Freiburger Clubkultur

Jan Ehret oder das Artik: Wer übernimmt Schmitz Katze?

Daniel Laufer & Joachim Röderer

Zieht das Jugendkulturprojekt Artik in "Schmitz Katze"? Noch ist offen, wie es mit dem insolventen Club weitergeht. Es gibt mehrere Interessenten, die die Katze weiterbetreiben möchten – darunter auch einer ihrer Gründer.

Kann das heimatlos gewordene Jugendkulturprojekt Artik im Jahr 2017 an die Haslacher Straße umziehen? Es gibt immer noch große Fragezeichen, ob die vom Artik und vom Gemeinderat favorisierte Lösung tatsächlich umgesetzt werden kann. Denn noch ist die Zukunft des insolventen Clubs "Schmitz Katze" offen, der dem Jugendprojekt weichen müsste. Es gibt mehrere ernsthafte Interessenten, die den Club weiterbetreiben möchten. Auch die Eigentümer und Verpächter der Räume haben sich noch nicht entschieden. Sie warten auf das Konzept des Artik (Kommentar).


Wackelt der nächste Artik-Wunschstandort? Nein, sagt Bürgermeisterin Gerda Stuchlik. Sie sieht weiter gute Chancen, dass die Verhandlungen zwischen Artik und den Eigentümern klappen. Bis Jahresende laufe ohnehin noch der Club-Betrieb in "Schmitz Katze", dann könnte verhandelt werden. Das Konzept das Artik sei noch in Arbeit. Den ersten Entwurf hat die Bürgermeisterin zurückgegeben, weil er ihr nicht ausführlich genug war. Erst müsse das Konzept fertig sein, dann könnten die Gespräche geführt werden. In der vergangenen Woche hatte die Bürgermeisterin einen Termin an der Jazz- und Rock-Schule, der Verpächterin von "Schmitz Katze", und dabei den Eindruck gewonnen, dass der Umzug des Artik realistisch sei.
"Fürs Artik wäre das ein sagenhaftes Umfeld. Wir könnten dort wieder lauter sein und die eine oder andere Party schmeißen." Geschäftsführer Konstantin Rethmann
Das Jugendprojekt will nicht nur einen Teil der Fläche des heutigen Clubs an der Haslacher Straße 43 anmieten, sondern auch weitere Räume im benachbarten Areal an der Haslacher Straße 25. Insgesamt wären das auf beiden Grundstücken zehn Räume mit 420 Quadratmetern plus das 180 Quadratmeter große Auditorium in der Haslacher Straße 43, das bedarfsorientiert gemietet und genutzt werden könnte. Das Areal samt Hof gehört dem Kulturpark, der Bar und Auditorium an die Jazz- und Rock-Schule (JRS) verpachtet, die die Räume tagsüber auch für ihren Unterricht nutzt und an "Schmitz Katze" untervermietet. Die Haslacher Straße 25 hat einen anderen Eigentümer. "Fürs Artik wäre das ein sagenhaftes Umfeld. Wir könnten dort wieder lauter sein und die eine oder andere Party schmeißen", sagt Geschäftsführer Konstantin Rethmann.

Jan Ehret: "Beim Artik hat nie was wirklich funktioniert"

Doch das Jugendprojekt muss sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen. Im September hat der Freiburger Nachtmacher Jan Ehret dem Kulturpark und der Jazz- und Rock-Schule ein Konzept vorgestellt. "Die haben sich sehr gefreut. Sie hätten auch Lust mit mir zusammenarbeiten", so Ehret. Der 37-Jährige betrieb einst den Klub Kamikaze in Oberlinden und "Schmitz Katze", bevor er nach Berlin zog. "Jan Ehret ist einer, den wir gut kennen, weil er Schmitz Katze ja mitgegründet hat", sagt Kulturpark-Geschäftsführer Jürgen Lange-von Kulessa. "Insofern wäre ich sehr offen, Gespräche zu führen – allerdings erst zu Jahresbeginn."

Denn erst seit Oktober läuft das Insolvenzverfahren von "Schmitz Katze", noch ist unklar, wie es weitergeht. Alles sei möglich, sagt Insolvenzverwalter Harald E. Manias. "Jan Ehret ist mir nicht unsympathisch, aber ich suche nicht nach Freunden, sondern nach vernünftigen Mietern", sagt Christian Pertschy, Geschäftsführer der Jazz- und Rock-Schule. Es gebe noch andere Interessenten, er spricht von Superprofis. "Da muss man erst mal sehen, wer seinen Hut in den Ring wirft – und mit welchen Argumenten." Egal, wer einzieht – die inhaltliche Ausrichtung wird eine Rolle spielen. "Wir sind das Zentrum für die Kreativwirtschaft in Freiburg und das soll so bleiben", so Lange-von Kulessa.

Kann ein Jugendkulturzentrum Clubkultur bieten?

Clubmacher Ehret glaubt an sein Konzept. "Ich habe mit den Vermietern immer sehr gut zusammengearbeitet. Die Chancen für etwaige Mitbewerber halte ich für sehr gering – wenn nicht das Artik dort reinkommt." Auch Ehret weiß: Die Stadt würde das Artik finanziell unterstützen und böte damit Sicherheit für Kulturpark und JRS: "Für einen Vermieter ist das sicherlich nicht unangenehm", sagt Geschäftsführer Pertschy. Jan Ehret aber glaubt, dass sich die Stadt selbst ins Bein schießen würde, wenn sie "Schmitz Katze" verdrängt – Stichwort Clubsterben.

Ob nicht auch ein Jugendkulturzentrum echte Clubkultur bieten kann? "Unter dem Siegesdenkmal hatte das Artik super Veranstaltungsräume. Aber da hat meines Wissens nie was wirklich funktioniert", sagt Ehret. Geschäftsführer Lange-von Kulessa wiederum sagt, er habe vom Artik bislang kein Konzept gesehen. " Das ist noch ein langer Weg. Im Moment kann ich keine Aktivitäten seitens des Artik erkennen."

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