Leute und Liten

Johannes Gröger, Freie Wähler: "Seriös und besonnen bleiben"

Simone Lutz

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Johannes Gröger, Spitzenkandidat der Freie Wähler.

BZ: Herr Gröger, Sie sind Rechtsanwalt. Hilft Ihnen Ihr Beruf, im Gemeinderat das große Ganze im Blick zu behalten?
Gröger: Mein Beruf ist sicherlich hilfreich. Kommunalpolitik ist mindestens so facettenreich wie die Menschen mit ihren Problemen, die bei mir Rat suchen. Schnelle Auffassungsgabe und ein gewisses Redetalent schaden ebenfalls nicht.

"Bezahlbarer Wohnraum, Kita-Gebühren und ÖPNV einerseits und ein lebendiger Einzelhandel und Innovationsförderung andererseits müssen sich ergänzen."

BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Gröger: Die Freien Wähler stehen für eine verständliche und sozial ausgewogene Politik. Bezahlbarer Wohnraum, Kita-Gebühren und ÖPNV einerseits und ein lebendiger Einzelhandel und Innovationsförderung andererseits müssen sich ergänzen.

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Gröger: Mein völlig unrealistischer Wunsch: Bei den politischen Entscheidungen, aber auch dem politischen Protest der Interessensvertreter aus dem eigenen Vorgarten raus und den Blick auf die Gesamtstadt richten.

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Gröger: Dietenbach wird erst zirka 2040 endgültig bebaut sein. Vor zehn Jahren sollte Freiburg noch schrumpfen. Also seriös und besonnen bleiben und die zukünftige Entwicklung abwarten.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Gröger: Die Freien Wähler haben soeben beantragt, die rechtlichen Rahmenbedingungen für ein verbindliches Neuverschuldungsverbot ab dem Jahr 2023 zu prüfen. Es muss aber auch das Tempo bei Investitionen gedrosselt werden.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Gröger: Neben der langen Tafel durch die Innenstadt wünsche ich mir ein Wochenende, an dem alles, was in Freiburg Musik macht, diese den Menschen auf den Straßen und Plätzen schenkt.

" Die Bürger müssen wissen, woran sie sind. Bürgerbeteiligung darf keine Alibiveranstaltung sein, sondern muss konkret Einfluss auf Entscheidungen haben."

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst...
Gröger:... in der aktuellen Ausgestaltung ineffizient. Nach Aufstockung und Nachteinsatz des KOD ist dann endlich eine alte Forderung der Freien Wähler umgesetzt. Freiburg darf sich nicht selbst überlassen bleiben.

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Gröger: Die eigene Position klarer formulieren und vertreten statt rumzulavieren. Die Bürger müssen wissen, woran sie sind. Bürgerbeteiligung darf keine Alibiveranstaltung sein, sondern muss konkret Einfluss auf Entscheidungen haben.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Gröger: Wir machen diese am jeweiligen Thema fest. Beim Thema Sozialticket oder den Kita-Gebühren gern mit eher links, bei Finanzen, Sicherheit und Ordnung dann eher im bürgerlichen Lager.

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war top, welcher war der größte Flop?
Gröger: Top war die Einführung des Sozialtickets und des KOD. Ein Flop war die kostspielige Straßenumbenennung, statt Schilder anzubringen, damit unsere Geschichte "sichtbar und erlebbar" bleibt.
Johannes Gröger, 63, ist Rechtsanwalt und sitzt seit 2009 im Gemeinderat. Der Vater von zwei Kindern engagiert sich ehrenamtlich unter anderem bei der Macromedia Hochschule.

Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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