k.d.lang: Östrogenschwangeres Brodeln im Zirkuszelt

Anselm Müller & Carolin Buchheim

Eine Sängerin, die barfuß ihr Konzert bestritt, Liebesbriefchen aus dem Publikum, laszives Hüftschwingen und eine riesengroße Stimme waren die Zutaten des k.d.lang Konzerts gestern Abend im nur halb aber größtenteils mit Frauen gefüllten Zirkuszelt. Warum Anselm trotz Besitz eines Y-Chromosoms auf seine Kosten kam, lest ihr hier.



Ein wenig tänzelnd betritt am Sonntagabend k.d.lang die Bühne des Zirkuszelts. Ein verschmitztes Lächeln umspielt ihr Gesicht und schon bei den ersten Liedern bekommt das Publikum die Freude zu spüren, mit der die fünfköpfige Band das Konzert bestreiten wird. Besonders auffallend ist das ausgelassene Spiel von Gitarrist Grecco Buratto und das Dauergrinsen von Pianist Daniel Clarke: Alle haben ganz offensichtlich ihren Spaß.

Bei Rockkonzerten fliegen des öfteren BHs und Slips den männlichen Künstlern entgegen; bei der offen lesbischen k.d.lang wären dies zwar auch die richtigen Accessoires, doch seine Unterwäsche behielt das Freiburger Publikum für sich. Stattdessen wird der erste Liebesbrief schon vor dem Konzert am Mikro platziert, und der zweite während des Gigs überreicht.

"Shall i read it out loud?", fragt k.d.lang die Zetteldame, die daraufhin den Kopf schüttelt und auf ihren Klappstuhl zurückhuscht. Und so bleibt der Inhalt der Zettel ein Geheimnis des Abends, obwohl die Verfasserin noch während des Konzertes in die Stille zwischen zwei Songs der Sängerin "Say yes!" zuruft.

Überhaupt durchziehen lasziven Spielchen zwischen Sängerin und ihrem Fangirl-Publikum den Abend. "This next song" – Kunstpause – "is moist" – Kunstpause – "and lush" – Seufzen – "and I want to dive right into it" kündigt  k.d.lang "Tears of Love's Recall" von ihrem ersten Pop-Album "Ingénue" an, ihre Fans kreischen erwartungsvoll, und das nur halbgefüllte Zelt fühlt sich gleich viel weniger leer an.

Die erotische Aufladung der Stimmung gipfelt in "Smoke Rings", einem Song des Konzeptalbums "Smoke": die gehauchten "Puff, Puffs" und "Blow, Blows" und der verspielte Hüftschwung k.d.langs animieren die Zuschauerinnen zu ausgelassenen Quietschern. k.d.lang, das wird bei diesen Spielereien klar, ist nicht nur eine ausgezeichnete Sängerin, sondern eine verdammt gute Entertainerin.



Doch natürlich sind diese Spielereien letztendlich nur Nebensache: Im Mittelpunkt des Abends stehen k.d.langs Stimme und die Intensität ihrer Musik. Die erste Hälfte des Sets besteht fast ausschließlich aus Songs ihres aktuellen Albumst "Watershed", dann wendet sich lang den Songs ihres ersten Pop-Albums "Ingénue" zu, bevor sie sich den Tracks von "Hymns of the 49th Parallel" widmet, ihrem Cover-Album von 2004, auf dem die Sängerin Songs kanadischer Songwriter neu interpretierte. Von diesem Album stammt auch das absolute Highlight des Konzerts: langs Interpretation von Leonard Cohens "Hallelujah".

Es ist einer der am häufigsten gecoverten Songs der Welt, und doch scheint er wie allein für lang geschrieben. In diesem Stück kristallisiert sich alles aus, was die Sängerin k.d.lang ausmacht: ein äußerst profundes Gespür für Stimme und Timing, eine Altstimme, die mehrere Oktaven umfasst und Töne auch gerne mal zehn Sekunden halten kann. Auch die Wechsel zwischen den langsamen, komplett auf die Stimme fokussierten Passagen des Songs, in denen die Sängerin nur vom Piano begleitet wird, und den zum Ende hin rockigeren Stellen, schafft die Kanadierin spielend.



Kaum ist der letzte Song vorbei, gibt es Standing Ovations. Zwei Zugaben folgen, darunter das herrlich ausgelassen und ohne Angst vor Lächerlichkeit mit genau dem richtigen Hauch Selbstironie getanzte "Big Boned Girls".

Und dann ist der Gig vorbei, die Fangirls eilen auf der Suche nach Autogrammen zur Bühne und ich frage mich: Wann werde ich wieder einmal so eine ausdrucksstarke Sängerin auf dem ZMF hören?

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Foto-Galerie: Carolin Buchheim

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