Wahl

Julien Bender bleibt Vorsitzender der Freiburger SPD

Anita Rüffer

Julien Bender bleibt für weitere vier Jahre Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes. Bei der Hauptversammlung am Samstag in der Gewerbeakademie gaben ihm 97 von 146 (bei fünf Enthaltungen) Mitglieder ihre Stimme.

Seinen Mitbewerber Uwe Stöhr, Vorstandsmitglied im Ortsverein Stühlinger, wollten 44 Mitglieder an der Spitze des Kreisverbandes sehen. Damit wiederholte sich ein Szenario von vor vier Jahren: dieselben Bewerber, derselbe Sieger.


"Ich kämpfe nicht nur für Prozente, sondern für meine Überzeugungen", hatte der 32-jährige Bender für sich geworben. Er präsentierte sich als einer, der sich von Niederlagen nicht kleinkriegen lässt und auf das Wir-Gefühl seiner Traditionspartei baut. "Dranbleiben, weiterkämpfen!", lautete seine Devise.

Gegenkandidat Uwe Stöhr ist das nicht offensiv genug. Sie habe sich "nicht getraut, den Leuten auf die Füße zu treten", warf der 40-Jährige der Freiburger SPD vor. Er vermisst griffige Formulierungen wie "Mietsenkungsspiegel" und klare Positionen ("die Regiokarte nicht zonieren"), mit denen die Partei Inhalte und Erfolge nach außen transportieren müsse.

Das Auseinanderklaffen von Innen- und Außensicht, politisch Erreichtem und mieser öffentlicher Wahrnehmung, Mitgliederzuwächsen und Wählerabwanderungen: Was die Partei bundesweit umtreibt, spiegelt sich auch im Freiburger Kreisverband. Volles Haus bei der Hauptversammlung, mehr Bewerber als Sitze im Kreisvorstand und auffallend viele junge Gesichter: Um zehn Prozent auf mehr als 1000 hat sich die Mitgliederzahl erhöht. Was zur Freude von Kassierer Olof Beyer für volle Kassen sorgt: Die Roten in Freiburg schreiben schwarze Zahlen.

Als "quicklebendig" erlebt sich die Freiburger SPD-Familie. "Wir haben es nicht nötig, uns wegzuducken", fand der bisherige Schriftführer Claus-Georg Nolte. Viel Lob und Beifall gab es für den "starken Wahlkampf", den Julien Bender als Direktkandidat für die Bundestagswahl geführt hat, und für sein respektables Ergebnis.

Zu viel "Selbstbespiegelung?", wie die Landtagsabgeordnete Gabi Rolland anmerkte. Jürgen Kiessling, bisheriger ehrenamtlicher Geschäftsführer, vermisst die "Transmissionsriemen" in gesellschaftliche Gruppierungen wie die Künstlerszene oder die Arbeitnehmerschaft. Unternehmer Klemens Beck vom Arbeitskreis Wirtschaft warnte vor einem "Tsunami": Globalisierung und Digitalisierung "bringen klassische Arbeitsplätze zum Verschwinden. Wir müssen die Sozialsysteme umorganisieren".

Für einen Paukenschlag sorgte zu Beginn der Sitzung ein Antrag von Jürgen Siekmann, unterstützt durch Jura-Professor Martin Hochhuth: Hauptamtliche Mitarbeiter von Abgeordneten und der Gemeinderatsfraktion sollten um der vermeintlichen "Transparenz" willen nicht Mitglied im Kreisvorstand sein dürfen. Das wurde von vielen als Misstrauensäußerung empfunden. Bender etwa hatte lange im Abgeordnetenbüro von Gernot Erler gearbeitet. Der Antrag traf auf überwältigende Ablehnung.

Joachim Fritz als Geschäftsführer der Gemeinderatsfraktion wurde später mit großer Mehrheit zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt. Martin Hochhuth verlor seinen Posten als Beisitzer im Kreisvorstand.

SPD-Kreisvorstand

Vorsitzender: Julien Bender; Stellvertreter: Gabriele Köhler, Joachim Fritz; Kassierer: Markus Schupp; Schriftführer: Ludwig Striet; Beisitzer: Renate Buchen, Sven Fahr, Ismael Hares, Marion Jegal, Dejan Mihajlovic, Ralf Müller, Urszula Piechota, Hanna Rosahl-Theunissen, Viviane Sigg, Julia Söhne, Malte von Bargen; ehrenamtlicher Parteigeschäftsführer: Daniel Becker  

Autor: arü