Interview mit Chris Billich von den Kassel Huskies, der am Donnerstag gegen seinen Bruder Steven vom EHC Freiburg spielt

Daniel Laufer

Chris Billich ist Eishockeyspieler bei den Kassel Huskies - ausgebildet hat ihn aber der EHC Freiburg. Am Donnerstag spielt er im Aufstiegs-Match gegen seinen Bruder Steven vom EHC. Im Interview erzählt er, warum er Freiburg verlassen hat und ob er seinen Bruder im Zweikampf besiegen würde:



Du spielst im Kampf um den Aufstieg in die DEL2 in dieser Woche zum ersten Mal gegen deinen Heimatverein, mit dem du vor drei Jahren aus der zweiten Liga abgestiegen bist. Mit welchen Gefühlen gehst du in die beiden Spiele gegen Freiburg?

Chris Billich: Das wird natürlich eine ganz neue Erfahrung für mich. Nicht nur, weil es mein Heimatverein ist, sondern auch, weil mein Bruder Steven dort spielt. Außerdem bin ich mit zwei Dritteln der Mannschaft aufgewachsen und kenne auch sonst einige Spieler noch von früher. Im Moment stelle ich mir das alles noch sehr schwierig vor, aber man wird es am Donnerstag dann sehen. Ich werde zum allerersten Mal gegen echte Freunde spielen. Im Kopf wird das kein leichtes Spiel für mich, aber natürlich muss ich auch meine Leistung bringen – egal, gegen welchen Verein.

Falls du mit Kassel gegen Freiburg gewinnst und der EHC deshalb nicht aufsteigen kann: Meinst du, das wird dir zu schaffen machen?

Natürlich. Ich verfolge den EHC schon die ganze Saison über, wie schon in der letzten Saison. Ich telefoniere praktisch täglich mit meinem Bruder. Er erzählt mir, was es in Freiburg Neues gibt und wie die Mannschaft so drauf ist. Wenn Freiburg nicht aufsteigt, wird das für mich auf keinen Fall leicht sein. Ich hoffe natürlich, dass beide Teams – Kassel und Freiburg – hochgehen können.

Du hast in der Vorbereitung beim EHC mitgespielt, kennst die Mannschaft und den Trainer. Hättest du Freiburg zugetraut, so weit oben mitzuspielen, wie es jetzt der Fall ist?

Wenn ich ganz ehrlich bin: am Anfang nicht. Ich habe auch mit vielen Freiburger Spielern gesprochen, die selbst überrascht sind, dass sie es so weit geschafft haben. Man sieht einfach, wie sie sich weiterentwickelt haben. Es ist schon krass, wie viele eigene Nachwuchsspieler Freiburg im Team hat – das hat keiner sonst in der Aufstiegsrunde. Es liegt sicherlich auch am Trainer, Leos Sulak und an seinem Vorgänger Thomas Dolak – er hat die Jungs auf den richtigen Weg gebracht. Ich glaube, in diesem Jahr hat das richtig gefruchtet. Der EHC spielt jetzt natürlich frei auf. Er hat erreicht, was er erreichen wollte, wenn nicht sogar noch mehr. Die Mannschaft kann stolz auf sich sein!

Der Verein hat dir vor der Saison einen Vertrag angeboten. Warum wurde daraus nichts?

Am Anfang war ich noch nach der Suche nach einem Zweitliga-Team. Am Ende hat es mit Freiburg dann nicht mehr geklappt und ich musste mich anderweitig umschauen. Aber die Verbindung ist nie abgebrochen.

 

Mit deinem Bruder Steven hast du letztes Jahr bei den Heilbronner Falken gespielt, beim EHC ist er in dieser Saison einer der Leistungsträger. Wie siehst du seine Entwicklung?

Er hat schon in Heilbronn einen Riesenschub gemacht, durfte aber leider nicht so viel spielen. Das war eine politische Sache, sage ich mal. In Freiburg hat er schon in seinen zehn Förderlizenz-Spielen einen sehr guten Job gemacht. Als er zurück nach Heilbronn kam, hat man gemerkt, dass er wieder Selbstvertrauen getankt hatte. In dieser Saison hat Steven jetzt noch mal einen Sprung gemacht. Das liegt denke ich auch daran, dass er sich seit Anfang der Saison nicht mehr so schnell provozieren lässt. Ich kriege ja als mit, was er alles einstecken muss. Er ist schon ruhiger geworden. Das ist natürlich ein großes Plus und hat ihm bestimmt sehr geholfen.

Steven gilt als sehr talentiert. Wohin wird ihn sein Weg noch führen?

Ich hoffe, nach ganz oben. In der Aufstiegsrunde mit Zweitliga- und Top-Mannschaften wie Frankfurt oder Kassel ist Stevie jetzt drittbester Scorer. Ich hoffe, dass er nächstes Jahr die Chance bekommt, in der DEL mitzutrainieren, vielleicht sogar mitzuspielen, anders als ich damals. Verdient hätte er es sich mit Sicherheit. Stevie ist jünger als ich, könnte es aber weiter bringen. Das würde mich freuen.

Du selbst giltst als besonnener Spieler, hast kaum Strafzeiten – Steven dagegen provoziert auf dem Eis noch immer mehr, als jeder andere Spieler des EHC. Woher kommt das – war das zuhause unter Brüdern schon so?

Daheim haben wir uns eigentlich nie provoziert. Natürlich haben wir uns hier und da mal ein bisschen geärgert, hatten aber nie echten Streit.

Auf dem Eis habe ich irgendwann gelernt, dass man diesen ganzen Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen sollte – damit macht man sich nur Feinde. Das braucht man nicht. Wenn man außen vor ist, hat man das Leben leichter. Stevie lässt sich wenig gefallen. Er provoziert dann gerne zurück. Ich habe nach meinen Telefonaten mit ihm aber den Eindruck, dass er das jetzt reduziert hat. So Spieler braucht eine Mannschaft aber auch. Und wenn es keiner sonst macht, dann macht er es eben. Ich finde das gut.

Was meinst du: Wird er sich am Donnerstagabend auf dem Eis mit seinem großen Bruder anlegen?

Nein, ich glaube nicht. Er weiß, dass er dann den Kürzeren zieht (lacht).

Du hast eine hervorragende Saison gespielt, die Kassel Huskies mit 30 Scorerpunkten aus zehn Spielen sozusagen im Alleingang durch die Play-offs geschossen. Wie stark ist euer Team?

Wir haben auf alle Fälle sehr gute Spieler. Wenn man Manuel Klinge zum Beispiel anschaut – der hat vor wenigen Jahren noch bei Olympia und in der DEL mitgespielt. Wenn man ihn auf dem Eis sieht, weiß man schon, was er drauf hat. Wir haben mit Kyle Doyle, Brad Snetsinger und Austin Wycisk sicherlich auch Spieler, die in der zweiten Liga spielen könnten.

Was glaubst du, erwartet dich und deine Mannschaftskollegen in den beiden Spielen gegen Freiburg – und was erwartet den EHC?

Ich habe natürlich immer noch meine Kontakte in Freiburg und weiß, wie der EHC spielt. Wenn man an das vergangen Wochenende denkt ... Es ist schon sehr beachtlich, in Frankfurt vor 6000 Fans nur mit 1:2 zu verlieren und dabei mit einem Penalty sogar die Chance auf den Ausgleich zu haben. Das Spiel gegen Freiburg wird für uns sicherlich sehr schwer werden. Beide Teams werden viel Wert auf die Defensivarbeit legen. Auch wir haben eine gute Offensive. Wie schon im Spiel gegen Frankfurt, muss sich Freiburg auf viele Torschüsse einstellen. Dann werden wir mal schauen, wer das Glück auf seiner Seite hat.

Was ist denn eure Schwachstelle?

Eine Schwachstelle haben wir eigentlich nicht ... (lacht) Unser Torhüter ist stark, in der Abwehr stehen wir kompakt und machen in der Aufstiegsrunde gute Arbeit. Wir spielen im Moment sehr gutes Eishockey, und das wird sich auch in den nächsten Spielen nicht ändern – wir haben einen Lauf, und unser Trainer stellt uns sehr gut ein.

Auch wenn es in Kassel sportlich zur Zeit gut läuft – wirtschaftlich steckt der Klub schon wieder in der Krise. Dabei sind die Huskies erst 2010 wegen einer Insolvenz aus der DEL geflogen. Wie sieht die derzeitige Situation aus?

Die GmbH hat Insolvenz angemeldet. Unmittelbar danach war natürlich schon etwas Unruhe im Team, aber das hat sich dann schnell geklärt. Die Gehälter sind gesichert – das Arbeitsamt übernimmt die letzten drei Monate, wie in jeder anderen Firma auch. Eine Insolvenzverwalterin versucht jetzt, die GmbH zu retten. Wir Spieler werden damit wenig belastet. Unser Fokus liegt darauf, den Aufstieg zu schaffen. Nur dann wird es in Kassel weitergehen. Wir wissen, wie viel davon abhängt. Soviel ich weiß, hat der Verein die Lizenzunterlagen für die DEL2 bereits eingereicht.

In der Aufstiegsrunde steht Kassel in Konkurrenz mit anderen Teams, die Spielergehälter bezahlt der Klub tatsächlich aber gar nicht mehr selbst. Viele gegnerische Fans sprechen da von Wettbewerbsverzerrung. Findest du das nicht problematisch?

Einerseits ist es problematisch, auf der anderen Seite sehe ich die Situation aus meiner Perspektive. Und ich bin froh, dass ich weiterspielen kann und wir haben 25 Spieler, die froh sind, dass sie weiterspielen können. Die hätten ab Februar in kürzester Zeit alle einen neuen Verein finden müssen – das hätte wahrscheinlich kaum einer geschafft. Deshalb ist es mir egal, wenn jemand sagt, das sei wettbewerbsverzerrend.



Zur Person

Christian Billich ist 26 Jahre alt und gebürtiger Freiburger. Er stammt aus dem Nachwuchs des EHC. Sechs Jahre lang hat er in der ersten Mannschaft gespielt und kam dabei auf 293 Zweitliga- und Oberliga-Einsätze. Für Freiburg hat er in dieser Zeit 79 Tore erzielt. Mit 194 Punkten ist Chris Billich zudem zwölftbester Scorer in der Vereinsgeschichte, hat als Förderlizenzspieler auch zwei Mal für die Frankfurt Lions in der DEL gespielt.
Nach der Wölfe-Insolvenz 2011 hat er Freiburg in Richtung Heilbronn verlassen. Seit dem Sommer 2013 stürmt er für die Kassel Huskies in der Oberliga West und ist maßgeblich an deren Erfolg beteiligt.

Mehr dazu:

Was: EHC Freiburg vs. Kassel Huskies
Wann: Donnerstag, 17. April 2014, 19:30 Uhr
Wo: Franz-Siegel-Halle, Ensisheimerstraße
Eintritt: Zwischen 9 und 60 Euro