Interview: Dieser Informatikstudent hat "Filme wie gemalt" programmiert

Lisa Göllert

Freiburg-Videos, wie Picasso sie gemalt hätte? Der Informatikstudent Manuel Ruder macht es durch sein Programm "Filme wie gemalt" möglich. Im Interview erzählt er, wie es funktioniert – und ob es bald eine App gibt.

Ein Künstler der Programmierung: Der 23-jährige Manuel Ruder studiert Informatik im 11. Semester und beendet nächstes Semester sein Studium an der Uni Freiburg. Der gebürtige Freiburger hat vor seinem digitalen Durchbruch mit dem Programm "Artistic style transfer for videos" nur kleinere Projekte für die Uni programmiert. Seine Idee lässt Videosequenzen im Stil großer Künstler wie van Gogh oder Picasso erscheinen. Als App gibt es das spannende Tool leider noch nicht – vielleicht aber zukünftig. Bei ARD, SWR und NDR hat es sie schon vorgestellt.


Fudder: Deine Idee heißt "Artistic Style transfer for videos", ist aber vor allem unter dem Namen "Filme wie gemalt" bekannt geworden. Was unterscheidet Dein Programm von anderen Videobearbeitungstools?

Ruder: Das Problem vieler Videobearbeitungsprogramme ist, dass jedes Bild sehr viele Zufallselemente hat. Das erschwert die Videobearbeitung. Wenn ich also jedes Bild einzeln digital bearbeite, würde es bei jedem Bild anders aussehen. Es flackert dann wahrscheinlich. Das habe ich durch mein Programm behoben.

Fudder: Wie kamst Du auf die Idee?

Ruder: Es gab ja bereits das Programm, das Bilder wie gemalt darstellt und das fand ich total spannend. Ich habe es dann im Rahmen eines Masterprojektes so erweitert, dass es für Filme besser funktioniert.



Fudder: War Deine Art von Videobearbeitung zum Entwicklungszeitpunkt einzigartig, oder gab es so etwas Ähnliches schon?

Ruder: Zum Entwicklungszeitpunkt gab es so etwas Ähnliches noch nicht. Mittlerweile gibt es ein paar Nachahmer.

Fudder: Wie funktioniert Dein Programm technisch?

Ruder: Es gibt seit Neuestem diese Neuronalen Netzwerke, die haben ziemlich großen Erfolg. Die werden beispielsweise von Facebook und Google eingesetzt, um Gesichter zu erkennen. Neuronale Netzwerke können dann eine Repräsentation von dem Bild erstellen – also das Bild in einzelne Elemente auseinandernehmen. Das kann man dazu nutzen, um den Stil eines gewissen Künstlers zu erhalten und auf ein neues Bild zu übertragen. Das ist die Kurzform, was ich beim Programmieren mache.

Fudder: Hast Du das Programm alleine entwickelt?

Ruder: Das Meiste habe ich alleine programmiert. Aber ich hatte natürlich auch einen Betreuer, der mir geholfen hat. Vor allem mein Professor hat mich bei der Veröffentlichung meines Programms unterstützt.

Fudder: Ist "Filme wie gemalt" so ähnlich wie die allseits beliebten Snapchat-Filter?

Ruder: Die Snapchat- Filter sind relativ schnell. Du klickst sie einfach an und schon ist es gemacht. Unser Programm muss ziemlich lange rechnen. Wir brauchen für eine Sekunde Video circa eine Stunde. Das ist für einen Filter viel zu langsam. Deshalb können wir es auch noch nicht als App veröffentlichen.

Fudder: Warum hast Du Dich in Deinem Programm beispielsweise für van Gogh oder Picasso entschieden? Und inwiefern hast Du Dich über die Stilrichtungen dieser Künstler informiert?

Ruder: Das lief nach dem Prinzip: trial and error. Ich bin danach gegangen, welche Künstler sich für unser Projekt gut eignen. Es funktionieren vor allem Bilder aus dem Expressionismus gut, weil sie sehr chaotisch sind und viele Kunstelemente enthalten. Wir haben es auch einmal mit Pop-Art Grafiken probiert – die funktionieren leider gar nicht. Mein Wissen über Kunst habe ich noch aus Schulzeiten.

Fudder: Wie sieht Deine Zukunft aus? Schon neue Pläne?

Ruder: Ich muss jetzt erst einmal schauen, ob ich noch in der Wissenschaft bleibe und einen Doktor mache oder ob ich gleich anfange, zu arbeiten. Durch das Programm haben sich viele Möglichkeiten ergeben. Ich glaube eher nicht, dass ich mich mit "Filme wie gemalt" selbstständig machen werde. Aber ich möchte zukünftig auf jeden Fall an dem Tool weiterarbeiten.