Joss Stone auf dem ZMF: Soul vom Feinsten

Anne-Julie Maurer & Carolina Wendel

Selbstbewußt und stimmlich auf Topniveau präsentierte sich Joss Stone gestern auf dem ZMF. Mit ihrer 10-köpfigen Band rockte sie das proppenvolle Zirkuszelt. Das bunt gemischte Publikum hielt sich bei neuen Liedern zwar etwas zurück, belohnte bekannte Hits aber mit lautem Applaus, Klatschen und Stampfen. Alles in allem ein Konzert, das man nicht verpasst haben sollte.



Dass die Zuschauer Joss Stone ungeduldig erwarteten, merkte man schon in den Minuten vor Beginn des Konzerts. Da bekam der Mitarbeiter, der eine Teekanne für Joss auf die Bühne brachte, genauso frenetischen Applaus wie der Ansager, der auf weitere Veranstaltungen hinwies. Ganz in weiß, mit Peacezeichen-Halskette und natürlich barfuß kam sie schließlich auf die Bühne und hatte das Publikum von der ersten Sekunde an in ihrem Bann. Direkt beim ersten Lied „Super Duper“ wurde kräftig mitgesungen.

Neben einigen altbekannten Hits stellte Joss Stone auch fünf Songs ihrer neuen CD vor, die allesamt tanzbarer und eher funky klingen als das, was man von ihr gewohnt ist. Hier zeigt sich eine deutliche Weiterentwicklung ihrer Musik. Auch ihr selbst merkt man die Erfahrung an: sie flirtete mit dem Publikum, tanzte, machte Scherze und schaffte es immer wieder, die Zuschauer zum Mitsingen zu bewegen. Man sah ihr den Spaß am Singen an und glaubt ihr sofort, wenn sie sagt, dass sie deshalb Soul macht, weil es aus der Seele kommt. Die kurzen Momente, in denen sie nervös lachte, weil sie durch den begeisterten Beifall des Publikums ein Lied nicht gleich anstimmen konnte, waren die einzigen, in denen man ihr ihre 22 Jahre anmerkte.

Stimmlich war Joss Stone auf absolutem Topniveau, was sie nicht nur bei einer A capella-Einlage bewies. Sie bewegte sich mühelos über mehrere Oktaven und man konnte immer wieder nur fassungslos staunen, wie viel Power aus der recht zierlichen Frau kam. Highlights waren definitiv „Music“, ein Gänsehautsong über ihre Liebe zur Musik, und „Free me“, das sie augenzwinkernd ihrem Plattenlabel widmet.

Besonderer Applaus galt auch der Band, allen voran dem Saxofonisten, der sich mehrmals durch hervorragende Soli auszeichnete, sowie dem Backgroundsänger, der sich bei so manchem schnellen Song zu ausgefallenen Tanzeinlagen hinreißen lies. Auch als jeder der drei Backgroundsänger ein kurzes Solo sang, wurde heftig applaudiert. Ohne Frage begleitete Joss Stone eine Truppe großartiger Musiker.

Als sie schließlich „You had me“ anstimmte, „a song about a bastard“, sprang der Funke endgültig über und auch die Männer der ersten drei Reihen, die bisher eher durch stoisches Nichtbewegen aufgefallen waren, entbrannten in fanatisches Headbangen. Die Stimmung im Zirkuszelt kochte so sehr, dass Joss Stone bei der Zugabe die letzten Zeilen „just leave me alone“ nicht zuende singen konnte, weil die Zuschauer immer wieder ein entschiedenes „nooo“ dazwischen riefen. Dass niemand sie gehen lassen wollte, zeigte sich durch minutenlanges Applaudieren und Stampfen, das den Boden zum Beben brachte.

Der einzige Wermutstropfen blieb die Länge, oder eher Kürze, des Konzerts. Nach knapp 80 Minuten Spielzeit gab es zwei Zugaben, darunter eine Coverversion des Bob-Marley-Hits „No Woman No Cry“, bei der Joss Blumen ins Publikum warf. Dann wurde jedoch abrupt das Licht angeschaltet, was nicht wenige Besucher etwas unbefriedigt zurückließ. Trotzdem hat Joss Stone eine beachtliche Show abgeliefert, die große Lust auf ihr neues Album macht.

Und, wie war’s?

Aline, 16 & Laura, 16

"Das Konzert war super, Hammer! Wir sind extra aus der Schweiz gekommen. Die Stimmung war toll, und die Band, besonders der Saxofonist, hat uns gut gefallen. Wir standen ganz vorne und haben mitgetanzt und mitgesungen. Es war wie ein Traum, der wahr geworden ist. Leider war es aber viel zu kurz."

Henning, 22 & Nino, 22

"Joss Stones Art war toll und sie sah sehr gut aus. Sie hat echt gerockt. Es war eine coole Stimmung und die Backgroundsängerinnen waren auch ganz attraktiv. Es hat Spaß gemacht. Am besten hat uns die Zugabe „Right to be wrong“ gefallen."

Sven, 42 & Martina, 43

Sven: "Live ist Joss Stone richtig gut! Ich fand eines der neuen Lieder am besten, „Free Me“. Das Konzert hatte zwar eine angemessene Länge, aber gefühlt war es zu kurz. Als das Licht nach den zwei Zugaben so plötzlich anging, war das doch ein recht abruptes Ende." Martina: "Klasse war’s. Die Band und die Backgroundsänger waren spitze, die könnten auch alle solo auftreten. Am besten fand ich „Music“. Ich freue mich schon auf das neue Album, das hoffentlich bald kommt."

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Foto-Galerie: Carolina Wendel

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