Interview mit Trendforscher Sacha Szabo: Warum Bubble Tea so beliebt ist

Fabienne Hurst

Nicht nur Jugendliche scheinen von jenem Trendgetränk nicht genug zu kriegen - auch Erwachsene rennen den Freiburger Bubble-Tea-Läden die Türen ein. Aber: Was ist an Eistee mit glibschigen Perlen so faszinierend? Der Freiburger Trendforscher Sacha Szabo sagt es uns.



Herr Szabo, in Freiburg sind innerhalb eines Jahres fünf Bubble-Tea-Läden aufgetaucht. Ersetzt dieser asiatische nun die amerikanischen Getränke-Trends?

Wir sehen beim Bubble Tea wie eine neue Kultur eine alte, die hoch ausdifferenzierte Tee-Kultur, überdeckt. Jeder Teetrinker kennt den Aufwand, der um das Teekochen gemacht wird. Dieser Aufwand, der eben mit zum Genuss gehört, wird gekappt und durch ein irritierendes Erlebnis ersetzt. Nachdem bei Starbucks bereits Kaffeekultur popularisiert wurde, wird nun das Teeprozedere durch Bubble Teas ersetzt und zwar durch einen besonderen Attraktor: durch die Boba-Kugeln.

Was macht denn diese Kugeln so attraktiv?

Die Aufgabe der Kugeln ist es, den Konsumierenden zu irritieren. Einmal natürlich durch den Geschmack, zum anderen durch die Konsistenz. Die Kugeln dienen nicht nur als Medium, sondern auch als Katalysator für bestimmte Stoffe. Das erinnert an die Ursprünge der Galenik, nämlich medizinische Drogen durch Zucker zum ummanteln. Und ob nun diese Stoffe im Bubble Tea gesund sind, darüber entspinnt sich ja gerade eine lebhafte Diskussion.

Wer mal in einen Bubble-Tea-Laden reingeschaut hat, dem fällt das junge Klientel auf. Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Bubble Tea?

Der Bubble Tea erlaubt ein lustvolles Trinken und das durchaus im mehrdeutigen Sinne. Dies geschieht durch den Zucker, da Süße vom Menschen als angenehm empfunden wird. Manche Untersuchungen gehen sogar von einer angeborenen Süßpräferenz des Menschen aus. Und unsere Vorstellung vom Paradies als Land in dem Milch und Honig fließt wird ja auch durch die Grundzusammensetzung des Bubble Tea angesprochen. Das andere ist die Konsistenz. Es ist ein Hybrid zwischen Essen und Trinken, eigentlich ist es eine Art Lutschen. Und das Lutschen ist nun psychologisch eine sehr frühe Form der Triebbefriedigung.

Triebbefriedigung beim Trinken?

Die Konsistenz des Bubble Tea hat auch etwas Schleimiges an sich. Und so wurde ich Zeuge eines bemerkenswerten Dialogs an der Straßenbahnhaltestelle am Martinstor. Auf die Frage ihrer Freundin warum Sie das Zeug trinke, antwortete eine Jugendliche: „Weil es an Sperma erinnert“. Mir blieb da nun wirklich die Spucke weg.

Sie als Trendforscher müssen es ja wissen: Was muss ein Trendprodukt tun um sich am Markt zu behaupten? Hat Bubble Tea ein Zukunft?

Ich habe sehr viele Süßigkeitentrends erlebt: Das begann bei „Bonitos“, ging über „Raider“ oder „Slush Puppy“, bis hin zu „Hubba Bubba“ oder Kaugummis von „Vivil“, die auch einen Kern aus süßem Gelee hatten. Alles tolle Produkte, die auf die eine oder andere Art vom Markt verschwunden sind. Es ist zu befürchten, dass dieses Schicksal auch dem Bubble Tea widerfährt.

Wäre das schlimm?

Wenn wir den Genuss von Bubble Tea als Erlebnis verstehen, was es für mich auf jeden Fall und durchaus im positiven Sinne ist, dann muss man einräumen, dass Erlebnisse oft nicht nachhaltig sind. Man probiert noch ein paar Variationen aus und dann sucht man den nächsten Kick. Das ist ja das Geheimnis der „Jelly Beans“. Wenn Bubble Teas diese Abwechslung leisten können, dann haben sie das Zeug zum Kultgetränk.

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