Kaffee trinken mit Tele

Peter Disch

Neulich im Fernsehen. Das ARD-Trendmagazin Polylux besucht den Berliner Musikproduzenten Patrik Majer in seinem Kreuzberger Studio. Im Hintergrund spielt eine Band - nicht irgendeine, sondern die in Freiburg und Lörrach verwurzelte, mittlerweile in die Hauptstadt umgezogenen Tele. Mit Majer, der die Kollegen von Wir sind Helden groß gemacht und dafür den Branchenpreis “Echo” bekam, spielen Tele gerade den Nachfolger ihres Majordebüts “Wovon sollen wir leben” ein. Im Juni werden die neuen Songs dann bei einer außergewöhnlichen Konzertreise zu hören sein: Eingeladen vom Goethe-Institut geht Tele auf Afrika-Tournee. Unser Autor Peter Disch hat sich mit Tele-Schlagzeuger Stefan Wittich (Foto: 2.v.l.) in Berlin getroffen.



Südafrika, Mosambik, Namibia, Simbabwe, Tansania, Madagaskar - das sind nicht die Länder, in denen der geschmeidige deutschsprachige Pop von Tele üblicherweise zu hören ist. Die Fußball-WM und der Kulturauftrag des Goethe-Instituts machen es möglich. Das Gastgeberland der aktuellen Weltkickerspiele präsentiert sich dem Kontinent, der mit Südafrika den Ausrichter der WM 2010 stellt.


Es soll Events mit Live-Übertragungen auf Großbildleinwänden und Konzerten von uns geben, teilweise auch mit afrikanischen Bands”, sagt Teles Schlagzeuger Stefan Wittich. “Auch wenn die Leute hauptsächlich wegen der Fußballspiele kommen, kann das trotzdem eine große Party werden.”

Das Goethe-Institut schickte bereits in der Vergangenheit Berliner Musiker wie Maximilian Hecker und Barbara Morgenstern auf Konzertreisen um die halbe Welt. “Die beobachten schon genau, was sich in der deutschen Popszene tut”, erklärt Wittich, wie Tele die Einladung bekam.

Schon vergangenen Mai trat die Band neben Mia in Warschau bei der Eröffnung des Deutsch-Polnischen Jahres auf. Gerne hätte das Goethe-Institut Tele auch nach Russland geschickt. Stattdessen klappt es nun mit dem großen Abenteuer Afrika. “Außer unserem Bassisten war dort noch keiner von uns”, sagt Wittich. Gage gibt es auch noch - und zu den Achtelfinalspielen ist der Fußballfan wieder zurück in Deutschland. “Ich will schon ein bisschen von der WM in Berlin mitbekommen, wo alle schon ein wenig im Fußballfieber sind.

Bis dahin wartet auf Tele aber noch ein Menge Studioarbeit mit Wunschkandidat Patrik Majer. “Als es darum ging, mit wem wir die Platte machen, war klar, dass er unsere erste Anlaufstelle ist. Unsere Plattenfirma Universal hat aber auch andere große Namen ins Spiel gebracht.” Band und Produzent sind befreundet, seit Majer Tele live gesehen hat.

“Er fand uns gleich gut, ein T-Shirt gekauft, sich in die Mailingliste eingetragen und gesagt, wenn wir irgendwann mal Lust hätten, etwas mit ihm zu machen, sollen wir einfach vorbei kommen.” Ein Angebot zur rechten Zeit. Damals hatte die Band gerade “Wovon sollen wir leben” fertig, aber noch nicht gemischt. “Patrik hat das dann gemacht. Dass er unser neues Album produziert, war da nur der nächste, logische Schritt.”

Der vor allem mit harter Arbeit und gehörigem Druck verbunden ist. “Man stellt sich das immer so romantisch vor: Eine Band nimmt eine Platte auf. Früher sind wir ins Cafe gegangen oder haben die Sachen beiseite gelegt, wenn die Ideen nicht so geflossen sind. Jetzt bleiben wir im Studio, bis es wieder läuft.” Das heißt: 15-Stunden-Tage und eine Sechstagewoche.

Aus den Halbprofis mit Studentenausweis oder McJob sind Vollzeitmusiker geworden, die von ihrem Produzenten ordentlich gefordert werden. “Patrik ist es gewohnt, dass es schnell geht, die Musik tight ist und man schnell reagieren kann. Aber er ist auch keiner der sagt: "Wenn der Stefan seinen Part in fünf Takes nicht hinbekommt, holen wir einen anderen Schlagzeuger.’” 30 Songs hat die Band mit ins Studio gebracht. 20 davon gefielen Majer so gut, dass er sie trotz knapp bemessener Zeit alle ausarbeiten und aufnehmen will. Wie das klingt wird? “Patrik will mehr auf den Punkt "wirklich nur das spielen, was man auch meint, dafür aber mit mehr Intensität.” Bis das Album auf den Markt kommt, kann es allerdings noch ein wenig dauern. Ursprünglich für den August vorgesehen, ist derzeit eine Veröffentlichung im Frühjahr 2007 wahrscheinlicher.

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