film Hangover finde ich persönlich ganz schrecklich. Eine Vergleich mit Hangover ist daher für mich die vielleicht übelste Kritik. Obwohl der Titel Katerstimmung darauf schließen lassen könnte, ist der Filmriss nicht das zentrale Thema. Im Mittelpunkt soll vielmehr der Konflikt stehen, dass Max Nachrichten erfindet, um private Ziele zu erfüllen.

Ist schon eine neue Episode aus Max Plättgens Leben geplant?

Erstmal gibt es keine Fortsetzung von Katerstimmung. Zurzeit schreibe ich an einem anderen Buch, in dem es nicht um Max Plättgen gehen wird. Der ein oder andere Charakter aus Katerstimmung könnte dem Leser aber dennoch über den Weg laufen. Aktuell habe ich erst circa 100 Seiten geschrieben, daher kann ich zum Inhalt und Erscheinungsdatum auch noch nicht viel sagen.

Bist Du vom Erfolg des Debütromans überrascht?

Es gibt eine Sache die ich dauernd höre, seit der Roman draußen ist, nämlich dass Leute die das Buch in der Öffentlichkeit lesen doofe Blicke ernten, weil sie lachen müssen. Das macht mich natürlich schon ein bisschen stolz. Dennoch ist Katerstimmung weit davon entfernt ein Bestseller zu sein. Da wartet noch ganz schön viel Arbeit, um sich einen Namen unter den Schriftstellern zu machen.

Zur Person

Philipp Reinartz, 27 Jahre, wohnt und arbeitet in Berlin. Aufgewachsen ist er in Littenweiler. Am Bertholdgymnasium hat der Freiburger sein Abitur gemacht. Danach führte sein Weg nach Köln, wo er Theater, Film und Fernsehen, Germanistik, Geschichte, Journalismus und Design Thinking zu studieren. Mit fünf anderen Freiburgern hat er sich vor geraumer Zeit selbstständig gemacht und entwickelt Smartphone-Apps - ohne natürlich das Schreiben zu vernachlässigen.

Mehr dazu:



Philipp Reinartz
Katerstimmung
Format: Broschiert
Rowohlt Verlag, Hamburg 2013
254 Seiten, 13,99 Euro    

[Bild 1: fudder; Bild 2: Privat; Bild 3: Rowohlt]