Karl Sütterlin, der Herr der Fliegen

Julia Gross

Er ist der Herr der Fliegen. Karl Sütterlin (24) hat das Label Hans Herrmann Gentlemen's Equipment gegründet. Der Freiburger designt bunte, ausgefallene und verrückte Fliegen. Im Interview mit Julia Gross erzählt der Freiburger, was ihn an dem kleinen Stoff, den man um den Hals trägt, begeistert.

Karl, ausgerechnet zu unserem Interview trägst du keine Fliege. Was hast du dir dabei gedacht?

Karl Sütterlin: (lacht) Doch, an meinem Hals hab’ ich immer eine dabei. Das Tattoo soll eine Motto darstellen, und zwar in Form einer Fliege. Aber so eine richtige passt ja auch nicht immer. Die trag’ ich dann zu festlichen Anlässen.

Wie kam es zu deiner ersten Fliege?

Ich hab’ ja Modedesign studiert und nach dem Studium wollte ich dann erst mal richtig arbeiten. Mein Chef meinte irgendwann zu mir, dass ich zur Arbeit ruhig mal ’ne Krawatte oder ’ne Fliege tragen könnte. So eine richtig schöne hab’ ich aber nicht gefunden und deshalb hab’ ich mir einfach selbst eine gemacht. Aber so wirklich inspiriert hat mich mein Papa.

Weil er selbst schneidert?

Nein, aber er hat definitiv Style. Mode bedeutet, dass man ein Gefühl für schöne Dinge hat. Man kann auch Landwirt sein und einen coolen Style haben. Mein Papa ist Landwirt. Anfang des Jahres ist er erkrankt und ich wollte ihm ein kleines Dankeschön für all das machen, was er für mich getan hat. Mein Label ist ganz und gar ihm gewidmet. Deshalb heißt es auch Hans Herrmann, genau wie er. Gott sei dank geht es ihm gesundheitlich wieder besser.



Deine erste Fliege hast du vor vier Monaten verkauft. Ist inzwischen dein ganzer Freundeskreis eingedeckt?

Ja, so ziemlich. Das hat sich natürlich rumgesprochen. Und dann haben ganz viele Freunde Fliegen gekauft, aber auch meine Arbeitskollegen. Ich bin selbst überrascht, wie gut meine Fliegen ankommen.

Was macht sie so besonders?

Jede Fliege ist ein Einzelstück, sie sind ganz unterschiedlich und irgenwie hängt immer etwas ganz persönliches dran. Ein Kunde wollte mal, dass ich ihm eine Fliege aus den alten Hemden seines Papas mache. Auch aus ’ner Couch hab’ ich schon mal eine gemacht. Durch ein Hakensystem kann man sie außerdem zusammensetzen. Wenn man also zwei Fliegen hat, kann man die eine Hälfte gepunktet tragen und die andere gestreift.

Das Binden einer Fliege ist für dich kein Problem, oder?

Nein. Meine Fliegen sind auch alle zum Binden. Heutzutage findet man das ja nur noch ganz selten. Ich mag das aber, vor allem der „After-Show“-Effekt, wenn man die Fliege zum Ende des Abends hin ganz lässig runterhängen lässt. Jeder meiner Kunden bekommt natürlich einen ganz persönlichen Crash-Kurs.



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Fotos: Marius Notter und Karl Sütterlin

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