Interview & Last-Minute-Verlosung: Stacey Pullen im Waldsee

Bernhard Amelung

"Wir waren die ersten, die Tanzmusik auf eine so neue und erfrischende Art produziert haben", sagt Techno-Pionier Stacey Pullen im fudder-Interview. Am Samstag kommt er zur O(h)rbital ins Waldsee; wir verlosen dafür zweimal zwei Gästelisteplätze!

Stacey, wie erklärst Du Dir, dass zahlreiche Techno-Liebhaber stets sehnsüchtig nach Detroit blicken, obschon sie noch nie in dieser Stadt waren?


Das ist ganz einfach: Wir waren die ersten, die Tanzmusik auf eine so neue und erfrischende Art produziert haben. Eine weitere wichtige Rolle spielt auch die Gemeinschaft der Detroiter Künstler untereinander. Wir sind eine große Community, deren Mitglieder sich gegenseitig beeinflussen.  

Was ist Deiner Ansicht nach das charakteristische Merkmal des 'Sound of Detroit'?

Dass unsere Musik den täglichen Kampf mit den Widrigkeiten dieser Stadt wiedergibt, dass wir von diesem Lebensgefühl durchdrungen sind und dass wir uns dessen mit jedem Atemzug bewusst sind.

Seit jeher hat die Stadt zeitlose Musik hervorgebracht. Was macht Detroit zu einem so fruchtbaren Ort für Musik?

Das Netzwerk der Musiker untereinander.

Als DJ und Produzent hast auch Du zur musikalischen Vielseitigkeit der Stadt beigetragen. Was hat Dich dazu gebracht, selbst Musik zu machen?

Das Radio. In Detroit hatten wir seit Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre einfach die besten Radiosendungen, die man sich vorstellen kann. Zu allererst Electrifying Mojo, dann Jeff Mills, Derrick May, Kevin Saunderson und nicht zuletzt Juan Atkins hatten alle ihre eigenen Radiosendungen. Die haben Den klassischen 'Sound of Detroit', also Soul, Jazz, Funk, aber auch erste elektronische Stücke gespielt.

Und was ist es, das Dir heute noch an Deinem Job gefällt?

Zum einen die viele großartige neue Musik von so vielen neuen Produzenten. Zum anderen meine tiefe Leidenschaft, DJ zu sein und aufzulegen.

Du hast auch für so legendäre Labels wie KMS oder Transmat Remixe angefertigt. Was zeichnet Deiner Meinung nach einen guten Remix aus?

Zu allererst musst Du das Stück, das Du überarbeitest, selbst gerne hören und mögen. Sonst läuft das nicht. Dieser Tage sind viele Remixe aber ganz eigene Werke. Ich für meinen Teil bin jedoch der Ansicht, dass man den Charakter des Originals erhalten sollte. Stay true to the original.

Du hast auch unter einer Vielzahl von Pseudonymen Musik veröffentlicht. Silent Phase, Kosmic Messenger und so weiter. Was kannst Du über diese Projekte erzählen?

Silent Phase ist ein Musikprojekt, das ich angeregt durch die Veröffentlichungen auf dem Label Transmat gestartet habe. Mein unter dem Namen Silent Phase veröffentlichtes Album "(The Theory Of)" war zudem der erste Longplayer des Labels. Kosmic Messenger demgegenüber ist geradliniger Four-To-The-Flour Techno-Sound, während ich unter dem Namen Bango Elemente eines afrikanischen Musikers gesampelt habe. Da Derrick [Anm. May] für sein Label Transmat jedoch nur originäres Material haben wollte, mussten Bango-Stücke auf einem anderen Label veröffentlicht werden.

Welches Deiner eigenen Stücke charakterisiert Dich und Deine Musik denn am besten?

"Spirit Of Sankofa". Denn zu der Zeit, als ich an diesem Track gearbeitet habe, habe ich mich intensiv mit der afrikanischen Kultur, mit den Wurzeln meiner Herkunft, auseinander gesetzt und nach Zusammenhängen und Schnittstellen mit der Techno-Kultur geforscht.

Stacey Pullen - Spirit of Sankofa

Quelle: YouTube


Erst kürzlich hast Du Dein Label Blackflag Recordings reaktiviert. Warum?

Blackflag habe ich bereits 1998 gegründet. Es war eine Plattform, um ausschließlich meine eigene Musik zu veröffentlichen. Nimm KDJ, das Label von Kenny Dixon Jr. alias Moodymann oder Axis, das Label von Jeff Mills, als Vorbild. Dann allerdings habe ich einen Vertrag mit einem Major Label unterzeichnet, doch in Folge dieser vertraglichen Verpflichtung konnte ich Blackflag nicht aufrecht erhalten. Erst vor kurzer Zeit habe ich die Rechte an aller Musik zurückerworben, das Label neu aufleben lassen und werde in Zukunft darauf vorwiegend Musik von anderen Produzenten veröffentlichen.

Dein letztes Album trägt den Titel "Today is the tomorrow you were promised yesterday". Es erschien 2001. Was für Gedanken kommen Dir, wenn Du auf Deine musikalische Vergangenheit blickst?

Ich bin ein Teil der Techno-Geschichte. Das kann mir niemand wegnehmen. Und so lange ich stets weiß, woher ich komme, meine 'roots' nicht außer Acht lasse, und so lange ich weiß, wohin ich gehen werde, befinde ich mich auf dem nächsten Abschnitt meiner Reise.

Und was können wir von Dir in unmittelbarer Zukunft erwarten?

Musik, Musik und nichts als Musik.

Verlosung:

fudder verlost zweimal zwei Gästelisteplätze für Stacey Pullen. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen, seiner Postanschrift und dem Betreff "Stacey Pullen" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Samstag, 23. Juni 2012, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt. Schaut also in euren Posteingang. Viel Glück!

Mehr dazu:

Was: O(h)rbital mit Stacey Pullen (Detroit). Support: Christian Gimbel
Wann: Samstag, 23. Juni 2012, 23 Uhr
Wo: Waldsee, Freiburg
Eintritt: Abendkasse 14 (ermäßigt 11) Euro.