Invasion der Kultur: Neues Kulturfest in Haslach

Gina Kutkat

Eine Invasion der friedlichen Art gibt es in der ersten Augustwoche in der Haslacher Straße in Freiburg. Künstler, Musiker und Schauspieler aus den anliegenden Kulturstätten laden gemeinsam zum Kulturfest ein. Kopf hinter der ganzen Sache ist der Grafik-Design-Student Michelangelo Mochi, der mit der "Invasion Kulturtage" seine Abschlussarbeit realisiert. Gina hat mit ihm über sein Konzept gesprochen.



Laut Duden handelt es sich bei einer Invasion um einen Einfall, ein Eindringen, einen Angriff oder um eine gewaltsame Inbesitznahme. Die Invasion Kulturtage, die vom ersten bis zum achten August in der Haslacher Straße in Freiburg stattfindet, verfolgt ein eher friedliches Ziel. Künstler, Kunst- , Design- und Musikstudenten, Musiker, Schauspieler, Videokünstler, Straßenkünstler möchten mit ihrer Veranstaltung die Straße erobern und verschönern.


Michelangelo Mochi, 34, Student im 8. Semester an der Freien Hochschule für Grafikdesign (Bild unten rechts), hat für seine Abschlussarbeit dieses mehrtägige Festival auf die Beine gestellt, das die Haslacher Straße durch kulturelle Events aufwerten soll. Tatkräftige Unterstützung bekam er dabei von dem selbstständigen Designer Christian Oppler (im Bild links) von Pepworxdesign.



Die Haslacher Straße genießt unter den Freiburgern kein gutes Ansehen, obwohl dort  - kulturtechnisch gesehen - einiges geht. Ein stiller Brennpunkt für Kultur, Kunst, Musik und neue Medien? Hier befinden sich immerhin der Kulturpark, die Jazz & Rock Schulen, die Vabrik, die SushiCutters, die Freie Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst, das Galli Theater, verschiedene Ateliers und noch einiges mehr.

Woher stammt die Idee für ein Kulturfestival in der Haslacher Straße?

Michelangelo Mochi: Meine Idee für die Abschlussarbeit war es, einen Ort umzugestalten, ihn zu verändern. Ich habe mir die Haslacher Straße ausgesucht, denn dort befinden sich die Freie Hochschule für Grafik Design, die Jazz & Rock Schulen, das Galli Theater, verschiedene Ateliers, eine Töpferei, eine Malschule und viele andere Kulturstätten. Die Straße ist ziemlich abschreckend und heruntergekommen und bei den Freiburger Einwohnern nicht gerade gut angesehen. Um die Haslacher Straße im positiven Sinne zu verändern habe ich mir überlegt, ein Festival zu organisieren.

Was hat es mit dem Begriff Invasion auf sich?

Ich wollte, dass die Leute auf die Straße kommen, diese zusammen mit der Kultur erobern, mit der Absicht, etwas zu verändern. Der Begriff Invasion passte symbolisch sehr gut. Auch mit meiner Werbekampagne unternehme ich eine Invasion, in dem ich Flyer und Plakate schlagartig verteile und platziere. Die Außerirdischen auf den Werbeplakaten unternehmen ebenfalls eine Invasion in Freiburg.

Wo liegen die Schwerpunkte des Festivals?

Der Schwerpunkt vom Festival ist Kultur  - als Oberbegriff. Da gehört natürlich viel dazu. Wir haben ein sehr großes Programm auf die Beine gestellt. So macht zum Beispiel das Galli-Theater die ganze Woche lang Aufführungen, darunter sind sogar zwei Premieren. Mit den Veranstaltungen der Jazz & Rock Schulen und den SushiCutters liegt der Hauptaugenmerk auf der Musik. Kunst spielt ebenfalls eine große Rolle, es wird viele Ausstellungen und Installationen von verschiedenen Künstlern geben. Zudem gibt es eine Auswahl an Videoworkshops.



Das Programm ist sehr umfangreich. Kannst du ein paar Highlights nennen?

  • Am ersten August werden wir für die Freunde der Elektromusik und Videokunst ein tolles Programm bieten, mit dabei sind unter anderen die SushiCutters, Mikhailova und Mr. Tentacles.
  • Am zweiten August kommt Konrad Küchenmeister. Er spiel live mit zwei Loop-Stations und schafft es damit praktisch eine ganze Band zu ersetzen. Er hat beim ZMF nach Deichkind auf der Actionbühne gespielt  und war richtig bombastisch.
  • Dienstag beginnt die Ausstellung indeXplosion +360° von und mit Index, Tom Brane, Druxs und Gunar Mayer, die ich sehr spannend finde. Zu sehen gibt es Malerei und Graffiti.
  • Freitag und Samstag wird die Straße gesperrt und die ganze Zeit werden Bands auf der Wendeplatte spielen.

Wie hat es eine Person geschafft, ein ganzes Festival zu organisieren?

Am Anfang war es sehr schwierig. Die erste Idee hatte ich im April diesen Jahres, konkret wurde es dann im Mai. Alle Leute haben mir gesagt, dass sich mein Plan nicht realisieren lasse. Ich habe trotzdem ein Konzept geschrieben und gestaltet. Jedem Amt in Freiburg und jeder Einrichtung habe ich davon eine Kopie vorbeigebracht. Irgendwann haben sich die Leute zurückgemeldet. Meine Idee war einfach gut. Ohne die Hilfe von Christian Oppler, mit dem ich seit einem Monat eng zusammenarbeite, hätte ich das alles aber nicht geschafft. Mittlerweile arbeiten insgesamt etwa 36 bis 40 Leute in der Organisation des Festivals.

Ist das Festival eine einmalige Sache?

Definitiv nicht. Es gibt schon Pläne für weitere Festivals. Das Kulturamt Freiburg und die Stadt Freiburg sind auf jeden Fall begeistert von der Idee und auch die Einrichtungen in der Haslacher Straße befürworten weitere Festivals. Für die diesjährige Invasion hatte ich nur ein kleines Budget, nächstes Jahr sieht es dann mit der Finanzierung besser aus.

Mehr dazu:

Was: Invasion Kulturtage
Wann: Samstag, 1. August bis Samstag, 8. August 2009
Wo: Haslacher Straße Freiburg
Eintritt: frei, Angebote in privaten Räumen teilweise mit Eintritt