Interview: Ein Mahlberg-Azubi packt aus

Bastian Henning

Seit einer Woche ist Mahlberg in den Medien: Auszubildende des Discounters Aldi mussten Demütigungen und Misshandlungen über sich ergehen lassen. Über die Schikanen spricht ein ehemaliger Auszubildender im Interview:


Vergangene Woche ist der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd am Arbeitsgericht Offenburg zur Zahlung von 500 Euro Schmerzensgeld an einen früheren Azubi verurteilt worden. Der Mann war im Aldi-Lager Mahlberg von Vorgesetzten misshandelt und drangsaliert worden. Als Zeuge in diesem Prozess war der 26-Jährige Benjamin E. aus Lahr aufgetreten. Auch er wurde als Auszubildender in Mahlberg durch Vorgesetzte schikaniert.


Ihr Kollege wurde mit Frischhaltefolie an einen Pfosten gefesselt. Anschließend beschmierten Vorgesetzte sein Gesicht mit Filzstift. Was haben Sie erlitten?

Benjamin E.: Die Fesselung mit Frischhaltefolie blieb mir zum Glück erspart. Der Hauptbeschuldigte, der stellvertretende Bereichsleiter, hat mich aber auch mit Filzstift im Gesicht angemalt.

Wie haben Sie die Situation erlebt?

Das war kurz nach meiner Probezeit. Ich war gerade mit einer Arbeit beschäftigt, da ist dieser Vorgesetzte gekommen. Er hat gesagt, ich sei frech gewesen. Von hinten sind dann noch drei seiner Kollegen dazugetreten, die mich am Arm gepackt haben. Der Vorgesetzte hat dann einen Permanent-Filzstift genommen und mich unter dem Gelächter der Männer im Gesicht vollgemalt, komplett, inklusive Augenbrauen. Diese Aktionen dienten der Belustigung der Vorgesetzten und der Erniedrigung der Opfer.

Und dann?

Ich bin dann aufs Klo und habe versucht, den Filzstift abzuwaschen. Das ging natürlich nicht. Beim Rausgehen ist mir der Bereichsleiter über den Weg gelaufen. Als er mich so gesehen hat, hat er nur gegrinst. Er hat das toleriert.

Nachdem die Vorfälle in Mahlberg bekannt geworden waren, gab es Stimmen, die sagten: Die sollen sich nicht so anstellen, solche Streiche gibt’s auch in anderen Branchen. Denken Sie nur an die Drucker, die ihre Azubis am Ende der Lehre in einen Zuber Wasser tauchen. Was sagen Sie diesen Leuten?

Das bei Aldi war anders angesiedelt. Ein Spaß unter Kollegen ist das eine. Aber das, was wir erlebt haben, ging von Vorgesetzten aus, von Chefs. Da ist die Distanz ja viel größer. Wir waren Opfer. Dabei gerieten die Helfer dieser Aktionen genauso unter Druck. Wenn sie nicht mitmachen wollten, hat man sie aufs Abstellgleis gestellt. Es war ein eigendynamisches System.

Das vollständige Interview gibt's bei unseren BZ-Kollegen:  
Mehr dazu:

[Bild: Grafikplusfoto, Fotolia.com]