Interkulturelles Musik-Tanz-Theater "Tranzit" beschäftigt sich mit dem Thema "Ankommen"

Kerstin Ernst

Musik, Tanz und Theater in einem Stück verbunden: Das mehrsprachige Theater-Projekt "Tranzit" feiert am Donnerstag Premiere. Das Projekt soll einen interkulturellen Austausch mit verschiedenen künstlerischen Darstellungsformen ermöglichen.

Vor zwei Jahren kamen tausende Flüchtlinge in Deutschland an, um hier in Sicherheit leben zu können. Die Hürden, die die Menschen erst einmal überwinden müssen, um hier richtig anzukommen, scheinen schier unüberwindbar. Langes Warten auf Asyl und die Unwissenheit, wie lange man noch hierbleiben darf. Mit diesem Zustand – dem Transit – beschäftigt sich das Theater-Projekt "Tranzit".


Tranzit ist ein mehrsprachiges Musik-Tanz-Theater-Stück, das sich mit dem Zustand des Transitären beschäftigt hat. Dabei geht es um die Phase des Wartens, die für Geflüchtete und Migranten oft ein Dauerzustand ist. "Wir haben uns mit dem Ankommen beschäftigt", erklärt Jan F. Kurth, der als freiberuflicher Musiker und Komponist arbeitet.

Was bedeutet "Ankommen"?

Die Macher von "Tranzit" wollen mit Hilfe verschiedener künstlerischer Darstellungsformen ergründen, was Ankommen heißt und wer das wie definiert:Wann jemand angekommen ist. Dabei geht es zum Einen um einen mentalen Zustand und auch um den bürokratischen Zustand, der oft eine undurchlässige Mauer im System zu sein scheint. Vergangenheit und Gegenwart des Themas in Deutschland sollen in dem Stück auch beleuchtet werden.

Seit knapp einem Jahr beschäftigt sich das Theater-Projekt interdisziplinär mit dem Thema. "Wir wollen eine erweiterte künstlerische Plattform schaffen", sagt Dramaturgin Johanna Dangel. Deshalb werden in dem Stück die verschiedenen künstlerischen Darstellungsformen, Musik, Tanz und Schauspiel miteinander verbunden. Es sollen etwa 80 Leute permanent auf der Bühne stehen: 60 Leute vom Chor, zwölf Tänzer und die Darsteller. In dem Stück wirken Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund, sowie in Deutschland beheimatete mit.

Gesammelte Geschichten ergeben eine Collage

"Angefangen haben wir mit Pubquizzen", sagt Dangel. Dort haben sie Alltags-Geschichten zum Thema Warten und Ankommen für ihr Stück gesammelt. Die gesammelten Geschichten ergeben zusammen mit verschiedenen theoretischen, journalistischen und literarischen Texten ein Theaterstück, welches die einzelnen Teile wie eine Collage miteinander verbindet.

Das Stück wird immer wieder durch musikalische Parts unterbrochen. Von Chormusik, traditionellem Mawaalgesang bis hin zu Rap ist eine Vielzahl an Musik für das Stück entstanden. Da das Stück mehrsprachig ist, wird dort auf arabisch, kurdisch und anderen Sprachen gesprochen und gesungen. Keine Angst: Die einzelnen fremdsprachigen Passagen werden übersetzt.

Starke Menschen zeigen

Die Grundidee war, den Menschen mit ihrem eigenen kulturellen Erfahrungsschatz eine Bühne zu geben: "Wir wollen den Fokus nicht auf das Elend legen, sondern zeigen, dass sie starke Menschen sind", sagt Jan F. Kurth zur Entstehung des Theaterprojektes.

Vor zwei Jahren hat das E-Werk dem Musiker und Komponisten eine Kooperation vorgeschlagen und eine Reihe von Musik-Workshops für Flüchtlinge mit ihm organisiert, woraus das erste musikalische Projekt "I show you" entstanden ist. "Diese Grundidee hat sich mit der Zeit weiter entwickelt", erzählt die Dramaturgin. "Tranzit" ist das dritte Projekt von Jan F. Kurth
Zum Tag der Vielfalt präsentiert der Verein "zusammen leben" mit dem Süduferchor und der Tanzcompany "Mit Händen und Füßen" im E-Werk das Stück "Tranzit". Am Donnerstag, 5. Oktober, feiert das Stück Premiere. Bis Sonntag, 8. Oktober, wird das Stück jeden Abend aufgeführt.

Zusammen leben e.V. engagiert sich für Menschen mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund und schafft Raum für Begegnung zwischen neuen und alten Freiburgern. Dazu gehört zum Beispiel das Projekt eines interkulturellen und inklusiven Gemeinschaftsgartens. Kultureller Austausch und die kulturelle Vielfalt stehen bei dem Theater-Projekt "Tranzit" im Vordergrund.

Was: Mehrsprachiges Musik-Tanz-Theater "Tranzit"

Wann: Donnerstag, 5. bis Sonntag, 8. Oktober, jeweils um 20 Uhr

Wo: E-Werk Freiburg

Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 8 Euro, Menschen im Asylverfahren kommen kostenlos in die Aufführung