Kann man den Inhalt eines Überraschungseis am Geräusch erkennen?

Lorenz Bockisch

Seit 1974 das erste Überraschungsei auf den Markt kam, versuchen die Figurensammler, mit unterschiedlichen Strategien die Figurenquote beim Einkauf zu erhöhen. Der Hersteller Ferrero wiederum legt alles daran, es den Schüttlern und Wiegern nicht zu einfach zu machen, auf dass die Eier mit den Bausätzen nicht im Laden liegen bleiben. Drei Jungforscher aus Donaueschingen haben nun eine neue "Waffe" für diesen Kampf entwickelt.

 

Imanuel Maus (15), Jonas Grießhaber und David Mattegit (beide 14) haben im Rahmen ihres "Jugend forscht"-Projektes das Ü-Eier-Schütteln in wissenschaftliche Hände genommen. Mit Hilfe eines hochsensiblen Mikrophons und einem Frequenzanalyseprogramm namens Cassylab holen sie die alte Methode auf ein systematisches Niveau.


"Im Internet haben wir viele Tipps gefunden. Figuren soll man am Gewicht erkennen, genau 63 Gramm", erklärt Imanuel Maus (im Bild unten links). "Die Leute gehen mit einer feinen Waage in den Supermarkt, aber das klappt auch nicht immer." Denn Ferrero hat natürlich etwas dagegen, dass man die Eier mit den Figuren leicht erkennt. So gibt es auch viele Bausätze, die genauso viel wiegen. Und auch gegen das Schütteln und Horchen hat der Hersteller Strategien: "Die legen immer größere Beipackzettel rein, dann verklemmt sich die Figur und man hört nichts mehr," sagt Imanuel.



Trotzdem haben die drei Schüler vom Fürstenberg-Gymnasium eine Erfolgsquote von 77 Prozent – mehr schafft auch ein langjähriger Sammler nicht. Ihre Methode: Imanuel schüttelt das Ei mit einer Frequenz von drei Hertz vor dem Mikrophon, Jonas (in der Bildmitte) führt am Laptop die Messung durch. Sie haben sich zwar auch eine Schüttelmaschine aus LegoTechnik gebaut, doch die machte zu viele Nebengeräusche. "Und der Imanuel hat das schon richtig raus", beschreibt David die Schüttelqualitäten seines Forscherkollegen.

Die Kurven auf dem Bildschirm ergeben meist zwei unterschiedlichen Bilder: Entweder folgt nach einem "Peak" genannten Spitzenausschlag ein sofortiger Abfall auf der Millisekunden genauen Anzeige. Das weist auf eine Figur hin, die alleine mit dem inneren Plastikei schwingt. Die andere Möglichkeit: Nach dem Peak kommen mehrere kleinere Ausschläge. "Das sind die Kleinteile vom Bausatz, die nachschwingen", erklärt Jonas, in dessen Mund soeben eine halbe Schokoeierschale verschwunden ist.

Mittlerweile haben die drei um die 100 Ü-Eier geschüttelt – auch, um den Vergleich zu haben, wie es mit und ohne Aluverpackung oder Schokoei klingt. Die genauesten Ergebnisse erhielten sie, wenig überraschend, wenn sie nur das gelbe innere Ei testeten. Aber für die praktische Anwendung beim Einkauf ist das keine ideale Methode.



Apropos praktische Anwendung: Die haben sie auch schon fast geplant. "Wenn wir den Regionalwettbewerb gewonnen haben, gehen wir mal mit dem Laptop zum Rewe und schütteln dort", meint Jonas im Scherz.

Doch dann entdecken sie beim nächsten Versuchs-Ei etwas Neues. Zwar weisen die Anzeigen auf dem Bildschirm auf eine Figur hin, doch sind sie ungewöhnlich – wie bei einem Bausatz, der im Ei festgeklemmt ist. Und beim Öffnen sind die drei verblüfft: "Sowas hatten wir noch nie", meint Imanuel. Dem HipHop-Hippo wurde der Beipackzettel über dem Kopf festgeklemmt, so dass die Figur nicht klappern kann.

Ferrero hat also wieder zurückgeschlagen in diesem ewigen Kampf. Die Schokoeierhälften sind auch schon wieder verschwunden.

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