Interview mit Felix Meyer: "Wir Menschen sind die alten Affen geblieben"

Viviane Beyer

Popmusik mit Tiefgang: Felix Meyer wird am Sonntagabend im Waldsee sein neues Album "Menschen des 21. Jahrhunderts" vorspielen. Mit fudder-Autorin Viviane Beyer unterhielt er sich vorab über Menschen, Wortwelten, Fotographie und Parkhäuser.



Felix, dein Album heißt "Menschen des 21. Jahrhunderts"? Wie sind sie denn, die Menschen?

Am schönsten finde ich, dass wir Menschen die alten Affen geblieben sind. Das sich gar nicht soviel geändert hat. Das ist die Ironie, die in dem Titel mitschwingt. Mit dem 21. Jahrhundert war ja irgendwie mal die Vorstellung verbunden, dass sich alles ändern wird. Man hatte vor diesem 21. Jahrhundert einen Mega-Respekt und hat sich sonst was vorgestellt.
Im Endeffekt sind viele Menschen, die ich kenne und die in unserem Publikum sind, aber immer noch sehr analoge Menschen geblieben.

Woher kommen solche Ideen? Was inspiriert dich?

Mich inspirieren Menschen und Gesellschaften. Das, was die Menschen antreibt, bestimmte Dinge zu tun. Von Problemen, die diese Welt so hat oder sich selbst kreiert.

Sind auch Orte Inspirationsquellen?

Nein, nicht so sehr. Orte sind eigentlich nur eine eigene Stimmungslage, in der man das gut umsetzen kann. Die Inspiration muss ja schon davon passiert sein, bevor man die Muse hat, das aufzuschreiben. Wenn man den Moment gefunden hat, die Gedanken so zusammenzufassen, dass sie einen Sinn ergeben.

Oft bekomme ich aber auf Reisen Lust zu schreiben. Besonders bei diesen Transitmomenten, wenn man irgendwie auf dem Flughafen herumsitzt oder im Zug und nichts Richtiges machen kann. Das sind für mich ganz dankbare Momente. Das ist dann ja oft so ein luftleerer Raum ist, der einfach so viel zulässt.

Wie erarbeitest du dir einen Text?

Es gibt Texte, die einem einfach so passieren und die innerhalb weniger Stunden einfach stimmig sind. Und wieder andere, bei denen es nicht einfach 'da liegt'. Ich bin aber allgemein so: Ich schreibe manchmal an Briefen oder E-Mails Stunden. Insofern ist es auch etwas, was ich gerne mache: Wortwelten, das Hin- und Herschieben, bis wirklich gesagt ist, was gesagt werden soll.

Deine Texte sind sehr bildhaft. Hast du ein fotografisches Gedächtnis?


Ich hab tatsächlich Fotografie studiert ich hab mich zehn Jahre lang bevor ich professionell mit Musik angefangen habe, was uns ja einfach so passiert ist sozusagen, habe ich mich mit Fotografie beschäftigt und habe 5 Jahre lange Dokumentarfotografie studiert.

Ich bin tatsächlich ein sehr in Bildern denkender Mensch. Diese Bildsprache ist mir sehr nah und das ist etwas das sich in Texten und Liedern die ich schreibe wiederfindet.

Entstehen deine Texte auch aus Emotionen heraus?

In den meisten Fällen habe ich einen großen Abstand zu einem Geschehnis, bevor ich etwas darüber schreiben kann. Es ist selten, dass ich etwas Einschneidendes erlebe, was ich dann direkt in einen Text verwandeln kann.

Du bezeichnest dich gerne als Straßenmusiker, früher habt ihr auch häufig in Fußgängerzonen gespielt. Was ist der Reiz daran?

Es ist eine sehr direkte Art Musik zu machen. Man kommt den Menschen näher. Das merkt man auch bei uns in den Konzerten - die Leute, die uns kennen, haben eine ganz besondere Bindung zu der Musik und zu uns. Sie haben das Gefühl, dass sie uns kennengelernt haben. Dass sie uns nicht nur auf der Bühne gesehen haben, wo der Abstand sehr groß ist zwischen Band und Publikum. Auf der Straße könnte man sich die Hand geben.

Ist das Publikum in der Fußgängerzone dann auch dankbarer als das Konzertpublikum?

Ich will das gar nicht bewerten, es gibt da kein besseres oder schlechteres Publikum. Natürlich ist jemand, der gerade eigentlich durch die Straße hetzen muss um einen Termin zu schaffen, wahnsinnig dankbar. Weil er dann plötzlich rausgerissen wird und merkt, dass das eigentlich alles gar nicht so wichtig ist. Und ehe er sich versieht, hat er eine Stunde mit einer Band verbracht und Musik gehört. Das ist eine Art von Dankbarkeit und Wertschätzung, die ganz toll ist.

Wenn einem das Leben irgendwas in den Weg stellt, bei dem man sich angezogen oder hingezogen fühlt, dann ist es eine der schönsten Überraschungen, die es geben kann.

Aber ein Konzertpublikum, das man in einem zweistündigen Konzert begeistern kann, bei dem die leisen Momente genau so gut funktionieren wie die lauten und bei dem am Ende noch getanzt und gejohlt wird - das ist eine Andere Art von Belohnung, ja, von Euphorie.

Ist dir ein Moment aus deiner Zeit als auftretender Musiker besonders in Erinnerung geblieben?

Bei einem Festival im letzten Jahr, dem TFF-Festival in Rudolstadt in Thüringen. Da waren wir auf zwei großen Bühnen gebucht, es wurde uns aber auch freigestellt auf der Straße zu spielen.
Innerhalb eines Tages haben wir dann beides erlebt. Die Mischung macht es. Wir haben nachmittags bei einem Fernsehdreh mit dem MDR vor 250 Leuten auf der Straße gespielt und am Abend vor 10000 Leuten auf einer Festival Bühne.

Würdest du gerne auch mal auf einer anderen Sprachen singen?

Ich hab viel auf anderen Sprachen gesungen. Unsere Straßenmusiker-Karriere ging so los, dass wir durch Europa gereist sind. Da hatten wir ein buntes Programm aus Liedern, die wir nachgespielt haben: auf Englisch, Spanisch, Französisch. Aber seit ich eigene Lieder mache, sind die immer in deutscher Sprache und das wird auch so bleiben. Ich wüsste nicht, wie ich noch eine Sprache so gut lernen sollte, dass ich mich in ihr so gut - oder noch besser - ausdrücken kann! Am ehesten käme noch Französisch in Frage, das kann ich sehr gut. Es ist auch eine sehr angenehm zu singende Sprache.

Hast du neben der Musik noch eine andere Leidenschaft oder ein Hobby?

Hobbies finde ich einen ziemlichen Mist. Ich habe keine Hobbies. Alles was ich gerne mache,  mache ich so intensiv, dass ich es auch professionell betreiben könnte. Ich fotografiere so, dass ich damit auch Geld verdienen könnte. Im Moment konzentriere ich mich aber auf meine Musik.

Hast du einen Ort, an dem du wirklich gerne mal auftreten würdest?

Tatsächlich überlegen wir gerade ob wir nächstes Jahr ein paar Konzerte in Parks oder am Strand machen. Irgendwo in der Natur, Irgendwo draußen.

Ich träume von einem Konzert auf der obersten, offenen Etage eines Parkhauses. Mit Blick über die Stadt. Das ist ein sehr fotografischer und fotogener Ort. Ich mag diesen Ausblick und die Atmosphäre, die so eine Stadt ausstrahlt, wenn man aus 8. Etage auf sie hinab schaut.





Mehr dazu:

Was: Singer Songwriter Felix Meyer
Wann: Am Sonntag, den 9. November 2014 um 20:00 Uhr
Wo: Waldsee, Waldseestr. 84, 79117 Freiburg
Eintritt: 22,20 Euro
Tickets: ADticket.de
  [Foto: PROMO]