Interview & Last-Minute-Verlosung: Asaf Avidan

Carolin Buchheim

Den letzten Gig des diesjährigen ZMF bestreitet im Spiegelzelt ein besonders spannender Künstler: Asaf Avidan (zweiter von links) und seine Band The Mojos kommen aus Tel Aviv aber klingen ein bisschen so, als wäre es das Jahr 1969 und ihr Heimatort Duluth, Minnesota, oder vielleicht San Francisco. fudder hat Asaf vor dem Gig interviewt und verlost zwei Mal je zwei Tickets.



Asaf, wie würdest Du Deine Musik einer gehörlosen Person beschreiben?

Oh. (Pause). Hm. Vielleicht passt dieses Bild: für mich ist meine Musik ungefähr so, als wenn ich meine gesamten Innereien mit meinen eigenen Händen aus meinem Bauch herausreisse, und sie dann meinem Publikum hinhalte. Ja, genau, so ist es.

Das ist ein ziemlich grausames Bild. Musik ist also eine besonders emotionale Angelegenheit für Dich?

Ja, das ist sie. Meine Musik hat etwas therapeutisches für mich, sie ist mein Weg, um mit Gefühlen umzugehen und sie rauszulassen. Ich versuche in meinen Songs, die Gefühle, die ich habe, wenn ich anfange einen Song zu schreiben – so ganz wie im Klischee, allein Zuhause, irgendwann nachts, wenn ich nicht schlafen kann - den ganzen Entstehungsprozess über lebendig zu halten. Und zwar nicht nur während der Arbeit mit meiner wunderbaren Band, The Mojos, die alle ganz ausgezeichnete Musiker sind, und dementsprechend viel zu meiner, nein unserer Musik beitragen, sondern bis hin zu jedem einzelnen Auftritt.

Wenn ich bei einem Auftritt den emotionalen Kern eines Songs nicht mehr spüren kann, wenn ein Song mich nicht mehr bewegt, nicht mehr wehtut, mir nicht mehr peinlich ist, mich nicht mehr froh oder traurig macht, wie kann ich erwarten, dass er mein Publikum emotional berührt?

Wie gelingt Dir das?

Zum einen natürlich, in dem ich während des Songwriting-Prozess der Band erkläre, worum es mir in dem Song geht. Als Songwriter habe ich ja sozusagen die Hoheit über den Song, denn ich weiß, worum es in ihm gehen soll. Die Bandmitglieder bringen dann aber nicht nur ihre Instrumente und Melodien ein, sondern natürlich auch ihre eigenen Gefühle und Ansichten, ihre eigene subjektive Weltsicht, ich will als Songwriter ja auch nicht ihre Flügel beschneiden und sie in ihrer Kreativität beschränken. Die Band ist quasi wie ein Ofen, auf dem wir den Song zusammenbrauen.

Zum anderen versuche ich einfach generell, meine Songs so zu schreiben, dass ihre Bedeutung eine universelle ist. Natürlich schreibe ich meine Songs über konkrete Erlebnisse, über ein Mädchen, das nicht mehr in mich verliebt ist und mich nicht mehr anruft, über eine bestimmte Begegnung oder ein Gefühl, aber der Song muss eine grundsätzliche Wahrheit beinhalten, die von diesem Erlebnis losgelöst ist, sonst berührt er mich irgendwann nicht mehr, und dann eben auch das Publikum nicht mehr. Denn der einzelne Zuhörer kann nur dann etwas mit einem Song anfangen, wenn er diese universelle Wahrheit, also einen Teil von sich selbst darin wiederentdecken kann.

Auf MySpace schreibst Du über Deine Band „Hadas, Yoni, Roi and Ran are the skin, muscles, and veins of the body of my music. Without them, much of who I am today would not have been.“ Wie nimmst Du Euch als Band war – schließlich firmiert ihr als „Asaf Avidan & The Mojos“?

Oh, das ist die Hauptfrage unserer Band, mit der wir uns herumschlagen, seit wir uns vor drei Jahren zusammen getan haben.

Ich habe allein angefangen, Musik zu machen, nur mit meiner akustischen Gitarre. Ich bin ein Singer-Songwriter, mit der Betonung auf Writer, ich könnte nie nur der Frontmann in einer Band sein, der etwas singt, das jemand anderes geschrieben hat. Über meine Akustik-Gigs habe ich die Band kennengelernt, und die Band ist um mich herum gewachsen. Viele der Songs, die wir seitdem gemeinsam gespielt haben, gab es damals schon, aber sie – und ich – haben uns seitdem durch den Einfluß von Hadas, Yoni, Roi und Ran und ihre Instrumente verändert.

Die vier sind so viel mehr als 'meine Band'. Ich bin kein guter Musiker, ich kann ein paar Akkorde greifen, klar, aber ich habe nie Musik studiert. Meine Bandmitglieder hingegen sind fantastische Musiker, die meine Musik musikalisch voranbringen. Ich will mich nicht vergleichen, aber vielleicht ist es bei uns ein bisschen so wie bei Neil Young und Crazy Horse oder Nick Cave und den Bad Seeds, ein Singer-Songwriter und eine fantastische Band, die auch ohne einander ziemlich gut sind, aber voralllem miteinander kreative Höchstleistungen erbringen können. Die Musik, die Leute mit mir verbinden, würde es ohne diese Vier schlicht und einfach nicht geben.

Welcher musikalischen Tradtition fühlst Du Dich zugehörig? Zwischen welchen beiden Platten sollten Deine Platten idealerweise stehen?

Am liebsten wäre es mir, wenn Leute sagen würden 'Oh, das ist Alternative Rock, und total eigen', aber das ist es natürlich nicht. Bisher kann man unseren Songs sehr gut anhören, was ich selbst gerne höre: Classic Rock, Rock'n'Roll, Old School Blues. Alles von Led Zepplin über Bob Dylan bis hin zu Janis Joplin.

Natürlich mag ich auch neue Sachen, wie Fiona Apple, die Artic Monkeys, Kings of Leon und Ani diFranco, aber ich fände es toll, wenn unsere Platten zwischen Dylan und den Beatles stehen würden, das wäre wirklich ein wahrgewordener Traum. Das erwarte ich natürlich nicht.

Unser neues Album, das noch in diesem Jahr in Israel und hoffentlich sehr bald danach auch im Rest der Welt erscheinen wird, wird sehr viel zeitgenössischer. Darauf haben wir unseren eigenen Sound weiterentwickelt und uns von dem klassischen Rock-Sound ein bisschen gelöst. Gemaster wurde es übrigens in den Abbey Road Studios.

Hier in Deutschland kriegen wir nicht viel von der Musikszene in Israel mit. Kannst Du vielleicht ein paar Bands empfehlen?

Da geht es Euch so, wie dem Rest der Welt, wenn ihr nicht viel von der israelischen Musikszene mitbekommt: in der Berichterstattung ist neben all den politischen Nachrichten aus unserem Land ist nun mal kein Platz mehr für Kulturnachrichten.

Ich finde das ziemlich schade, denn dadurch bekommt die Welt nicht mit, wie das Alltagsleben in Israel ist, dass viele junge Leute hier versuchen, ein ganz normales Leben zu gestalten. Die Musikszene in Israel blüht zur Zeit wirklich auf, insbesonders die Indie-Szene, so wie überall auf der Welt, eigentlich. Indielabels sind nun mal besser an die neuen Bedingungen der Musikwelt angepasst, als die großen Majorlabel. Weil der Markt in Israel so klein ist, ist es ziemlich leicht, Leute zu erreichen, denn schließlich gibt es nur eine kleine Anzahl von Medien, die man kontaktieren muss, um so gut wie alle Leute anzusprechen.

Eine Band, die ich gerne empfehle, ist die des Ko-Produzenten meines Albums, sie heißt Coolooloosh, sie haben ihre letzte Platte in den USA aufgenommen und touren da jetzt auch. Sie machen HipHop, mit vielen unterschiedlichen Einflüßen, sehr spannend. Es lohnt sich natürlich auch, die Indie-Folk-Szene abzuchecken, da gibt es ein Label, das heißt Anova, auf dem viele Englischsprachige Künstler Zuhause sind. Die mag ich zwar nicht alle besonders gern, aber was das Label für die Szene insgesamt gemacht hat, ist ganz fantastisch. Und dann möchte ich natürlich noch Tamar Eisenman empfehlen, sie ist eine sehr gute Freundin von mir, und hat mir zu Beginn meiner Karriere sehr geholfen: sie hat mir mein erstes Konzert verschafft.

Last-Minute-Verlosung

fudder verlost zwei mal zwei Tickets für Asaf Avidan & The Mojos am Sonntagabend auf dem ZMF. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff "Asaf Avidan", Eurem Namen und Eurer Telefonnummer an gewinnen@fudder.de.

Einsendeschluss ist heute, Freitag, 10. Juli 2009, 18 Uhr. Die Gewinner werden sofort nach dem Ende der Verlosung per Anruf informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mehr dazu:

Was: Asaf Avidan & The Mojos
Wann: Sonntag, 12. Juli 2009, 21 Uhr
Wo: ZMF Spiegelzelt

Asaf Avidan & The Mojos - Her Lies (live @ Earth Day)

Quelle: YouTube