Kaffee, Kuchen, Saalschutz

Carolin Buchheim

Saalschutz sind zweifelsohne der sympathischste und wumm-wumm-igste Musik-Export unseres so friedliebenden, südlichen Nachbarlands. Morgen Nachmittag um 17:00 sind die Electro-Rabauk-Herren aus Zürich zu Gast bei der adventlichen 'Teeniedisco am Nachmittag mit Kaffee, Kuchen und Saalschutz' in der KTS. MT Dancefloor und Flumroc haben fudder-Autorin Caro im Voraus schon mal die Sache mit dem Zwingli-Soul erklärt. Hingehen!



Wie würdet ihr den Sound von Saalschutz einer tauben Person beschreiben?

MT Dancefloor: Uh, das ist schwierig, ich glaube das spürt man auch in den Eingeweiden, so mit Druck. Wäre das eine taube Person, die noch nie was gehört hat?



Ja.

MT Dancefloor: Hmm. Saalschutz, das ist so, wie wenn man mit einer Champagnerflasche auf den Kopf gehauen wird.

Flumroc: Das ist lustig, dass Du das fragst, denn was wir uns früher immer vorgestellt haben ist, dass es doch mal lustig wäre, uns das Publikum von hinter einer schalldichten Scheibe aus anzugucken, wenn die alle so rumhampeln und man gar nichts hört. Das wäre sicher schön anzugucken. Saalschutz wäre auch für eine taube Person toll anzugucken, das wär sicher schön absurd.

Erzählt doch mal was zu Eurem neuen Album "Saalschutz macht's möglich!" Was ist das Besondere daran?

Flumroc: Es war eine ähnliche Zangengeburt wie das erste Album und wir sind ziemlich gespannt, wie das Ganze jetzt live wird, denn die Hälfte davon haben wir noch nie wirklich live gespielt.

MT Dancefloor: Zwischen dem alten und dem neuen Album gibt es auf jeden Fall eine Differenz. Das neue klingt amtlicher, irgendwie.



Amtlicher?

MT Dancefloor: Ja, amtlicher. Es ist einfach viel passiert und wir haben und wegbewegt von diesen Achtziger-Jahre Einflüssen, Die sind natürlich noch mit drin, auch vom Sound, weil die Instrumente einfach so klingen, aber die Harmonien sind anders. Wir haben andere Zutaten geklaut.Grundsätzlich klingt aber alles immer noch sehr trocken, wir benutzen halt auch fast nie Hall oder so.

Gibt's einen speziellen Grund für die Abkehr von den Achtzigern?

MT Dancefloor: Wir wollten uns halt weiter entwickeln. (lacht) Ich mein', das wird auch sonst ein bisschen langweilig für einen, wenn man immer nur das Gleiche macht und immer nur Oktavbässe hört. Ich find' Oktavbässe ganz okay, aber auf diesem Album ist kein einziger Song mit Oktavbässen drauf. Das war auch wichtig, dass wir uns von all dem Kram mal emanzipieren, denn auf dem ersten Album war das schon ziemlich krass. (lacht) Was aber auch daran lag, dass wir damals nichts anderes spielen konnten.

Und jetzt könnt ihr mehr?

MT Dancefloor: Klar, wir sind an unseren Instrumenten gewachsen. Wir sind ja eigentlich Gitarrist und Bassist, und haben uns das Zeug einfach so gekauft und ausgeliehen und angefangen Keyboard zu spielen, und damals konnten wir es halt noch nicht, und jetzt können wir es ein bisschen besser, vor allem live.

Wie seid ihr überhaupt dazu gekommen, als Gitarrist und Bassist eine Band wie Saalschutz zu gründen?

Flumroc: Als wir vor fünf Jahren angefangen haben, da war uns Beiden sehr langweilig. Ich wollte gerade die Uni abbrechen, und MT Dancefloor war auch in einer nicht so tollen Situation und da haben wir uns die Instrumente gekauft, sind zusammen in die Berge gefahren und haben angefangen. Das Konzept damals war das Konzept der Überforderung: Wir haben uns Instrumente gekauft, die wir nicht spielen konnten, und wollten mal gucken, was dabei raus kommt. Wir wollten uns wie bei so einem Spiel zugucken, was passiert; uns selbst beobachten. Wir wollten eine Popband gründen, obwohl wir Nichts konnten.

MT Dancefloor: Ich mag auch das 'Home-Recording' an unserer Musik, dass wir Musik machen, mit Sachen, die man sowieso hat. Wie zum Beispiel einen Computer. Als ich noch Gitarre gespielt hab', so mit 18 und so, da war die Idee, möglichst viele teure Geräte zu kaufen bis man Musik machen kann. Das ist heute nicht mehr so. Heute kaufen wir stattdessen möglichst billige Geräte, das ist toll! Klar kann man auch mal mehr ausgeben, damit es sich dann noch geiler anhört, aber die Grundidee ist halt eine andere.

Auf der neuen Platte sind sehr viele Kooperationen mit vielen spannenden Leuten, wie Plemo, Räuberhöhle und Knarf Rellöm. Wie kommt das?

Flumroc: Grundsätzlich macht das einfach erstmal wirklich viel Spass, dass sind ja alles sehr nette Leute. Wir haben viele Leute in fremden Städten kennen gelernt, und wenn wir jetzt zum Beispiel in Hamburg sind, dann können wir jetzt bei jemandem pennen. Das ist gut.

MT Dancefloor: Die meisten unserer Kollaborationen haben sich durchs Live-Spielen ergeben, man hat sich einfach bei Konzerten kennen gelernt, aber ich hab manche von unseren Kooperationspartner auch im Internet kennen gelernt. Eine Plattform, die ich mag ist Micromusic, eine andere ist Soulseek, da hab ich zum Beispiel Plemo kennen gelernt, der jetzt unsere Platte produziert hat. Da sind wir uns gegenseitig auf die Nerven gegangen. (lacht)



Das gehört auch irgendwo dazu, oder?

MT Dancefloor: Ja, das gehört schon dazu, klar, aber Flumroc und ich, wir streiten uns sehr selten, das ist krass. Wir streiten uns über so Dinge wie 'Wie weit soll der Filter geöffnet sein beim Bass'. Sonst gar nicht. (lacht) Wir haben uns ein einziges Mal bei einem Konzert gestritten, und da kam nachher einer aus dem Publikum und meinte, dass sei das Beste an dem Konzert gewesen. Ich hab' ganz schlimme Erlebnisse gehabt mit Bands, in denen ich gespielt hab, mit Starallüren. Da sind Leute richtig durchgedreht, die wollten dann im Hotel pennen, bei 'nem Pfadfinderfestival, total süß. Die wollten dann auch kein Risotto essen, sondern richtiges Catering. Davon hatte ich die Schnauze voll, ich wollte einen bescheidenen Mitmusiker, und es ist mir gelungen, genau so einen zu kriegen.

Also ist Flumroc keine Diva?

MT Dancefloor: (lacht) Flumroc ist eher so ein Zen-Buddhist. Sehr duldsam, und er braucht nicht viel, nur eine Stulle.

Viele Eurer Kollaborationen sind ja mit deutschen Bands, und ihr habt mit Audiolith ein deutsches Label. Würdet ihr sagen, ihr seid eine Schweizer Band? Oder eine Zürcher Band?

MT Dancefloor: Unsere erste Platte kam auf einem Schweizer Label raus, und klar ist man irgendwie von seinem Umfeld geprägt, aber ich mochte dieses 'repräsentieren der Stadt in der Mann lebt' nie, ich fand das immer albern. Wir haben das jetzt aber drin, weil Knarf Rellöm irgendwann mal meinte 'Doch, ich fände das super, ihr solltet viel mehr 'Zürich' sagen!' und dann haben wir das halt in einem Song, gemacht. Aber ich bin ohnehin aus 'nem Vorort. Flumroc hat den schönen Begriff 'Zwingli Soul' geprägt, und ich finde das passt ganz gut zu uns. Vielleicht machen wir immer so ein bisschen so verkrampfte Partymucke, die immer so ein bisschen so ein bisschen kleinkariert daherkommt. Untanzbare Tanzmusik. Ja, ich finde wir machen Zwingli Soul.

Eure Musik ist ja eher Live-Musik als Auf-CD-Anhör-Musik. Angenommen, jemand hört die Platte Zuhause. Was hättet ihr gern, das die Leute zu Eurer Musik tun?

MT Dancefloor: Liebe! (lacht) Das wär aber dann eher so hektisch. Oder vielleicht Leute einladen, zum Grillen oder so, zum Amüsieren. Ich finde unsere Songs sind Diskussionsbeiträge, das passt dann gut zum Mit-Leuten-Rumhängen. Und zum Autofahren auf Deutschen Autobahnen ist sie gut. Mit Bleifuß.

Flumroc: Ich selbst hör' Zuhause ja nie Musik, nur im Auto, und ich find', da passt unsere Musik gut hin. Ich bin froh, dass MT Dancefloor das schon gesagt hat. Ansonsten würde es die Herzen von mir und MT Dancefloor, die wir beide ja eher tanzfaule Menschen sind, freuen, wenn Leute dazu Tanzen würden.

Ihr tretet hier in Freiburg in der KTS im Rahmen eines Adventsnachmittags 'Teeniedisco am Nachmittag mit Kaffee, Kuchen und Saalschutz' auf, und am Tag vor Heiligabend spielt ihr in Nürnberg beim Fest der Liebe der Robocop Kraus. Mögt ihr eigentlich Weihnachten und den ganzen Trubel?

Flumroc: Mir geht das so ein bisschen am Arsch vorbei, ich verpass' das immer, ich bin sehr selten unterwegs und ausserhalb von meinem Haus, und drum' krieg ich das gar nicht so mit, wenn Weihnachten oder so Dinger stattfinden. Wenn ich das merke, dann ist das schon wieder vorbei! (lacht)In Nürnberg, bei Fest der Liebe, haben wir halt die Möglichkeit, mit den Robos zusammen zu spielen, und letztes Jahr waren wir schon da, und das war ganz nett. Und dass das in der KTS so ein Nachmittag ist, das wusste ich noch gar nicht. Aber die Idee ist großartig. Ich freu mich!
 

 

Mehr dazu:

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Frankreich muss bis Polen reichen: MySpace

Was: Teeniedisco mit Kaffee, Kuchen, Saalschutz & Frankreich muss bis Polen reichen (Info)
Wann: Sonntag, 10. Dezember 2006, 17:00 Uhr
Wo: KTS