Interview: Martin Fleig, Freiburgs Sportler des Jahres

Fabian Vögtle

Als Martin Fleig am vergangenen Samstag bei der "Gala-Nacht des Sports" im Konzerthaus zum Freiburger Sportler des Jahres gewählt wurde, konnte der 23-Jährige nicht dabei sein. Denn der Biathlet und Langläufer aus Gundelfingen startete in Schweden bei der Nordischen Ski-WM für Athleten mit Behinderung. Jetzt ist er wieder zurück in der südbadischen Heimat - und hat mit Fabian Vögtle über seine Auszeichnung, die WM und kommende Ziele gesprochen.



Martin, wie hast Du von der Ehrung in Freiburg erfahren und was bedeutet sie Dir?

Martin Fleig: Von der Auszeichnung hab' ich über Facebook erfahren. Meine Familie hat mir das geschrieben und da habe ich mich im ersten Moment natürlich sehr gefreut, denn das bedeutet mir schon sehr viel, da so viele Leute für mich abgestimmt haben. Es waren ja auch sehr gute Sportler mit in der Konkurrenz.

Siehst Du deine Wahl zum Sportler des Jahres auch als Beweis dafür, dass Behindersport mittlerweile in der Öffentlichkeit angekommen ist und wie empfindest Du die Entwicklung in den vergangenen Jahren?

Insgesamt würde ich sagen, es hat sich einiges getan in positiver Richtung. Das sieht man auch daran, dass bei der WM in Schweden ein Fernsehteam von der ARD da war und auch eine kleine Zusammenfassung gemacht hat. Ob die Sportlerehrung ein öffentliches Interesse widerspiegelt, weiß ich nicht. Denn wenn man weiß, dass man zur Wahl steht, dann rührt man ja selber so ein bisschen die Werbetrommel und bittet Freunde und Bekannte einen im Internet zu wählen. Ich denke so viel Auswirkung nach außen hat das nicht, zumindest nicht über den Tellerrand Freiburgs hinaus.

Du bist gerade von der Nordischen Ski-WM für Athleten mit Behinderung aus Schweden zurück gekommen. Wie liefen die Wettkämpfe für Dich?

Die Wettkämpfe waren im Rückblick eher mittelmäßig. Es gab Highlights, aber auch sehr krasse Tiefpunkte. Es war alles mit dabei. Was mich sehr gefreut hat, war der erste Wettkampf. Das war ein Langlauf-Sprint und das ist normalerweise gar nicht meine Sache. Aber da habe ich gleich mal meine beste Platzierung herausgefahren und das war natürlich zur Überraschung aller. Doch mein Hauptaugenmerk lag auf den drei Biathlon-Wettkämpfen, die dann leider nicht so gelaufen sind, wie ich mir das vorgestellt habe. Da war der neunte Rang meine beste Platzierung.

Ich hatte schon mit dem fünften Platz oder so geliebäugelt. Vor allem am Schießstand sind mir einige Fehler passiert, läuferisch war ich ganz gut drauf. Auch der abschließende 10-Kilometer-Langlauf war gut und der Abstand zur Spitze ist kleiner geworden. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit meiner Leistung.



Die Saison neigt sich bereits dem Ende entgegen. Kommende Woche steht der Weltcup und die Generalprobe für die Paralympics in Sotschi auf dem Programm, die in genau einem Jahr dort stattfinden. Wirst Du 2014 mit dabei sein und was sind deine Erwartungen und Ziele für den kommenden Winter?

Mein Ziel ist es natürlich dabei zu sein. Es ist noch ein harter Weg, denke ich. Aber ich habe hoffentlich noch ein paar Chancen mich zu beweisen. Letztendlich hat dann der Trainer zu entscheiden, ob er bei mir Potenzial und Perspektiven sieht. Wenn die WM in Schweden jetzt super für mich gelaufen wäre, hätte ich schon alles unter Dach und Fach bringen können. So muss ich mich noch weiter beweisen. Aber es gibt auch positive Sachen von der WM, so dass es meiner Motivation auch keinen Abbruch tut.

Seit deiner Geburt hast Du Spina Bifida, und bist deshalb bis auf kurze Strecken auf den Rollstuhl angewiesen. Wie kam es dazu, dass Du aktiver Sportler geworden bist?

Als kleiner Junge bin ich zusammen mit meiner Mutter einmal die Woche auf die Behindertenschule in Wasser zum Schwimmkurs gegangen. Außerdem haben damals Veranstalter vom Nordischen Skisport nach jungen Leuten gesucht, die zwar ein Handicap haben, aber dennoch sehr mobil sind und Spaß an der Bewegung haben. Meine Mutter hat das mitbekommen und hat mich dann zum Schnupperlehrgang angemeldet. Das hat mir sehr gut gefallen, aber da war ich grade mal neun Jahre alt.

Vor allem meine Eltern haben mich da ein bisschen hingeführt, weil sie eben auch froh waren, dass ich überhaupt so was machen konnte und die Mobilität dazu habe und fitt genug bin. Auf einem Langlauflehrgang habe ich dann auch mal Biathlon, also zusätzlich noch das Schießen, versucht. Natürlich war ich da noch nicht so erfolgreich, aber man hatte das Gewehr mal in der Hand und ich hab's auch weiterhin betrieben.

Gab es in den vergangenen Jahren auch mal Hürden und negative Sport-Erlebnisse, die Du verkraften musstest und wie bist Du damit umgegangen?

Ich denke, dass ist eine Frage die fast jeder Sportler mit der gleichen Antwort beantworten würde. Es gibt ja immer mal Zeiten in denen man denkt, dass wird einem jetzt alles zuviel und es kommt nicht viel dabei rum. Das trifft auch auf mich zu. Solche Zeiten hatte ich auch schon. Die Grundmotivation seine Ziele zu erreichen, die darf man halt nicht verlieren. Und wenn man es schafft, sich weiterhin zu fokussieren dann macht man da auch weiter, selbst wenn es Rückschläge gibt.

Du machst derzeit eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Nebenher trainierst Du sieben bis neunmal die Woche. Klingt ziemlich stressig. Wie sieht dein Alltag denn genau aus und was machst Du am liebsten wenn mal ein bisschen Freizeit ist?

Es ist so, dass ich im August die Ausbildung beenden werde und dann als Verwaltungsfachangestellter – wenn ich die Prüfung bestehe – übernommen werde und nur noch 50 Prozent arbeite. Das heißt ich habe dann auch mehr Zeit, nicht unbedingt für mehr Training, sondern einfach um das besser zu verteilen. Wenn man die Profis so anschaut, die machen meist Trainingsblöcke und haben dann auch mehr Ruhetage zwischendrin und das werde ich dann auch versuchen so zu managen.

Ich gehe gern mal mit Freunden weg, also in die Stadt und ins Kino. Viele Hobbys habe ich im Moment aber leider nicht, denn so viel Freizeit bleibt dann doch nicht übrig. Ein bisschen Musik hören und lesen – was jeder andere auch gerne so macht.



Zur Person


Martin Fleig
aus Gundelfingen startet für den Verein Ringsport Freiburg und ist Mitglied des paralympischen Ski-Nordisch-Nationalteams. Der 23-jährige ist mehrfacher deutscher Meister im Biathlon und Langlauf. Der Sportschlitten mit Sitzkissen ist sein wichtigstes Gerät. Im Sommer auf Rollen und jetzt im Winter auf Skiern, bringt er es damit zu Höchstleistungen. Hinzu kommen individuell angepasste Langlaufstöcke und beim Biathlon ein Luftdruckgewehr.

Mehr dazu:

  [Bilder: Privat]