Jurastudierende bieten kostenlose Rechtsberatung an

Nicole Schneider

Schon wieder Probleme mit dem Vermieter? Jura-Studierende bieten mit "Pro Bono" eine kostenlose Rechtsberatung für Studierenden an. Wie die funktioniert:



Stell dir vor: Dein Vermieter hat eine neue Tür in deiner WG eingebaut. Wegen der Schönheitsreparatur verlangt er mehr Miete. Du kannst das aus deinem mageren Studierendenbudget aber nicht aufbringen. Außerdem: Hat er überhaupt das Recht dazu? Kannst du nicht darauf bestehen, die gleiche Miete wie vorher zu zahlen? Immerhin wolltest du die Tür gar nicht. Auf der anderen Seite: Einen Anwalt kannst du dir auch nicht leisten. Was nun?


Vielleicht gibt es da eine Lösung für dein Problem: Jurastudierende bieten jetzt eine kostenlose Beratung in Rechtsfragen an, bei einem Streitwert von bis zu 750 Euro. Im Sommersemester hat der Verein Pro Bono – Studentische Rechtsberatung Freiburg eine Testphase gestartet. Die Beratungen beschränken sich auf die Bereiche Mietrecht, Verbraucherschutzrecht, Internetrecht und Existenzgründung. Das Angebot richtet sich noch ausschließlich an Studierende, ab dem kommenden Jahr soll aber jeder die Möglichkeit bekommen, Rat bei dem Verein zu suchen.

"Unsere Freunde fragen uns als Jurastudenten ständig, was sie tun können, wenn sie Probleme mit ihren Vermietern haben. Da haben wir gemerkt, dass Bedarf von anderen Studierenden besteht, einfache Rechtsfragen professionell beantwortet zu bekommen!", sagt Patrick Rode. Alltägliche Probleme behandele man im theorielastigen Jurastudium nur selten. "Die Praxis kann da sehr spannend sein und einen motivieren, im Studium wieder mehr Gas zu geben." Patrick Rode (24) und Patrick Flamm (23) sind im siebten Semester. Außerdem sind sie im Vorstand von Pro Bono. Sieben Studierende haben den Verein im März gegründet, mit der Hilfe von Professor Paal, Studiendekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Freiburg.

Seit Juni sind über die Website des Vereins 25 Fälle eingegangen. Der Vorstand bespricht, welche davon bearbeitet werden können. Bisher waren das zwölf Stück. Ein Fall wird dann anschließend intern ausgeschrieben und die Vereinsmitglieder bilden ein drei bis fünfköpfiges Team aus erfahrenen und neueren Mitgliedern ab dem vierten Semester. Beim ersten Treffen mit dem Mandanten wird der Sachverhalt geklärt. Nach der Bearbeitung im Team, präsentiert es ihm schließlich das Ergebnis. "Wir erstellen ein Rechtsgutachten für den Mandanten. Er kann dann selbst entscheiden, wie er weiter vorgeht", sagt Rode. Vor Gericht vertreten können sie ihren Mandanten nicht – das dürfen nur echte Anwälte.

"Wir versuchen von vornherein Hürden einzubauen, damit uns keine Fehler passieren können: Der Vorstand wählt keine zu komplexen Fälle aus, in den Teams arbeiten immer mehrere Studenten zusammen und es steht stets ein Anwalt im Hintergrund, der über den Sachverhalt Bescheid weiß", sagt Flamm. Man könne bei einer kostenlosen Studentischen Rechtsberatung nicht die gleiche Präzision erwarten, wie von einem Anwalt. "Das heißt aber nicht, dass wir uns keine Mühe geben", ergänzt Rode.

An der Universität Freiburg bietet Paal mit Freiburg Legal Clinics zusätzlich eine einjährige Ausbildung an, die mit einem Zertifikat abschließt. Paal und sein Team bereiten die Jurastudierenden mit Vorlesungen, Workshops oder Vorträgen auf ihre Arbeit bei Pro Bono vor. Sie lernen dort allgemeine Fähigkeiten wie Gesprächsführung und Kommunikation und absolvieren spezielle Fachkliniken, die sich auf Bereiche wie Gesellschaftsrecht beziehen. "Diese Ausbildung ist nicht Pflicht, um bei uns mitzumachen. Aber wir empfehlen natürlich allen, die bei uns mitmachen wollen, die Ausbildung parallel zu machen. Dann bekommen sie gleich alles mit, was man so für die Rechtsberatung braucht", sagt Flamm.

Natürlich ist das Ehrenamt eine zusätzliche Belastung neben dem Jurastudium. "Aber man kriegt das schon hin. Das liegt alles am Zeitmanagement", sagt Flamm. Bei einem Fall sind die Studierenden ungefähr zwei Stunden mit der Recherche beschäftigt, zwei bis drei weitere Stunden dauern die Gespräche mit dem Mandanten. Die beiden Jurastudenten Flamm und Rode hoffen jetzt nach der Anlaufphase, dass Pro Bono weiterläuft. "Bei uns geht es im nächsten Jahr zum Examen, dann haben wir weniger Zeit. Wenn wir das Projekt abgeben, hoffen wir, dass es fortgeführt wird", sagt Flamm.

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[Fotos: Marius Buhl]